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Sportbuzzer Schachtalent Jan Pubantz in Willingen am Start
Sportbuzzer Schachtalent Jan Pubantz in Willingen am Start
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20:27 22.05.2015
Von Sabrina Mazzola
„Es ist egal, ob ich mit Kindern oder Erwachsenen spiele. Hauptsache, es macht Spaß“: Jan Pubantz gilt als großes Schachtalent. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Spasski ringt um den Sieg, denn Fischer ist ihm weit voraus. Es geht um nicht weniger als um den Titel des Schachweltmeisters. Und was jetzt? „Jan, sollte Schwarz immer noch versuchen, Figuren zu tauschen?“, fragt Schachtrainer Dennis Abel.

Jan Pubantz überlegt. Die Beine des Zehnjährigen baumeln über dem Boden, und sein Kopf ragt kaum über den Tisch, auf dem er und Abel die berühmte Schachpartie von Boris Spasski und Bobby Fischer aus dem Jahr 1972 nachvollziehen.

Es ist Freitagabend, Jan hat Schachtraining beim SK Ricklingen im Freizeitheim Ricklingen. Aber die vielen Erwachsenen und die wuchtigen Schachuhren, von denen der Junge umringt ist, passen so gar nicht zu dem zierlichen Grundschüler mit den braunen Wuschelhaaren.

Doch mit seinem Können ist das Schachtalent hier genau richtig: Bei der Vorrunde der Deutschen Amateurmeisterschaft gewann Jan seine Wertungsgruppe mit fünf Siegen aus fünf Partien. Bei der niedersächsischen Landeseinzelmeisterschaft der Jugendlichen Ende März erreichte er den 3. Platz - punktgleich mit den Plätzen 1 und 2. Und am Sonnabend startet er bei der deutschen Jugend-Schachmeisterschaft in der Altersklasse U10 im hessischen Willingen. „Jan ist ein Naturtalent, er kann sich sehr lange sehr gut konzentrieren. Als Kind ist man sehr gut, wenn man zwei bis drei Züge vorausdenkt, aber Jan hat auch schon Strategien und Ideen parat, die Kinder in diesem Alter normalerweise nicht haben“, lobt Jugendwart Thorsten Hapke den Ausnahmespieler. Und auch von Trainer Dennis Abel, der selbst in der Schachbundesliga spielt, gibt es viel Anerkennung: „Jan gehört zu den stärksten Jugendlichen in Niedersachsen. Er kann mal richtig gut werden. Und das Training wirkt bei ihm unglaublich effektiv.“

Der junge Schachspieler selbst sieht das gelassener. „Es ist egal, ob ich mit Kindern oder Erwachsenen spiele. Hauptsache, es macht Spaß. Aber gegen Erwachsene ist die Herausforderung größer.“ Der Viertklässler der Grundschule Wettbergen spielte zunächst gegen seinen Vater, dann nahm er an einem Jugendturnier im Stadtteilzentrum Krokus teil. „Mit dem Turnier kam die Lust auf mehr, im Verein trainiere ich jetzt mindestens einmal die Woche“, erzählt er. Doch so spät wie an diesem Abend wird es sonst nicht. Der Zehnjährige gähnt. „Ich gehe sonst immer um 21.15 Uhr ins Bett“, sagt er und reibt sich die Augen.

So viel Engagement braucht sein Verein, der SK Ricklingen. Der Schachclub ist zwar sehr erfolgreich bei der Jugendarbeit und stellt die beiden einzigen hannoverschen Teilnehmer der deutschen Jugendmeisterschaft. Zusammen mit Jan tritt auch Geoffrey Meric an, er spielt in der Altersklasse U12. Doch den Traditionsverein aus dem Jahr 1946 plagen Nachwuchssorgen. „Die Computerspiele sind das Problem. Die sind auch geistig fordernd, und dabei noch bunt und rasant - beim Schach ist alles schwarzweiß und real“, sagt Jugendwart Hapke.

Ein weiteres Problem: Schach ist eine Männerdomäne. „Bei uns sind 43 Jungen und Männer Mitglied, aber nur ein Mädchen“, bedauert Hapke. Das spiegelt sich auch in der Altersstruktur der Schachvereine in der Region Hannover wider: Zwar gibt es rund 1400 Aktive in 39 Vereinen - doch es sind nur 40 Mädchen aktiv. Der Jugendwart ermutigt deshalb auch Mädchen, einmal beim Schachtraining vorbeizukommen. Denn das Spiel sei gar nicht so komplex wie oft angenommen: „Die Regeln hat man nach sieben Stunden verstanden und kann sie problemlos umsetzen“, sagt Hapke.

Die Anfänge beim Schach hat Jan Pubantz längst hinter sich. Und sein Trainer Abel hat noch viel mit ihm vor. „Wahrscheinlich werden wir bald mehr mit ihm trainieren.“ Und wenn er erst einmal so weit ist, hat er beste Chancen, vielleicht auch ein ganz Großer zu werden. „Im Schach kann man seine Spielstärke über Jahre halten und konservieren.“

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