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Sportbuzzer Sven Hannawald: Sechs Jahre hätte ich nicht ausgehalten
Sportbuzzer Sven Hannawald: Sechs Jahre hätte ich nicht ausgehalten
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16:17 12.11.2009
Der ehemalige Skispringer Sven Hannawald litt wie Robert Enke unter Depressionen. 2005 hatte er deshalb seine sportliche Laufbahn beendet. Quelle: ddp
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Wie haben Sie den Selbstmord von Robert Enke aufgenommen?

Hannawald: „Auf jeden Fall mit Bestürzung. Ich habe Mitleid und Trauer mit seiner Frau und seiner Tochter. Da ist eine gewisse Fassungslosigkeit.“

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Haben Sie auch an Ihre eigene Krankheit gedacht, als sie von der Ursache für Enkes Tod erfahren haben?

Hannawald: „Ich glaube nicht, dass man das 1:1 übertragen kann. Ich bin froh, dass ich den professionellen Weg mit einem Klinikbesuch gegangen bin. Das war die letzte Chance, dass Jemand mir helfen kann. Dass ich den gleichen Weg wie Robert Enke gegangen wäre, glaube ich nicht.“

Hatten Sie ebenfalls Gedanken an Selbstmord?

Hannawald: „Bei mir war die Krankheit im Anfangsstadium. Ich habe das ein Jahr mit mir herumgeschleppt. So was wird in der Klinik schnell aufgedeckt. Wenn man jetzt weiß, dass Robert Enke schon seit 2003 in Behandlung war, das ist schon heftig. Schon die Anfangsphase ist so heftig, dass ich damit nie sechs Jahre hätte umgehen können.“

Glauben Sie, dass der Umgang mit der Krankheit Depression aufgrund des Ereignisses offener wird?

Hannawald: „Man sieht, dass das von der Tragweite her extrem ist. Das ist ein öffentliches Beispiel dafür, wie das Ende der Krankheit sein kann. Das Problem ist, man kann nicht ein Fieberthermometer unter dem Arm halten und weiß, dass man Depressionen hat. Es ist schwer zu sagen, ob es eine Depression ist oder nur eine Verstimmung, wie man sie auch haben kann, wenn man wetterfühlig ist.“

Sollten Sportler als Prominente an die Öffentlichkeit gehen, um das Thema Depression zu enttabuisieren?

Hannawald: „Ich würde es nicht an die große Glocke hängen, aber offener damit umgehen. Wenn mir vom Arzt geraten wird, in die Klinik zu gehen, würde ich das machen. Und wenn es dann bekanntwerden würde, würde ich darüber reden. Aber ich würde jetzt nicht zu den Medien gehen und sagen: Ich habe Depressionen.

Sind Leistungssportler mit all dem Druck besonders anfällig?

Hannawald: „Die Krankheit ist aufgetreten und die Gründe sind vielflächig. Man muss irgendwo auch der Typ dafür sein. Andere haben den Druck auch, gehen aber anders damit um.“

Teresa Enke hat gesagt, sie dachte, mit Liebe würden sie und ihr Mann die Krankheit bewältigen. Wie wichtig ist Liebe?

Hannawald: „Liebe ist wichtig. Familie, die eigene Familie ist wichtig. Robert Enke ist ja in seinem Beruf geblieben. Ich nicht. Die Depression war ein Alarmsignal meines Körpers, dass ich etwas ändern muss. Hinterher merke ich, dass es mir bessergeht. Aber wenn man den Beruf aufgibt, ist da erstmal Leere und Öde. Und da ist die Familie ganz wichtig.“

Sie haben sich damals professionelle Hilfe gesucht. Würde Sie das auch anderen empfehlen?

Hannawald: „Wenn man merkt, dass man nicht zur Ruhe kommt, sind das erste Anzeichen und man sollte einen Arzt aufsuchen. Das heißt ja nicht gleich Klinik. Ein Klinikbesuch bedeutet, es ist kurz vor knapp.“

lni

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