Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Sportbuzzer Tour-Sieger Contador für zwei Jahre gesperrt
Sportbuzzer Tour-Sieger Contador für zwei Jahre gesperrt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:04 06.02.2012
Radprofi Alberto Contador ist für zwei Jahre gesperrt. Quelle: dpa
Anzeige
Berlin/Lausanne

Schlimmer hätte es für Alberto Contador nicht kommen können: Zwei Jahre Sperre, Tour- und Giro-Sieg weg, und die Drohung einer Geldstrafe von mindestens 2,4 Millionen Euro. Auch der Tour-de-France-Veranstalter ASO könnte auf Rückerstattung der gezahlten Preisgelder für 2010 pochen. Contador, der vom 5. August an wieder fahren darf, muss bluten.

18 Monate nach der Doping-Kontrolle, die bei Contador positive Clenbuterol-Befunde erbrachte, sprach der Internationale Sportgerichtshof CAS endlich sein Urteil. In seiner Heimatstadt in Pinto erfuhr Contador am Montag im Beisein seiner Familie und der Anwälte von dem vernichtenden Verdikt. Erst am Dienstag oder Mittwoch will er an die Öffentlichkeit treten. „Er reagierte ruhig, aber verärgert“, berichtete der spanische Verbandspräsident Juan Carlos Castano der dpa von einem Telefonat mit dem bestraften Profi. Contador denke nicht an Rücktritt, betonte sein Bruder und Manager Francisco auf der Internet-Seite des Radiosenders Cadena Cope.

Anzeige

Contador wurden zudem sämtliche Erfolge seit dem 21. Juli 2010 aberkannt. Dazu zählen vor allem dessen dritter Sieg bei der Tour de France 2010 und sein zweiter Erfolg beim Giro d’Italia ein Jahr später. Als erstem Tour-Sieger war dem US-Profi Floyd Landis 2006 das Gelbe Trikot wieder abgenommen worden.

Das dreiköpfige Richter-Gremium des CAS, dem auch der deutsche Jurist Ulrich Haas angehörte, entsprach dem Einspruch des Weltverbandes UCI und der Welt-Anti-Doping-Behörde WADA. Die höchste sportgerichtliche Instanz hob den Freispruch des Königlich Spanischen Verbandes RFEC vom Februar 2011, der Contadors Version vom „verunreinigten Steak“ gefolgt war, wieder auf. Es hätte keinen Beweis für eine Fleisch-Kontamination gegeben, hieß es in der Urteilsbegründung.

Dem 29-Jährigen bliebe jetzt noch die Chance, vor ein ordentliches Gericht zu ziehen. Nach Angaben des CAS-Generalsekretärs Matthieu Reeb hat er dafür eine Frist von 30 Tagen: „Ein solcher Einspruch hätte für die Sperre aber keine aufschiebende Wirkung, sofern das Schweizer Gericht keine andere Entscheidung trifft.“

Auch Olympia kommt für Contador, der bereits 2006 mit dem mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes in Verbindung gebracht worden war, zu früh: Das Straßenrennen in London beginnt am 28. Juli, das Zeitfahren am 1. August. Erst die Vuelta ab dem 18. August könnte das nächste größere Ziel für den Kapitän des Saxo-Bank-Teams sein, das die CAS-Entscheidung als Katastrophe empfinden musste: Den Offiziellen hatte es in Dänemark zunächst auch die Sprache verschlagen. „Wir prüfen erst das Urteil“, hieß es.

„Das ist ein trauriger Tag für unseren Sport. Manche werden von einem Sieg reden, aber das ist nicht der Fall. Es gibt beim Thema Doping keine Gewinner“, sagte UCI-Präsident Pat McQuaid. Der Ire hatte noch nach der überraschenden Einstellung des juristischen Verfahrens gegen Lance Armstrong am Wochenende von einer besseren Zukunft für den Radsport gesprochen. Er durfte nur ganz kurz davon träumen.

