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Sportbuzzer Radprofi Tony Martin im Pech
Sportbuzzer Radprofi Tony Martin im Pech
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17:26 04.07.2012
Pech für Tony Martin: Nach einem Sturz musste der deutsche Radprofi ins Krankenhaus. Quelle: dpa
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Seraing

Erst ein bitterer Reifendefekt im Prolog, dann ein böser Sturz und ein ungewisser Gang ins Krankenhaus: Für Tony Martin hätte die 99. Tour de France nicht schlechter beginnen können. Statt des erträumten Gelben Trikots setzte es für die deutsche Hoffnung am ersten Tour-de-France-Wochenende nur Platten, Pech und Pannen. Am Sonntag war er auf dem Weg nach Seraing zu Fall gekommen und hatte sich an Schulter und Handgelenk verletzt. Völlig frustriert stapfte er nach dem zweiten Rückschlag innerhalb von 24 Stunden in den Teambus, ehe er zum Röntgen ins Hospital fuhr.
„Ich hatte bei jedem Schlagloch Schmerzen. Ich hoffe, es sind nur Prellungen und keine Brüche“, sagte der Omega-Fahrer nach der ersten Etappe. Martin hatte erst im April bei einem Trainingssturz schwere Gesichtsverletzungen erlitten - am Sonntagabend schien sogar seine Weiterfahrt bei der Tour in Gefahr. „Es sieht nicht ganz so gut aus“, sagte Teamarzt Helge Riepenhof.

„Vielleicht ist es der Fluch des WM-Trikots“, versuchte sein Ex-Teamchef Rolf Aldag die Pechsträhne zu erklären. Sein belgischer Teamchef Patrick Lefevere zollte dem gebürtigen Cottbuser Respekt: „Trotz des Sturzes ist er im Finale nicht schlecht gefahren.“

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Den Tagessieg sicherte sich am Sonntag nach 198 Kilometern der 22 Jahre alte Tour-Debütant Peter Sagan aus der Slowakei mit einem cleveren Auftritt. Von Altmeister Eddy Merckx kassierte er ein dickes Lob: „Das ist ein großes Talent.“

Prologsieger Fabian Cancellara behauptete seinen Vorsprung an der Spitze des Gesamtklassements nach seinem zweiten Rang. Auch im Blick auf die zwei Massenstürze auf den letzten 30 Kilometern sagte der Schweizer: „Ich bin zufrieden. Der größte Sieg, ist heil im Ziel zu sein.“ Mit seinem überzeugenden Tour-Auftakt brachte der Zeitfahr-Olympiasieger auch etwas Ruhe in seine RadioShack-Nissan-Team, das wegen der Dopingaffäre um Lance Armstrong in Frankreich auf seinen Manager Johan Bruyneel verzichten muss.

Martin hatte schon zum Tour-Auftakt beim 6,4 Kilometer langen Prolog durch Lüttich alle Hoffnungen auf das erste Maillot Jaune seiner Karriere fahren lassen müssen. Eine kleine Glasscherbe hatte dem 27-Jährigen, der am Sonntag in Seraing 33. wurde, den Reifen des Hinterrades aufgeschlitzt und damit alle Chancen genommen. „Ich war nach einem Rennen noch nie so enttäuscht“, meinte Martin nach dem Prolog, „jetzt ist der Traum von Gelb vorbei.“

Vor seiner Reifenpanne nach mehr als der halben Strecke war Martin am Sonnabend gut unterwegs. Eine Zwischenrechnung im Begleitwagen hatte ergeben, dass er am Ende knapp vor Tagessieger Cancellara gelegen hätte - alles graue Theorie. Der Olympiasieger aus der Schweiz hatte seinen fünften Prologsieg bei der Tour markiert, zog mit Rekordhalter Bernard Hinault gleich und distanzierte den Tour-Favoriten Bradley Wiggins (Großbritannien) um sieben Sekunden. Martin hatte im Prolog 23 Sekunden verloren und landete auf Rang 45.

Zuschauer im „radsportverrückten“ Belgien verfolgten in Millionenstärke das erste Tour-Wochenende. Unter ihnen waren auch viele aus Deutschland angereiste Fans. Auf der 1. Etappe hatte sich früh eine sechsköpfige Ausreißergruppe gebildet, die aber im Finale keine Rolle mehr spielte. Der Schlussanstieg im Ziel in Seraing war 2,4 Kilometer lang – das ideale Terrain für den in italienischen Diensten fahrenden Sagan, der Cancellara, den Norweger Edvald Boasson-Hagen und den Lokalmatador Philippe Gilbert hinter sich ließ.

dpa

30.06.2012