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Sportbuzzer „Der Arm der Vergeltung“
Sportbuzzer „Der Arm der Vergeltung“
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11:17 07.08.2013
Forsche Töne vor der WM: Robert Harting. Quelle: dpa
Kienbaum

Robert Harting reißt die mehr als 100 Kilogramm schwere Hantel immer wieder in die Höhe. Der Schweiß fließt ihm dabei von der Stirn – und niemand stört in der Abgeschiedenheit des Sportzentrums Kienbaum mitten in den Brandenburger Wäldern die Vorbereitung des Diskuswurf-Olympiasiegers vor den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau, die am Sonnabend beginnen. Dort will der 28-jährige Berliner zum dritten Mal in Folge den Titel holen.

Am Dienstag aber legte Harting die Hantel beiseite, um sich als Schwergewicht beim Medientag der deutschen Leichtathleten zu präsentieren. Und dabei wollte er sich mit Nebensächlichkeiten wie einem grünen Klebeband am linken Knie erst gar nicht aufhalten. „Alles in Ordnung, ich bin fit“, sagte er.

Stattdessen sprach Harting über die am Montag ins Internet gestellte Studie  „Doping in Deutschland von 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation“, die sich im Wesentlichen mit dem Sportbetrug in der „alten Bundesrepublik“ befasst. Und natürlich geht es für den gebürtigen Cottbuser Harting nun darum, dass es wichtig sei, „dass der gleiche Maßstab angesetzt wird“ wie nach der Wende bei der Aufdeckung des Staatsdopings in der DDR.

Er fordert: „Es müssen auch Namen genannt werden. Es geht um eine hundertprozentige Aufarbeitung und darum, dass daraus Konsequenzen gezogen werden.“ Harting, der sich schon geraume Zeit für ein Anti-Doping-Gesetz in Deutschland und international für die Einrichtung eines Anti-Doping-Fonds für weltweite Kontrollen ausspricht, gibt jedoch zu bedenken:  „Das ist Geschichte, das lässt sich nicht so einfach auf die heutige Zeit übertragen. Das waren damals Hybridwesen. Das war der Kalte Krieg, die Sportler wurden instrumentalisiert.“

Der Zwei-Meter-Hüne attackierte allerdings auch wieder seine Lieblingsfeindin, die Anti-Doping-Aktivistin und frühere DDR-Sprinterin Ines Geipel. Die 53-jährige Schauspiel-Professorin  hatte kürzlich die aktuelle Leichtathletik, auch die deutsche, unter eine Art Doping-Generalverdacht gestellt. Harting entgegnete brüsk: „Das ist eine massive Beleidigung meiner Arbeit. Ich fühle mich da wie ein Banker in der Weltwirtschaftskrise. Sie kann die Arbeit der heutigen Athleten überhaupt nicht bewerten.“

Und der Diskuswerfer verstieg sich sogar zu der Behauptung, dass es Geipel als Doping-Opfer nicht zustehe,  „andere Athleten zu beleidigen“. Als Beispiel führte er die Kugelstoßerin Nadine Kleinert ein: Die Magdeburgerin war seit Ende der neunziger Jahre 13-mal von später des Dopings überführten Konkurrentinnen geschlagen worden und hatte bessere Platzierungen und teilweise auch Medaillen verpasst. Und Harting sorgt sich angesichts des Wirbels um die Dopingstudie, „die unsere aktuelle Arbeit in den Schatten stellt“, um die junge Generation: „Das bremst die Euphorie, Jugendliche zum Sporttreiben zu bringen, weil alles nur noch mit Doping in Verbindung gebracht wird.“

Harting liebt auch fortan die martialische Wortwahl. Seinen aktuellen körperlichen Zustand beschreibt er so: „Kurz vor der WM zittert und klappert alles. Wie ein Feinmechaniker muss ich nun alles zusammenhalten.“ Und der Werfer ergänzt: „Die Technik ist nicht da. Aber der Arm der Vergeltung muss es reißen.“ Vergeltung in einem Sportwettkampf? „Das brauche ich, um mich zu pushen. Die sieben PS im Wurfarm müssen doch zu was gut sein. Einen muss ich raushauen, und wenn der Diskus hochkant fliegt.“

Immerhin kann er in Moskau auf ganz viel familiären Beistand setzen. Die Eltern Bettina und Gerd werden auf der Tribüne sitzen. Freundin Julia Fischer gehört ebenso wie der sechs Jahre jüngere Bruder Christoph zum deutschen WM-Aufgebot, beide natürlich im Diskuswurf. Am Daumendrücken liegt es also nicht, sollte der große Wurf ausbleiben.

Von Peter Stein (mit: cas)

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