Der Tour-Sieger von 1988, Pedro Delgado, war mit der Strafe ebenso nicht einverstanden: „Das Strafmaß ist völlig übertrieben, zumal das Gericht selbst einräumt, dass Contador Doping nicht nachgewiesen werden konnte.“ Ambivalent war die Reaktion von Katusha-Teamchef Hans-Michael Holczer, der 2008 mit Stefan Schumacher und Co. Doping-Erfahrungen machen musste. „Ich kann nicht jubeln, weil wieder Negativschlagzeilen produziert wurden. Aber es ist auch als gutes Zeichen zu werten, dass unabhängig von Person und Reputation ein solches Urteil gefällt wurde“, sagte Holczer.

Durch die Streichung der großen Contador-Erfolge nach dem 21. Juli 2010 können jetzt der Luxemburger Andy Schleck (Tourzweiter 2010) und der Italiener Michele Scarponi (Giro-Zweiter 2011) auf ein Aufrücken hoffen. Andy Schleck konnte sich nicht richtig freuen: „Es gibt keinen Grund, glücklich zu sein. Alberto tut mir leid. Das einzig Positive: 566 Tage Ungewissheit sind vorbei.“

Zusätzlich zu der drohenden Geldstrafe, die sich am vermutlichen Jahresgehalt misst, muss Contador wahrscheinlich noch tiefer in die Tasche greifen. Durch die Aberkennung seiner Siege - insgesamt zehn - wäre wohl auch die Rückzahlung der erhaltenen Preisgelder fällig. „Ich vermute, der Tour-Veranstalter ASO muss zum Beispiel das Preisgeld für den Toursieg 2010 an Andy Schleck zahlen. Und das werden sie sich wohl von Contador zurückholen“, sagte UCI-Sprecher Enrico Carpani der dpa.

Contador äußert sich am Dienstag auf Pressekonferenz

Radprofi Alberto Contador wird sich an diesem Dienstag auf einer Pressekonferenz in Pinto bei Madrid zu seiner zweijährigen Sperre äußern. Dies kündigte sein dänisches Saxo-Bank-Team am Montag an. In einer Erklärung zeigte sich der Rennstall enttäuscht über das Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes CAS gegen seinen Kapitän.

„Das Ergebnis ist natürlich nicht das, worauf wir gehofft hatten“, erklärte der Teamchef und frühere Tour-de-France-Sieger Bjarne Riis. Die Entscheidung werde nun geprüft, um sie besser zu verstehen. Riis kündigte außerdem an, am Dienstag gemeinsam mit Contador Stellung zu nehmen.

Der dänische Radsport-Experte und Ex-Profi Alex Pedersen meinte in der Onlineausgabe der Zeitung „Ekstra Bladet“: „Überraschend kam das nun nicht. Und es ist eine Katastrophe für Bjarne Riis.“ Er sei sich aber sicher, dass Contador über das Ende seiner bis August 2012 laufenden Sperre hinaus beim Team Saxo Bank fahren könne. Einen Rücktritt von Contador hat sein Bruder und Manager Francisco bereits ausgeschlossen. 

dpa

Mehr zum Thema

Die Anhörung im Dopingfall Contador ist nach vier Tagen in Lausanne zu Ende gegangen. Die unendliche Geschichte geht aber weiter: Mit dem Urteil ist erst im Januar 2012 zu rechnen - rund 18 Monate nach dem möglichen Vergehen. Der dreifache Toursieger riskiert eine Sperre.

24.11.2011

Cadel Evans hat als erster Australier die Tour de France gewonnen. Zweiter wurde der Luxemburger Radprofi Andy Schleck vor seinem Bruder Frank Schleck. Den Sieg auf der letzten Etappe von Creteil nach Paris sicherte sich am Sonntag im Massensprint auf den Pariser Champs-Élysées der Brite Mark Cavendish.

24.07.2011

Cadel Evans wird die 98. Tour de France gewinnen und Tony Martin hat seinen ersten Etappensieg beim wichtigsten Radrennen der Welt in der Tasche. Der Routinier aus Australien stürmte im entscheidenden Einzelzeitfahren am Samstag in Grenoble in der Gesamtwertung an den Brüdern Andy und Frank Schleck vorbei.

23.07.2011