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Sportbuzzer Rollstuhltänzer Borrmann und Machens sind Behindertensportler des Jahres
Sportbuzzer Rollstuhltänzer Borrmann und Machens sind Behindertensportler des Jahres
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17:26 11.03.2011
Von Carsten Schmidt
Die Sieger Erik Machens und Andrea Borrmann freuen sich über die Auszeichnung. Quelle: Ulrich zur Nieden
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Zu zweit geht alles besser. Und wer das nicht glaubt, konnte gestern Abend im GOP-Varieté Hannover beobachten, wie geteilte Freude auf einmal die doppelte Wirkung entfaltet. Die Gesichter von Andrea Borrmann und Erik Machens schwankten zwischen Staunen und Strahlen, als auf der Gala des Behindertensportverbands Niedersachsen (BSN) der Ehrengast Alexander Leipold ihre beiden Namen als „Behindertensportler Niedersachsens des Jahres 2011“ nannte.

Die beiden Tänzer vom VfL Hannover, die vor 15 Monaten gar nicht an Wettkampfsport dachten, sind binnen kürzester Zeit mit Schwung, Stil und Taktgefühl zum Beispiel und Mutmacher für viele andere Sportler geworden. „Wir erleben eine Premiere“, sagte Laudator Leipold. „Ein Paar gewinnt.“ Und bei allem Respekt für furchtlose Einzelkämpfer, wie es der Ehrengast aus Unterfranken einst auf der Ringermatte war, ist Sport doch am schönsten, wenn er mit Gleichgesinnten oder gar Freunden betrieben werden kann.

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Dabei gilt diese Devise im Behindertensport auf eine ganz besondere Weise, weil Beispiele wie Borrmann und Machens, aber auch die Lebensläufe und der Kampfgeist der übrigen fünf Kandidaten zur Wahl des Behindertensportlers 2011 vielen Menschen Mut machen und manchen auf diese Weise erst „in Bewegung bringen“. Es mag pathetisch geklungen haben, als BSN-Präsident Karl Finke zur Begrüßung der 280 Ehrengäste an die Adresse der nominierten Athleten sagte: „Sie ge­hören zu den Leucht­türmen des nie­dersäch­si­schen Be­hin­der­tensports!“ Doch der Stolz des Präsidenten ist berechtigt, zumal unter dem Dach des Verbands mittlerweile fast 800 Vereine Sport für Behinderte anbieten. Und Finke hob auch hervor, dass die Zusammenarbeit mit dem Landessportbund Niedersachsen „hervorragend“ ist – ein weiterer Beleg für den Weg, den der Behindertensport in die Mitte der Gesellschaft gefunden hat.

Dazu beigetragen hat auch die von der HAZ unterstützte Sportlerwahl des BSN, die bei ihrer 11. Auflage wieder mehr als 20 000 Niedersachsen zum Votum für ihren Favoriten oder ihre Favoritin animierte. Wie groß die Wertschätzung für die Leistungen aller Behindertensportler ist, zeigt auch ein Blick auf die Gästeliste. Erstmals war Hannovers Oberbürgermeister zu Gast im GOP. Der Sportfan Stephan Weil würdigt damit den Beitrag, den auch die Athleten mit Handicap für die „Sportstadt“ leisten, zumal ein Paar aus einem Verein der Landeshauptstadt ganz vorn landete.

Einen ermutigenden Beweis von Kontinuität für den BSN bietet die Schirmherrschaft des niedersächsischen Ministerpräsidenten für die Sportlerwahl. David McAllister trat auf diesem Felde gern in die Fußstapfen des Vorgängers Christian Wulff. Für den heutigen Bundespräsidenten war die BSN-Gala stets der „schönste Termin des Jahres“. McAllister dagegen musste schweren Herzens absagen wegen „dringender Angelegenheiten“, wie es in einer offiziellen Mitteilung hieß. So verpasste der 40-Jährige einen Abend in entspannter Atmosphäre, die viele Kontakte ohne Berührungsängste zuließ.

Berührungsangst bleibt auch ein Fremdwort für Tänzer. Deshalb ließen sich Borrmann und Machens vom souveränen Gala-Moderator Andreas Kuhnt und seinem neuen Mikrofonpartner Dennis M. Meyer zu einem Siegertänzchen überreden. Und zeigten bei ihrer feurigen Samba, dass es zu zweit auch viel mehr Spaß macht.