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Sportbuzzer VW hat einen Weltmeister
Sportbuzzer VW hat einen Weltmeister
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22:24 03.10.2013
Von Carsten Schmidt
Mit diesem Wagen gewann Sébastien Ogier de Frankreich-Rallye. Quelle: dpa
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Straßburg/Hannover

Was lange währt, wird endlich gut. Sébastien Ogier und sein Ko-Pilot Julien Ingrassia sind Rallye-Weltmeister, und mit den beiden Franzosen feiert nun auch Volkswagen Motorsport in Hannover. Dort wurde der VW Polo WRC entwickelt, in dem das Duo zum Titel fuhr. Ogier/Ingrassia verwandelten sozusagen den dritten Matchball, nachdem es bei den Rallyes in Deutschland und Australien noch nicht geklappt hatte: Beide leisteten Maßarbeit bei der gestrigen Power-Stage-Sonderprüfung zum Auftakt der Frankreich-Rallye, die bis Sonntag dauert. Das Duo belegte in Straßburg den 3. Platz nach 3:21,6 Minuten und sicherte sich damit den einen Zähler, der zum großen Glück noch gefehlt hatte.

Schneller waren nur die siegreichen Spanier Daniel Sordo/Carlos del Barrio (3:20,8) und Thierry Neuville/Nicolas Gilsoul aus Belgien (3:21,5). Neuville war mit 83   Punkten der einzige Fahrer, der Ogier noch die vorzeitige Titelfeier verderben konnte. Dazu hätte er siegen müssen und der Rivale bestenfalls Vierter werden dürfen. Doch diese Konstellation trat nicht ein – und so durfte die VW-Crew am Abend im Elsass zeigen, dass sie, wie Ogier schon im Vorfeld gesagt hatte, „auch beim Feiern vorn dabei“ ist.

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„Ich bin überglücklich und kann das alles noch gar nicht glauben“, teilte Ogier über Twitter mit, unmittelbar nachdem der Titelgewinn feststand. Und VW-Motorsportdirektor Jost Capito urteilte einfach: „Außergewöhnlich.“ Der 29-Jährige hat damit den Gipfel seines Sports erreicht. Der Motorsportler, der aus Gap in der französischen Alpenregion stammt, war bereits Junioren-Weltmeister und hatte 2011 den 3. Platz in der Fahrerwertung der Rallye-WM belegt. Weil er aber in seinem damaligen Citroën-Rennstall nicht an dem mittlerweile neunmaligen Weltmeister Sébastien Loeb vorbeikam, wechselte er zu Volkswagen, um dort bei der Entwicklung eines wettbewerbstauglichen WRC-Fahrzeuges mitzuhelfen.

Dieses Vorhaben gelang mit dem
 WM-Triumph weit schneller als erwartet. „Der Polo ist mittlerweile wirklich ein fantastisches Rallyeauto. Zusammen mit den Ingenieuren haben wir ein wirklich starkes Paket entwickelt“, sagte Ogier. „Der Motor ist hervorragend, das hat man in der Höhenluft von Mexiko gesehen. Und bei den 40-Meter-Sprüngen in Finnland landet der Polo fast so kontrolliert wie ein Jet.“ Der Titelgewinn Ogiers erhält eine besondere Note, weil er beim WM-Lauf in seinem Heimatland gelang. Und der neue Weltmeister krönte sich zudem im Revier des alten Titelträgers, auch wenn er Quervergleiche mit dem Landsmann überhaupt nicht mag. „Ich bin nicht der neue Loeb, ich bin Ogier. Wir brauchen das nicht mehr“, sagte er im Vorfeld.

Loeb, der in seiner Abschiedssaison nur noch sporadisch antrat und dadurch nie eine Chance in der Fahrerwertung besessen hatte, ist im Elsass zu Hause, wo die Frankreich-Rallye ausgetragen wird. Der dominierende Fahrer der vergangenen Jahre würde sich zu gern mit einem Erfolg bei diesem für ihn besonderen Wettbewerb verabschieden. Die Power Stage lief indes noch nicht so gut für Loeb, der mit Beifahrer Daniel Elena den 7. Platz, noch hinter den VW-Duos Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila (beide Finnland, 6.) und Andreas Mikkelsen/Paul Nagle (Norwegen/Irland) lag, die überraschend auf den 5. Rang vorfuhren.

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