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Sportbuzzer Sebastian Vettel feiert seinen Formel-1-Triumph
Sportbuzzer Sebastian Vettel feiert seinen Formel-1-Triumph
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20:14 15.11.2010
Sebastian Vettel merkt, dass man als Weltmeister keinem Mikrofon entkommt.
Sebastian Vettel merkt, dass man als Weltmeister keinem Mikrofon entkommt. Quelle: dpa
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Ganz Deutschland gibt wieder Gummi. Das Formel-1-Fieber grassiert hierzulande wie bei Michael Schumachers Siegesserie vor knapp einem Jahrzehnt. Und am stärksten befallen ist Heppenheim in Südhessen, die Geburtsstadt von Sebastian Vettel. Seit der 23-Jährige sich am Sonntag zum jüngsten Formel-1-Weltmeister aller Zeiten gekrönt hat, ist Schluss mit der kleinstädtischen Betulichkeit.

Heppenheim setzt Ehrungsmaßstäbe: Die ehrwürdige höhere Lehranstalt des Ortes trägt flugs für einige Tage den Namen „Sebastian-Vettel-Gymnasium“. Und die örtliche Gastronomie verwöhnt den Besucher mit dem „Weltmeister-Vettel-Teller“: ein Schnitzel vom Schwein mit crossen Bratwursträdern, einem Karottenheck und einer Cockpit-Kirsche sowie Pommes Asphalt. Keine Sorge: Das Kartoffel-Geschnetzelte sticht farblich eher ins Goldene. Und wer es nicht so mit dem Fleisch hat, der kann Vize-Alonso-(!)Panne(!) mit Reis, Garnelen und Salat ordern.

Die Euphorie um Vettels Titelgewinn kann sich allemal messen lassen mit der Freude über Schumachers ersten Titelgewinn in der Motorsport-„Königsklasse“ 1994. Doch eigentlich ist alles anders. Der Erfolg des Rheinländers damals und alle weiteren Triumphe hatten die Aura des glatten, geplanten Aufstiegs. Der Hesse indes holperte zum Titel teilweise wie ein Fahranfänger. Vettel hatte das schnellste Auto, aber noch nicht die Reife, es zu beherrschen, hieß es noch vor einigen Monaten.

Doch der 23-Jährige verblüffte alle wie ein Senkrechtstarter aus einer anderen Sportart, der nur rund 40 Kilometer südlich geboren wurde. Tennisspieler Boris Becker stürmte 1985 auf dem Centre Court des altehrwürdigen Turniers in Wimbledon als erster ungesetzter Profi und als erster Deutscher zum Turniersieg. Prompt waren wir alle Tennis, und in Leimen kreierte die Bäckerzunft „Bobeles“, wobei es heute strittig ist, ob es Brezeln waren oder ein Sauerkraut-Speck-Gebäck.

Schumacher ist der ideale Schwiegersohn für den Bilderrahmen auf dem Büfett, Vettel indes hat die Aura des Kumpels von nebenan, mit dem man Pferde stehlen und noch mehr kann. Natürlichkeit und eine Portion Frechheit öffnen dem neuen Weltmeister die Herzen der Fans, wie es der ungeschliffene und ungestüme Becker vor 25 Jahren oder die ungelenk wirkende Überfliegerin Ulrike Meyfarth mit ihrem Sensationssieg im Hochsprung bei den Olympischen Spielen 1972 schafften. Meyfarth, Becker, Vettel – sie sind die Verkörperung des Mottos, dass es auch im Sport den märchenhaften Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär gibt.

Wie aber geht es weiter mit dem Formel-1-Champion? „Man kann über Rekorde diskutieren, aber sie sind da, um gebrochen zu werden“, sagte Vettel am Montag keck am Rande der Red-Bull-Feier im Salzburger Hangar-7. Doch der Hesse scheint schon zu ahnen, dass nicht sein überragendes Talent und Fortunas Gunst allein ihn zu weiteren Triumphen tragen. Der Weltmeister feiert – und arbeitet auch schon in dieser Woche wieder. Er testet die Reifen des neuen Formel-1-Ausrüsters Pirelli am Ort des frischen Sieges, in Abu Dhabi.

Doch selbst wenn Vettel sich mit Fleiß und Erfahrung zum künftigen Seriensieger entwickelt, so wird der erste Erfolg der nachhaltigste bleiben. Nicht umsonst rief Norbert Vettel, als sein Sohn als Weltmeister feststand: „Jetzt haben wir endlich das, was wir immer wollten.“ Der Sieg hat viele stolze Väter.

Carsten Schmidt

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