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Sportbuzzer Verband will Hoheit im Armstrong-Fall
Sportbuzzer Verband will Hoheit im Armstrong-Fall
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15:38 05.08.2012
In der möglichen Doping-Affäre um Lance Armstrong ist noch ein Kompetenz-Streit entbrannt. Quelle: dpa
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London

Der Radsport-Weltverband UCI fordert die Entscheidungsgewalt im Doping-Fall Armstrong - die Anti-Doping-Agentur der USA lehnt ab und unterstellt Komplizenschaft. Verbandschef Pat McQuaid hatte laut "New York Daily News" einen entsprechenden Brief an die ermittelnde Anti-Doping-Agentur (USADA) geschrieben - und sich eine prompte Absage eingehandelt.

Ermittlungen der UCI? Das sei „als bewache der Fuchs den Hühnerstall", schrieb USADA-Anwalt Bill Bock. "Ich spreche nur über Olympia", reagierte McQuaid im Londoner Velodrom barsch auf die Nachfrage nach einer Bewertung der Antwort aus den USA.
Die USADA beschäftigt sich seit Monaten mit dem Fall, in den auch der frühere Armstrong-Intimus und jetzige RadioShack-Teammanager Johan Bruyneel (Belgien) sowie der Mediziner Michele Ferrari verstrickt sind. Gegen den italienischen Arzt und zwei weitere Berufskollegen hatte die Behörde bereits eine lebenslange Sperre ausgesprochen.

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Ferrari will von deren Berechtigung allerdings nichts wissen. Die grundsätzliche Zuständigkeit der USADA bezweifelt neben Armstrong und der UCI auch Michael Lehner. Der Heidelberger Sportrechtler hatte sich schon während der Tour de France entsprechend geäußert.

Ähnliche Sanktionen wie den Ärzten drohen auch Armstrong und Bruyneel, denen die systematische Anwendung und der Handel mit Dopingpräparaten vorgeworfen wird. Sie weisen die Vorwürfe zurück. Für den Start bei Triathlon-Wettbewerben - Armstrongs neue Leidenschaft - ist der 40-jährige Texaner bereits wegen der laufenden Ermittlungen vom Weltverband WTC gesperrt worden.

Die USADA begründete die Ablehnung des UCI-Ansinnens, den Fall zu übernehmen, mit spitzer Zunge. Die Verwicklung der UCI in das Ergebnismanagement des Falls könne zu „Besorgnis" führen. In zahlreichen Fällen sei "die Unfähigkeit einer Sportorganisation im Anti-Doping-Kampf bereits festgestellt" worden, schrieb Bock. „Die UCI und die Beteiligten der Verschwörung" hätten „ein großes Interesse daran", Dopingpraktiken zu verschleiern, erklärte USADA-Chef Travis Tygart.

McQuaid wollte den Fall vor einer „unabhängigen Kommission" verhandeln lassen. In einer langen Stellungnahme reagierte die UCI am Samstag auf die USADA-Ablehnung. Der Verband geißelte die US-Behörde wegen Vorverurteilung der sechs Angeklagten und deklamierte, nur sie könne einen ordnungsgemäßen Ablauf garantieren. Laut Welt-Antidoping-Code habe nur der Dachverband die Entscheidungsgewalt.

Die UCI ermittelte unter McQuaid und dessen Vorgänger Hein Verbruggen nie gegen Armstrong, obwohl es handfeste Doping-Belege gab. So waren 2005 nach dem ersten Rücktritt des siebenfachen Toursiegers in nachträglich analysierten Proben von 1999 EPO-Spuren entdeckt worden. Zudem soll der Texaner bei einer Kontrolle während der Tour de Suisse 2001 positiv getestet worden sein. Nie aufgeklärt wurden die Hintergründe einer ominösen Spende in Höhe von 125 000 Dollar, die Armstrong dem Verband zukommen ließ.

Der Tour-de-France-Rekordsieger hat im Gegensatz zu Bruyneel noch keinen Einspruch gegen die USADA-Anklagen eingelegt - er hat dafür noch bis zum 13. August Zeit. Armstrong will einen Prozess mit unter Eid aussagenden Zeugen unbedingt verhindern.

Allerdings wird es auf jeden Fall zumindest gegen Bruyneel zur Verhandlung kommen. Dort dürften mit Sicherheit Armstrong und Kronzeugen der Anklage geladen werden. Angeblich kann die USADA zehn Personen aufbieten, die gegen Armstrong aussagen. Bruyneel, der wegen der Verwicklungen in den Fall sein Team mit den deutschen Profis Andreas Klöden und Jens Voigt bei der Tour de France nicht betreuen konnte, hatte durch seinen Einspruch einen Prozess vor einer Schiedskommission erwirkt.

Armstrong drohen neben der lebenslangen Sperre und der weiteren Entzauberung als unantastbarer Superstar auch die Aberkennung eines Teils seiner Toursiege zwischen 1999 und 2005. Ein vergleichbarer Fall ist der des Dänen Bjarne Riis. Der Toursieger von 1996 hatte 2007 Doping gestanden - doch die UCI hatte eine achtjährige Verjährungsfrist geltend gemacht. Riis behielt sein Gelbes Trikot.

dpa

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