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Sportbuzzer Spielen, rennen, kopfstehen
Sportbuzzer Spielen, rennen, kopfstehen
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12:57 17.10.2009
Von Tatjana Riegler
Verpurzelt: Die Pause auf dem Kasten endet als Kopflandung. Quelle: Ulli zur Nieden
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In der Mitte thront ein Berg. Der kleine Tunnel führt direkt zu ihm. Wie auch die kleinen Boote, die drumherum schwimmen. Sie schwimmen natürlich nicht wirklich, denn durch die Maschstraße in Hannover schwappt kein See, hier steht die Sporthalle des Turn-Klubb Hannover. Und durch die schwappt eine bunte Bewegungswelle - wenn der Kinder-Turn-Klubb an der Reihe ist.

Viele der Drei- und Vierjährigen, die da in Ringelsocken, Turnschuhen oder barfuß übers Parkett toben, waren beim Eltern-und-Kind-Turnen. Nun toben sie selbstständig über Boote aus Matten, den Berg aus Kästen und Sprossenwand oder durch den Tunnel aus blauen Rollmatten. Was das mit Turnen zu tun hat? Wenig: „Die Kinder sollen einfach Spaß an der Bewegung entwickeln“, sagt Übungsleiter Ivan Jakovesic. Lachen beim Laufen, Schwitzen beim Springen, Konzentrieren beim Kastenhüpfen und dann allen Mut für den Purzelbaum zusammennehmen.

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Um Hochleistung geht es hier nicht. „Wir wollen den Kindern viel Abwechslung zeigen“, sagt der Exturner Jakovesic, der sich seit zehn Jahren mit dem TKH-Nachwuchs beschäftigt. Sein Bewegungsparcours hat es in sich: Weil er als Landschaft getarnt ist, bemerken die 19 Kinder kaum die Anstrengung. Ihr natürlicher Bewegungsdrang lässt sie spielen, rennen, kopfstehen - und vieles reflexartig wiederholen. Die Freude überwiegt, und doch werden die Kinder geschult. Wer zum Beispiel auf der dicken Matte hüpft, stärkt Bänder und Sprunggelenke. Wer mit geschlossenen Füßen vom Kasten springt, lernt Konzentration auf den eigenen Körper. Und wer über die schräge Sprossenwand balanciert, feilt am Gleichgewichtssinn. „Das fällt den meisten Kindern leicht“, sagt der Übungsleiter. Beim Krabbeln durch den Tunnel sieht es anders aus: Die Neugier reicht bei einigen bis zur Dunkelheit, „man muss sich schon was trauen“, sagt Jakovesic lachend.

Vor allem, wenn die Eltern außer Sichtweite sind. Deshalb berichten die Kinder später, was sie geturnt haben - oder führen es vor. „Man merkt die Fortschritte von Mal zu Mal“, sagt Gesa Schwerdtfeger. Ihre vierjährige Tochter Emma legt daheim gern Hüpfeinheiten ein, die Mutter begrüßt es: „Für die körperliche Entwicklung und das Selbstbewusstsein ist Turnen so wichtig.“ Die Meinung teilen alle Eltern, die in der Kabine warten.

Erwartungsfroh stürmen die Kleinen auch in die Turnstunde mit Andrei Nezezon. „Es ist nicht schwer, Kinder zu motivieren“, sagt der Übungsleiter. Dem einstigen Turner ist eine solide Geh- und Laufschulung wichtig, er übt das Gehen auf Hacke, Zehen und gedrehten Füßen. Statt Parcours baut er Turngeräte auf, etwa das Trampolin. Ein beliebtes Gerät, wie der Jubel der Turnkinder, später auch der ambitionierten Größeren, beweist. Beweglichkeit möchte Nezezon aufbauen, Biegsamkeit, Gleichgewichtssinn, Tempogefühl stärken: „Das braucht man in allen Sportarten!“, betont der Übungsleiter. Wie viele Kollegen sieht auch er das Turnen als Basis für Ballsport, Leichtathletik oder Schwimmen - und als Auslöser für lebenslange Bewegungsfreude.

Einen Wunsch aber hat Nezezon: dass in den Schulen mehr geturnt wird. „Das würden wir gern unterstützen.“
Im 2. Teil: Schulturnen. Informationen zum TKH-Programm gibt es telefonisch unter der Nummer (05 11) 8 09 34 83 und im Internet: www.turn-klubb.de.

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