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Sportbuzzer Unfallopfer Pérez startet nicht in Monte Carlo
Sportbuzzer Unfallopfer Pérez startet nicht in Monte Carlo
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20:25 28.05.2011
Sergio Pérez startet nicht beim Großen Preis von Monaco. Quelle: dpa
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Ein Horrorunfall von Sergio Pérez hat Sebastian Vettels erste Pole Position in Monte Carlo zum Randthema gemacht. Der mexikanische Formel-1-Pilot krachte etwa zweieinhalb Minuten vor Ende der Qualifikation in eine Streckenbarriere. Nach rund zehn Minuten bargen ihn Rettungskräfte aus dem demolierten Rennwagen. Am Samstagabend gab das Sauber-Team bekannt, dass Pérez beim Großen Preis von Monaco am Sonntag nicht starten wird.

Sauber-Teamsprecher Hanspeter Brack hatte kurz nach dem schweren Unfall erste Entwarnung geben können: „Er ist bei Bewusstsein und spricht.“ Teamchef Peter Sauber sagte am Abend: „So etwas belastet natürlich stark.“ Das Team sei natürlich sehr erleichtert, dass Pérez „keine ernsthaften Verletzungen erlitten“ habe.

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Die Ärzte im Krankenhaus Princesse Grace stellten bei einer ersten Diagnose eine Gehirnerschütterung, aber keine Knochenbrüche fest. Der 21 Jahre alte Mittelamerikaner, der seine erste Grand-Prix-Saison bestreitet, verbringt die Nacht zur Beobachtung in der Klinik.

Saubers Technik-Direktor James Key sagte: „Für ein Team ist es immer ein Schock, einen Unfall dieser Dimension zu sehen.“ Alle seien „unheimlich froh“, dass Pérez nach Auskunft der Ärzte okay sei. Jetzt werde die Unfallursache untersucht. „Wir haben derzeit keinen Hinweis auf einen technischen Defekt des Autos“, sagte Key.

„Am wichtigsten ist, dass Sergio okay ist. Wir wünschen ihm das Beste. Das wirft natürlich einen Schatten auf das Ergebnis, wenn man sieht, dass ein Kollege so einen Unfall hat“, sagte Vettel, der sich nur zurückhaltend über seine souveräne Bestzeit auf dem 3,340 Kilometer langen Stadtkurs freute. Auch der Zweitschnellste Jenson Button kommentierte erleichtert, dass „Sergio okay ist und spricht“. Der britische McLaren-Pilot erinnerte daran, dass er an dieser Stelle 2003 in einem BAR-Honda auch schwer verunglückt war.

Der Mexikaner Perez war direkt nach der Tunnelausfahrt mit etwa 290 Stundenkilometern zunächst in die Leitplanke gekracht. Danach konnte er seinen bereits beschädigten Boliden nicht mehr kontrollieren und prallte mit schätzungsweise 140 km/h mit der Seite in eine Barriere. Um sich zu schützen, griff er schon vor dem Einschlag mit beiden Händen an den Helm.

Rekordweltmeister Michael Schumacher sagte: „In erster Linie habe ich gedacht, dass die FIA sich angestrengt hat, die ganzen Crashtests einzuführen. Die haben sich heute bezahlt gemacht. Früher wären andere Konsequenzen daraus entstanden.“ Er sei froh, dass es Pérez den Umständen entsprechend gut gehe. „Es war ein Fahrfehler“, meinte der Mercedes-Pilot aus Kerpen, der am Sonntag (Start: 14.00 Uhr/RTL und Sky) von Startplatz fünf losfährt.

Knapp vier Stunden zuvor hatte Nico Rosberg im freien Training praktisch an der gleichen Stelle die Kontrolle über seinen Mercedes verloren. Er hatte ebenfalls zuerst die Leitplanke touchiert und war dann nach mehreren hundert Metern seitlich in eine weitere Absperrung gekracht. Im Gegensatz zu Pérez hatte der 25 Jahre alte Wiesbadener Glück, weil er nicht in diese Straßenbarriere geprallt und unverletzt geblieben war. Schrott war auch Vitantonio Liuzzis HRT-Rennwagen nach einem Trainingsunfall. Der Italiener blieb aber ebenfalls unverletzt.

„Das ist natürlich nicht ohne. Man springt förmlich mit Vollgas in den Bremsvorgang ein. Es scheint so zu sein, dass die Strecke da gefährlich ist“, sagte Rosberg nach seinem achten Rang in der Qualifikation. „Bei mir war es aber nicht die Strecke, sondern mein Fehler.“ Er habe seinen Unfall „im Qualifying schon aus dem Kopf“ gehabt. Die Mechaniker hatten den Silberpfeil rechtzeitig reparieren können.

Rosberg profitierte am Abend noch von der nachträglichen Zurückversetzung von McLaren-Pilot Lewis Hamilton um zwei Startplätze auf Position neun. Die vier Kommissare des Internationalen Automobil-Verbandes FIA bestraften den Briten wegen Abkürzung einer Schikane. Rosberg rückte dadurch auf Rang sieben vor.

Für die Hatz durch die Häuserschluchten am Sonntag wagte Vettel keine Prognose. „Das ist hier wie Casino. Es ist ein langes Rennen“, sagte der 23 Jahre alte Heppenheimer. „Die Pole ist aber sehr wichtig.“ Durch die insgesamt 20. Pole-Position seiner Karriere rückte er in dieser Bestenliste in die Top Ten vor. Schumacher ist mit 68 Poles auch hier Rekordhalter.

Vettel hat den Glamour-Grand-Prix im Fürstentum an der Côte d’Azur bislang noch nicht gewonnen. Sein WM-Rivale Lewis Hamilton erwartet jedoch für Sonntag einen sicheren Premierensieg des Champions. „Sebastian wird wegrennen mit dem Pokal, da habe ich kaum einen Zweifel“, sagte der Brite. Vor dem sechsten Saisonlauf führt Titelverteidiger Vettel die WM-Wertung mit 118 Punkten überlegen vor Hamilton (77) an.

dpa