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Sportbuzzer Ruhig schlägt das Hundeherz
Sportbuzzer Ruhig schlägt das Hundeherz
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08:00 13.03.2010
Von Hans-Peter Wiechers
Dr. Ralf Tobias untersucht per Ultraschall Pon Nicky, den polnischen Hütenhund der Familie Radkewitz
Ein Herz für Hunde: Dr. Ralf Tobias untersucht per Ultraschall Pon Nicky, den polnischen Hütenhund der Familie Radkewitz aus Hannover. Quelle: Florian Wallenwein
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Danny ist für diese Untersuchung sogar aus Bremen gekommen. Und es sieht so aus, als sei er schnell noch einmal beim Friseur gewesen. Der Pony ist jedenfalls makellos geschnitten. Danny ist ein Malteserrüde, knapp sechs Kilo schwer, zwölf Jahre alt, und manchmal hat er einen röchelnden Husten, der sein Herrchen, Wolfgang Lackmann, doch sehr beunruhigt. Seine Haustierärztin hat ihn schließlich nach Hannover geschickt.

Dannys Herz schlägt ruhig. Tobias schaut auf den Monitor seines Ultraschallgerätes: „Die Herzmuskelarbeit und sein EKG sind doch super.“ Wolfgang Lackmann fällt von seinem Herzen ein Stein, und auch Danny hechelt irgendwie erleichtert.

Wer zu Hause keinen Vierbeiner hat, fragt sich angesichts solch aufwendiger Untersuchungen mit Elektrokardiogramm, Ultraschall und Blutdruckmessung vielleicht, ob dies nicht eine ausufernde Tierliebe ist. Tobias sieht das ganz nüchtern: „Die innere Medizin hat bei Diagnostik und Therapie so gravierende Fortschritte gemacht, dass eine zunehmende Spezialisierung der Tierärzte einfach nötig ist, wenn man die Patienten so erfolgreich wie nur möglich behandeln will.“ Hund oder Katze sind heute eben keine Haustiere mehr, sondern Familienmitglieder, die mit einer umfassenden medizinischen Betreuung rechnen können, wenn Herrchen oder Frauchen bereit sind, die Arztrechnung zu bezahlen.

Der nächste Patient ist Nicky, ein Pon, ein polnischer Hütehund. Dr. Tobias spricht von einem Herzbefund, und was er sonst noch sagt, sind Daten, die man auch in der Praxis eines Humanmediziners hören könnte. Nicky hat einen Blutdruck von 147 zu 92 und einen Puls von 100, und er nimmt derzeit täglich vier Pillen. Seine Stoffwechselkrankheit treibt den Blutdruck hoch. Und außerdem gibt es bei Hunden wie beim Menschen diesen sogenannten Weißkitteleffekt. Der Blutdruck steigt, wenn der Doktor die Manschette anlegt. Und dann blitzt vor Nickys Nase auch noch ständig dieser Fotograf von der Zeitung. Für derart viel Trubel wirkt der Hütehund noch ganz gefasst. Als Frauchen sich mit dem Arzt über die Gabe der Medikamente unterhält und Herrchen die Scheckkarte zücken darf, liegt er schon wieder ganz entspannt an der Tür.

Als Risikorasse und damit häufiger Gast beim Kardiologen gilt der beliebteste Hund des Deutschen, der Dackel. „Gut 80 Prozent der Dackel haben, wenn sie älter als sieben Jahre sind, einen Herzklappenfehler“, sagt Ralf Tobias. Zumeist merkt der Besitzer des Tieres das Leiden gar nicht. Kardiologen können solche Herzklappenfehler frühzeitig erkennen und auch sagen, worauf der Mensch am anderen Ende der Leine achten muss. Das kann manchmal eine lebenswichtige Information sein. Herzerkrankungen sind schließlich (nach Tumorerkrankungen) die zweithäufigste Todesursache bei Hunden.

Woran das Herz des Ralf Tobias hängt, ahnt schon, wer sich in seiner Praxis näher umschaut. An den Wänden finden sich eine Reihe von Zeichnungen, auf denen Geparden so hochmütig und stolz in die Gegend schauen, wie es nur Katzen können. Wenn Tobias nicht in Hannover ist und auch keine Vorträge hält, engagiert er sich im internationalen Artenschutz in Afrika, wo diese Geparden vom Aussterben bedroht sind.

Wer Elli in die braunen Augen schaut, dem fallen nicht als Erstes die Begriffe Rasse oder Stolz oder Hochmut ein. Elli ist ein eher zierliches Wesen, das man beschützen möchte. Dabei ist die Mischlingshündin doch eigentlich eine Kämpferin, eine, die auf der Straße aufgewachsen ist. In ihrer Brust steckt eine Kugel, und keiner weiß, wo sie sich dieses Stück Metall eingefangen hat. Dazu war noch ihr Oberschenkel gebrochen. Elli hat sich trotzdem ohne die Hilfe eines Tierarztes durchgebissen. Sie stammt aus Bulgarien. Cornelia Fritz hat die Mischlingshündin nach Pattensen geholt. Es ist nicht das erste Tier, das sie über die Tierschutzorganisation „sundogs“ bekommen hat. Cornelia Fritz liebt solche Mischlinge, die nicht so auffällig schön sind wie manche Rassehunde, aber dafür oft gelehrig und fast immer anhänglich. Man könnte meinen, diese Tiere wüssten, dass ihr neuer Mensch ihnen das Leben gerettet hat, und sie sind ihm dankbar dafür.

Die Tierfreunde mit dem großen Herzen für gequälte Kreaturen aus südlichen Ländern sollten allerdings auch wissen, auf was sie sich einlassen. Michaela Bruns, Tierärztin in Pattensen, hatte schon viele Patienten wie Elli auf dem Tisch: „Wer so einen Hund aufnimmt, muss damit rechnen, dass er sich auf ein Abenteuer einlässt. Die Tiere bringen nicht selten Blutparasiten mit, wie zum Beispiel Hundemalaria.“ Einige Tierschutzorganisationen lassen die Hunde zwar vor der Vermittlung untersuchen und geben auch die Laborergebnisse mit. Eine Gesundheitsgarantie ist das nicht. Manche Tiere sind sogar chronisch krank. Auch Ellis Behandlung war nicht billig, aber Frauchen hat davon keinen Cent bereut.

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