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Sportbuzzer „Unser Start ist ein Zeichen der Freiheit“
Sportbuzzer „Unser Start ist ein Zeichen der Freiheit“
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20:30 15.07.2016
Schweigeminute statt Siegesjubel: Die Führenden der Tour de France auf dem Podest. Quelle: Kim Ludbrook
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La Caverne du Pont d’Arc

An einem Tag der Trauer legte sich eine ungewohnte Stille über die Tour de France. Die Radprofis um Christopher Froome hielten bei einer Schweigeminute inne, sogar die sonst alles übertönende Werbekarawane verstummte - doch dem Terror beugte sich niemand. Am Tag nach dem verheerenden Attentat von Nizza mit über 80 Toten wurde die 103. Frankreich-Rundfahrt unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen fortgesetzt. Behörden und die Tour-Organisation entschieden sich am Freitag gegen eine Absage des 37,5 Kilometer langen Einzelzeitfahrens der 13. Etappe von Bourg-Saint-Andéol zur Caverne du Pont-d’Arc nach, das der Niederländer Tom Dumoulin überlegen gewann. Nach der Etappe versammelten sich alle Trikotträger sowie Dumoulin auf dem Podest und gedachten im Stillen der Toten.

„Wir haben darüber diskutiert, ob wir ein Rennen fahren können oder nicht. Doch wir glauben, dass wir uns nicht dem Druck derer beugen dürfen, die unsere Art zu leben verändern wollen. Die Tour de France wird in Würde fortgesetzt“, hatte Tour-Direktor Christian Prudhomme am Morgen gesagt.

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Vertreter des Départements Ardèche, der Polizei und der Spezialeinheit GIGN diskutierten über eine mögliche Absage, entschieden sich letztlich aber dagegen. Für Sicherheit sorgten allein entlang der Strecke mindestens 600 Kräfte, alle Zufahrtswege zum Kurs wurden abgesperrt.

Die deutschen Fahrer zeigten sich betroffen und hatten Verständnis für die Entscheidung. „Das ist eine Tragödie“, sagte Sprinter Marcel Kittel, der jedoch nicht um seine Sicherheit besorgt ist: „Ich bleibe mir treu, ich lasse mir von irgendwelchen Geisteskranken und Terroristen nichts vorschreiben und lebe mein Leben weiter.“ Zeitfahr-Spezialist Tony Martin, der im Kampf gegen die Uhr den Etappensieg verpasste und Neunter wurde, meinte: „Unser Start ist ein Zeichen der Freiheit. Vielleicht können wir den Menschen auf diesem Weg ein wenig Trost spenden.“

John Degenkolb, der sich heute in Villars-les-Dombes oder am Montag in Bern Chancen auf einen Etappensieg ausrechnet, will auf den eingeplanten Besuch seiner Familie zum Tour-Finale auf den Champs Elysées in Paris aber verzichten. Eigentlich sei der letzte Tour-Tag „immer etwas ganz Besonderes. Aber unter diesen Voraussetzungen vielleicht nicht das beste Reiseziel für meine Frau und den Kleinen“, sagte er.

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