Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Sportbuzzer Lisicki gewinnt Wimbledon-Krimi
Sportbuzzer Lisicki gewinnt Wimbledon-Krimi
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:58 04.07.2013
Sabine Lisicki schafft die Sensation: Sie zieht ins Wimbledon-Finale ein. Quelle: rtr
Anzeige
Wimbledon

Sabine Lisicki hat auf dem Heiligen Rasen von Wimbledon Tennis-Geschichte geschrieben. Als erste Deutsche seit Steffi Graf vor 14 Jahren zog die 23 Jahre alte Berlinerin nach einem denkwürdigen Krimi ins Endspiel des berühmtesten Tennisturniers der Welt ein. Mit einer erneuten Wahnsinns-Leistung auf dem voll besetzten Centre Court bezwang Lisicki am Donnerstag die Weltranglisten-Vierte Agnieszka Radwanska aus Polen in drei Sätzen mit 6:4, 2:6, 9:7.

Im Kampf um die erste deutsche Wimbledon-Krone im Vereinigten Königreich seit Steffi Grafs Finalsieg gegen Arantxa Sánchez-Vicario im Jahr 1996 trifft die Nummer 24 der Welt am Samstag auf die Französin Marion Bartoli. Die Finalistin von 2007 hatte bei ihrem 6:1, 6:2-Erfolg keine Probleme mit Kirsten Flipkens aus Belgien.

Anzeige
In einem packenden Halbfinale schenkten sich Sabine Lisicki und Agnieszka Radwanska nichts. Am Ende konnte sich Lisicki allerdings durchsetzen und zog ins Finale von Wimbledon ein. Dort wartet Marion Bartoli aus Frankreich.

"Ich traue ihr alles zu. Radwanska ist aber eine enorme Hürde, die nur mit einer ganz großen Leistung zu überspringen ist", hatte Bundestrainerin Barbara Rittner vor dem Match gesagt. Am frühen Morgen verbreitete die Fed-Cup-Chefin noch via Twitter ein Foto mit dem Schriftzug "Let's go Sabine". Die Herzen der britischen Fans hatte die junge blonde Deutsche sowieso schon erobert. Mit ihrem Power-Tennis, vor allem aber mit ihrem gewinnenden Dauerlächeln. Als Agnieszka Radwanska aber am Donnerstag um 15.40 Uhr ihren ersten Aufschlag auf den grünen Rasen tropfen ließ, war Schluss mit lustig.

Lisicki im Kurzporträt

Geboren: 22. September 1989 in Troisdorf

Wohnort: Bradenton/Florida und Berlin

Größe: 1,78 Meter, Rechtshänderin

Profi seit: 2006

aktuelle Position Weltrangliste: 24

höchste Platzierung Weltrangliste: 12 (21. Mai 2012)

Titel: 3 (2011 Birmingham/Rasen, Dallas/Hartplatz; 2009 Charleston/Sand)

Finale: 4 (2013 Pattaya City/Hartplatz, Memphis/Hartplatz, 2009 Luxemburg/Hartplatz; 2008 Taschkent/Hartplatz)

Wimbledon-Teilnahmen: 2008 erste Runde, 2009 Viertelfinale, 2010 nicht dabei (verletzt), 2011 Halbfinale, 2012 Viertelfinale, 2013 Endspiel

Preisgeld Karriere (vor Wimbledon): rund 2,2 Mio. Euro

Obwohl an beiden Oberschenkeln dick bandagiert, präsentierte sich die Weltranglisten-Vierte genauso, wie es alle erwartet und aus deutscher Sicht befürchtet hatten: zäh, nervenstark und aggressiv. Noch gut drei Stunden vor dem Match hatten die beiden nebeneinander im angrenzenden Aorangi Park trainiert. Während Radwanska nach 30 Minuten lockerem Einspielen schon wieder verschwand, powerte Lisicki schon beim Einschlagen, als würde sie bereits um die Grand-Slam-Krone kämpfen.

Im zweiten Halbfinale erarbeitete sich Lisicki im siebten Spiel erstmals Breakbälle. Der erste landete im Aus, der zweite und dritte im Netz. Auch den vierten Breakball hätte Radwanska nach einem Netzroller Lisickis fast noch zurück ins Feld gebracht, doch diesmal landete ihr Schlag knapp neben der Linie. Lisicki ging 4:3 in Führung und entschied nach 33 Minuten den ersten Satz für sich. Im zweiten Durchgang nahm Lisicki ihrer Kontrahentin, gegen die sie schon Juniorinnenturniere in Polen gespielt hat, erneut den Aufschlag ab. Prompt kassierte die Nummer 24 der Welt aber ein Re-Break.

Harte Probe für die Nerven

So ging es munter weiter. Zum 1:3 brachte Lisicki ihr Service nicht durch, verkürzte durch ein Break wieder zum 2:3, brachte ihr Aufschlagsspiel aber anschließend erneut nicht durch. Mit zwei Doppelfehlern nacheinander erlaubte Lisicki ihrer Gegnerin die ersten Satzbälle - nach 36 Minuten war Durchgang zwei verloren. Akt drei auf der bedeutendsten Tennisbühne des Planeten begann wenig verheißungsvoll. Radwanska ging 3:0 in Führung. Aber schon bei ihrem sensationellen Achtelfinal-Sieg gegen Serena Williams hatte Lisicki einen 2:4-Rückstand im entscheidenden Durchgang noch aufgeholt. Auch diesmal glich sie zum 3:3 und später zum 4:4 aus.

In der Box wurden die Nerven von Trainer Wim Fissette, Vater Richard, Mutter Elisabeth und Teamchefin Rittner auf eine harte Probe gestellt. Mit dem Break zum 5:4 schien die Vorentscheidung gefallen zu sein. Doch Radwanska konterte, glich aus und ging sogar mit 6:5 in Führung. Anschließend war es ein Spiel auf Augenhöhe. Dann das entscheidende Break von Lisicki zum 8:7. Wenige Minute später hatte sie drei Matchbälle. Den ersten wehrte die Polin ab, den zweiten nicht mehr.

Nach 138 Spielminuten fiel Lisicki jubelnd auf den Rücken - das Wunder war wahr geworden. Gegen Bartoli hat die Deutsche eine positive Bilanz. Von vier Vergleichen hat sie drei gewonnen. Schon zweimal standen sich beide in Wimbledon gegenüber. 2008 setzte sich die Französin in der ersten Runde durch, zuletzt 2011 aber im Viertelfinale Sabine Lisicki.

dpa