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Sportbuzzer THW Kiel ist makelloser Meister
Sportbuzzer THW Kiel ist makelloser Meister
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21:55 03.06.2012
Längst verdient: THW-Kapitän Marcus Ahlm stemmt nach dem letzten Saisonspiel die Meisterschale in die Höhe.
Längst verdient: THW-Kapitän Marcus Ahlm stemmt nach dem letzten Saisonspiel die Meisterschale in die Höhe. Quelle: dpa
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Kiel

Sie hatten sich in den vergangenen Jahren am Schluss der Saison schon viel ausgedacht, die Handballspieler des THW Kiel. Nach Titelgewinnen und Pokalen hatten sie sich ihren Fans schon als Seebären, Malermeister, Supermänner und Golden Boys gezeigt. 2007, nach ihrem ersten Triple, hatten sie sogar Königsmäntel übergezogen. Diesmal kamen sie in Pilotenoveralls mit der deutschen Flagge am Ärmel, während über der Stadt ein Hubschrauber die schwarz-weißen Farben des THW durch die Luft zog. „Wir sind die Überflieger Europas“, riefen die Profis den mehr als 20 000 Kielern zu. Ganz oben am Himmel sind sie sportlich tatsächlich angekommen. Mit dem 39:29 über den VfL Gummersbach knackten sie auch den letzten noch zu vergebenden Rekord: 34 Punktespiele, 34 Siege, 68:0 Punkte.

Der neueste Eintrag ins Geschichtsbuch des Handballs ist, wie Rückraumspieler Kim Andersson feststellte, „nicht mehr zu toppen“: Supercup, Meisterschaft, DHB-Pokal, Gewinn der Champions League und eben eine Saison ohne Punktverlust in der Bundesliga. Nur eine einzige Partie ging überhaupt verloren: In der Gruppenphase der Champions League daheim mit 23:24 gegen Montpellier HB. Selbst Trainer Alfred Gislason, der Feiern dieser Art gern als „Quälerei“ bezeichnet, hat die beste deutsche Vereinsmannschaft aller Zeiten ein letztes Mal dafür gelobt, „wie grandios sie die komplette Saison gearbeitet hat“. Nicht einmal eine zweitägige Party auf Mallorca unter der Woche hat das Team nach dem Champions-League-Finale noch davon abbringen können, auch das letzte Ziel - die perfekte Saison - zu erreichen.

Gislason hatte zwar schon „ein, zwei Flaschen Rotwein ausgesucht“, die er später allein auf den Festtag trinken wollte. Doch auch wenn er die Stunden im Mittelpunkt für „schwieriger hält als das Spiel“, hat er sich dem Treiben anders als sein bärbeißiger Vorgänger Zvonimir Serdarusic nicht komplett verweigert. Er ist dabei gewesen beim Autokorso zum Rathaus. Und bevor der Isländer sich aus dem Staub machte, legte er unter „Alfred, Alfred“-Rufen seiner Spieler eine heiße Sohle aufs Parkett bei der Mannschaftsfeier in einem italienischen Restaurant.

Doch wie meist bei solchen Freudenfesten fehlten auch diesmal nicht die Tränen. Kim Andersson, zum besten Spieler der Saison gewählt, geht nach sieben Jahren zum AG Kopenhagen. Was er in Kiel erlebt habe, „das vergesse ich nie“, sagte der Schwede. Ein weiterer Schwede, nämlich Linksaußen Henrik Lundström, verlässt den THW nach acht Jahren, dazu gesellen sich noch Daniel Kubes, Tobias Reichmann und Milutin Dragicevic.

Doch die Gefahr, dass die Kieler in der kommenden Spielzeit nicht erneut das Maß aller Handballdinge sein werden, ist gering. Die Zugänge versprechen eine Menge: René Toft Hansen und Gudjon Valur Sigurdsson (beide AG Kopenhagen), Marko Vujin aus Veszprem sowie der deutsche Nationalspieler Patrick Wiencek vom VfL Gummersbach. Frank Bohmann, Geschäftsführer des Ligaverbandes HBL, hat dennoch die Hoffnung, dass die Bundesliga in der kommenden Spielzeit die Kieler nicht so weit entkommen lässt. Er wünsche sich, „dass die Mannschaften, die das Potenzial haben, auf Augenhöhe zu agieren, in der nächsten Saison aufholen und einen spannenderen Kampf abliefern werden“.

Jörg Marwedel

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