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Sportbuzzer Sorgen um Gerd Müller
Sportbuzzer Sorgen um Gerd Müller
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22:00 21.07.2011
Von Carsten Schmidt
Für die ältere Generation der Fußballfans ist Gerd Müller, heute 65 Jahre alt, ein Held. Quelle: dpa
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Gerd Müller war gestern wieder im Fernsehen zu sehen. Im Werbespot für Müllermilch spielt er einen Milchdieb. Auf Fußballschuhen schleicht er sich in die Küche von Thomas Müller, öffnet den Kühlschrank und nimmt einen Schluck aus der Milchflasche. Gerd Müller und Thomas Müller sind nicht verwandt, aber sie verbindet neben dem Nachnamen eine Leidenschaft: das Toreschießen. Thomas Müller war der Torschützenkönig der Fußball-WM 2010. Gerd Müller ist der Rekordschütze der Nationalmannschaft und der Bundesliga.

Für die ältere Generation der Fußballfans ist Gerd Müller, heute 65 Jahre alt, ein Held. Wer ihn in dem Werbefilmchen sieht, der hat auch gleich andere Bilder im Kopf, zum Beispiel das Bild von seinem berühmtesten Tor, dem 2:1-im WM-Finale gegen die Niederlande 1974. Wer so viele Tore erzielt hat für Deutschland (68 in 62 Länderspielen) und für den FC Bayern München (365 in 427 Bundesligaspielen) ist ein Held für die Ewigkeit, der bleibt der „Bomber der Nation“, auch wenn er seit 1982 nicht mehr spielt. Fußball-Deutschland verdankt ihm viele glückliche Stunden, da ist es klar, dass vor allem Menschen, die heute über 40 Jahre alt sind, aufgeregt reagieren, wenn ihr Idol von einst unglücklich zu sein scheint.

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Gerd Müller 13 Stunden verschwunden“, titelte die „Bild“-Zeitung aus dem Trainingslager der Bayern-Reserve in Norditalien. Müller ist deren Assistenztrainer. Was immer dort genau passiert ist, lässt sich nicht klären. Die Bayern-Verantwortlichen müssen auf jeden Fall derart besorgt gewesen sein, dass sie Müller von der Polizei suchen ließen, als sie ihn im Hotel vermissten. Polizisten hätten ihn später in einem „verwirrten und orientierungslosen Zustand“ auf der Hauptstraße von Trient aufgegriffen.

Der Münchener Klub stellt alles undramatischer da. Müller habe vom Hotel aus einen Spaziergang gemacht und sich dabei verlaufen, weil die Mannschaft zuvor die Unterkunft gewechselt habe. „Es geht ihm gut, alles prima“, heißt es aus der Presseabteilung des FC Bayern.

Mittlerweile ist Gerd Müller wieder in Deutschland, er gibt keine Interviews, die Bayern bemühen sich, ihn vor aufdringlichen Reportern zu schützen. Franz Beckenbauer, die andere große Fußballlegende, hat einmal gesagt: „Alles, was der FC Bayern geworden ist, verdankt er Gerd Müller.“ Doch Müller verdankt auch seinem Verein viel. Als der Alkohol den Stürmer nach der Karriere aus der Bahn zu werfen drohte, fingen die Münchener Müller auf und gaben ihm eine Anstellung auf Lebenszeit.

Öffentliche Auftritte sind Müller ein Graus. Wer ihn vor einem Jahr in Südafrika bei einem Sponsorentermin beobachten konnte, der sah einen ängstlichen, scheuen Mann, der Fragen möglichst kurz und unverständlich beantwortete, damit es nicht so viele davon gibt. Gerd Müllers Antworten waren immer seine Tore.