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Sportbuzzer Auch Westdeutschland hat gedopt
Sportbuzzer Auch Westdeutschland hat gedopt
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09:39 05.08.2013
Manipulierte Macht: Doping war offenbar doch keine reine DDR-Spezialität. Quelle: dpa
Berlin

Eine noch nicht veröffentlichte Studie der Berliner Humboldt-Universität (HU) kommt offenbar sogar zu einem eindeutig positiven Befund. Unter Berufung auf die rund 800 Seiten starke Untersuchung berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ am Sonnabend, dass spätestens seit Beginn der siebziger Jahre Sportler in der alten Bundesrepublik systematisch und organisiert mit leistungssteigernden Substanzen wie Anabolika, Testosteron, Östrogen oder Epo gedopt wurden. Unter anderem seien schon in den siebziger Jahren Anabolika an Minderjährige verabreicht worden.  Über das 1970 gegründete Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) habe das Bundesinnenministerium diese Machenschaften direkt finanziert.

Nach Angaben der HU-Historiker gab das BISp zehn Millionen D-Mark aus, um Dopingforschungen an den sportmedizinischen Standorten in Freiburg, Köln und Saarbrücken zu finanzieren. Offiziell sei es bei den Aufträgen um den Nachweis gegangen, dass bestimmte Dopingmittel nicht leistungsfördernd seien. Habe sich dann aber wie zum Beispiel bei Anabolika oder Testosteron herausgestellt, dass das Gegenteil zutraf, habe man die jeweiligen Substanzen Leistungssportlern verabreicht. Auch Minderjährige seien davon betroffen gewesen. Das Doping im Westen wurde der Studie zufolge nicht als Reaktion auf das Staatsdoping der DDR, sondern parallel dazu und aus eigenem Antrieb betrieben. Mindestens 516 Forschungsvorhaben listen die Forscher jetzt auf.

Für Viola von Cramon, sportpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag,  kann vorbehaltlose Aufklärung über den Umgang mit den Akten über die Zusammenarbeit zwischen BISp und der Freiburger Sportmedizin jetzt gar nicht schnell genug gehen. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sei an der Reihe zu erklären: Wie könne es sein, dass auf der einen Seite eine vom Bund finanzierte Studie die westdeutsche Dopingvergangenheit aufarbeiten solle und auf der anderen Seite höchst relevante Akten eben zu diesem Thema vernichtet beziehungsweise zurückgehalten würden?

Wie das Bundesinnenministerium am Wochenende mitteilte, soll zumindest die Studie jetzt rasch veröffentlicht werden. Es gebe ein großes Interesse „an einer lückenlosen Aufklärung und Bewertung der Dopingvergangenheit in beiden Teilen Deutschlands“, sagte ein Sprecher. Bisher scheiterte die Veröffentlichung an Datenschutz-Bedenken, weil in der Untersuchung auch Namen von noch lebenden Funktionären, Ärzten, Sportlern und Politikern genannt werden.

Von Joachim Riecker

Die Studie mit dem etwas sperrigen Titel „Doping in Deutschland 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation“ wurde 2008 vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOS) in Auftrag gegeben und vom BISp mit mehr als einer halben Million bezuschusst. DOS-Präsident Thomas Bach verlangte jetzt ebenfalls eine rasche Veröffentlichung. Der langjährige Generalsekretär des deutschen Nationalen Olympischen Komitees (NOK), Walther Tröger, bestritt gestern, dass es „unter dem Dach des Bundesinnenministeriums, des Bundesinstituts für Sportwissenschaft und der Sportorganisationen“ systematisches Doping gegeben habe.

Er befürchte auch nicht, dass die Erinnerung an die Verdienste des 1996 verstorbenen langjährigen NOK-Präsidenten Willi Daume getrübt werden könnte. Auch Hans-Dietrich Genscher, Innenminister zur Zeit der Olympischen Spiele von München 1972, bezeichnete es als „völlig ausgeschlossen“, dass man damals auf westdeutsche Sportler Druck ausgeübt habe, Dopingmittel zu nehmen.

Der Sportausschuss des Bundestags will sich im September in einer Sondersitzung mit dem Bericht befassen. Der ehemalige Vorsitzende des Gremiums, der Brandenburger SPD-Abgeordnete Peter Danckert, zu dessen Amtszeit die Studie in Auftrag gegeben wurde, sagte gegenüber der HAZ, dass die jetzt bekannt gewordenen Vorwürfe seinen Erwartungen entsprächen. Man müsse leider zur Kenntnis nehmen, dass Doping von Spitzensportlern auch in der Bundesrepublik durch Steuermittel systematisch gefördert worden sei. Es sei im Westen nur nicht „so massenhaft verbreitet gewesen wie in der DDR“.

Der ehemalige Radsportler Uwe Trömer, Vorstandsmitglied des Dopingopferverbands DOH, zeigte sich von der Diskussion wenig überrascht. Es sei „eigentlich schon seit Jahren bekannt, dass natürlich auch in Westdeutschland Doping angewandt worden ist“.

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