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Sportbuzzer Torwart Robert Enke ist tot
Sportbuzzer Torwart Robert Enke ist tot
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14:22 29.10.2013
Trauer um den 96-Torwart: Robert Enke hat sich das Leben genommen Quelle: ddp
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Hannover

Der achtmalige Nationalspieler war gegen 18.25 Uhr am Bahnhof in Neustadt-Eilvese von einem Zug erfasst und tödlich verletzt worden. Enke hinterlässt seine Frau und eine adoptierte Tochter. Er soll einen Abschiedsbrief hinterlassen haben.

Nach ersten Informationen habe Enke sein Auto am Dienstagabend etwa zehn Meter von den Gleisen entfernt abgestellt, wie der Sprecher der Polizeidirektion Hannover, Stefan Wittke, berichtete. Der 32-jährige Enke habe sein Portemonnaie auf dem Beifahrersitz des nicht verschlossenen Wagens liegen lassen. Anschließend muss Enke mehrere HUndert Meter an den Gleisen entlanggegangen sein, bevor er von dem aus Bremen in Richtung Hannover fahrenden Regionalzug RE 4427 erfasst wurde.

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In einer ersten Befragung gab der Zugführer zu Protokoll, dass er eine Person auf den Gleisen habe stehen sehen. Er und ein weiterer im Führerhaus anwesender Lokführer hätten sofort eine Notbremsung eingeleitet, berichtete Wittke über das Unglück. An der Unglücksstelle fahre der Zug ungebremst mit hohem Tempo. Weitere Augenzeugen gebe es für das Unglück nicht. Ein Selbstmord wurde von Wittke nicht offiziell bestätigt, allerdings deuteten alle Anzeichen daraufhin. Es sei kein Ort, an dem man normalerweise die Gleise überquere.

Hannover reagierte in der Nacht geschockt und erschüttert auf die Nachricht, die sich schnell in der Stadt verbreitete: Vor dem Stadion und an der Geschäftsstelle von Hannover 96 versammelten sich mehrere Hundert Fans und stellten Kerzen auf. Mehrere Spieler des Bundesligisten trafen sich in der Geschäftsstelle. Auch an der Unglücksstelle in Neustadt trauerten Fans in kleinen Gruppen.

„Das ist ganz furchtbar“, sagte Martin Kind, der Präsident des Fußball-Bundesligisten Hannover 96. Kind war von der Sitzung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) aus Frankfurt zurückgekehrt, am Flughafen bekam er den schockierenden Anruf. „Man rechnet mit Vielem, aber nicht mit so etwas“, sagte Kind. „Ich weiß nicht, warum es und wie es passiert ist.“ Der 96-Chef ist sich allerdings sicher, „dass es nichts mit Fußball zu tun hat“.

Robert Enke nahm sich am 10. November 2009 das Leben. Spontan stellten trauernde Fans Kerzen auf.

Auch DFB-Präsident Theo Zwanziger zeigte sich tief betroffen: „Wir sind fassungslos und voller Trauer. Unser ganzes Mitgefühl gilt der Frau von Robert Enke und seiner Familie.“ Der 96-Kapitän und seine Frau hatten im Mai ein damals zwei Monate altes Mädchen adoptiert. Ihre gemeinsame Tochter Lara war im September 2006 im Alter von zwei Jahren gestorben. Sie litt an einem angeborenen Herzfehler. Das Schicksal der Enke-Tochter löste damals große Betroffenheit bei den Fußballfans in Deutschland aus. „Er war labil“, berichtete Kind. Das sei in der Öffentlichkeit wohl nicht aufgefallen. „Er hat das überlagert“, erklärte der 96-Clubchef am Dienstag.

Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil sagte am Abend, er sei völlig fassungslos: „Das ist ein schwerer Schlag für alle Hannoveraner.“ Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff betonte: „Deutschland verliert einen Ausnahmesportler und einen sensiblen Menschen, der für viele ein Vorbild war.“ Die hannoversche Landesbischöfin und EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann sagte: „Er war ein solcher Sympathieträger. Uns alle hat gerührt, wie er mit seiner kleinen kranken Tochter und ihrem Tod umgegangen ist.“

Nach Enkes Tod brachen am Dienstagabend wegen des großen Ansturms der Usernachfragen zahlreichen Nachrichten-Homepages in Deutschland zusammen – unter anderem die Seite der OP, aber auch Bild.de und der Web-Auftritt von Enkes Bundesligaverein Hannover 96.

von Tobias Morchner und Heiko Rehberg (mit: lni)

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