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Sportbuzzer Freud und Leid der Männer-Staffel
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19:12 18.08.2013
„Wir können einfach noch mehr", so die Sprinter nach dem Finale. Quelle: dpa
Moskau

Das 4x100-m-Quartett von Bundestrainer Ronald Stein hatte bis zuletzt an eine Medaille geglaubt, obwohl die Männer zwischen 2009 und 2012 bei zwei Weltmeisterschaften und Olympia das Finale verpasst hatten. Der gestrige vierte Platz knapp hinter Kanada (begünstigt durch die Disqualifikation der Briten) zeigte, dass die oft kritisierten DLV-Sprinter den Mund nicht zu voll genommen hatten. Zwei Hundertstel fehlten zum deutschen Rekord, zwölf fürs Treppchen – es war die sechste Holzmedaille für den starken, aber mitunter glücklosen DLV in Moskau.

„Wir können eigentlich recht zufrieden sein", sagte Schlussläufer Martin Keller vom LAZ Leipzig, der mit den Briten und Kanadiern zunächst auf gleicher Höhe lag, sie aber nicht halten konnte: „Bei ihnen laufen eben hinten die Granaten." Stein hatte Keller das Vertrauen für die vierte Position gegeben, „weil Martin im Duell Mann gegen Mann am ehesten locker bleibt. Er ist diese Situation von klein auf gewöhnt, weil er schon immer einen schlechten Start hatte".

Am Ende entscheiden Kleinigkeiten. Zum Beispiel die Bahnverteilung. Deutschland als drittbestes Team der Vorläufe hatte Lospech, musste auf Bahn drei weit innen rennen. Kanada als Nummer sechs der ersten Runde hatte Glück – Bahn sieben war für die Ahornblätter ideal, sie hätten auch die Bahnen eins und zwei erwischen können. Bei den Wechseln musste sich das deutsche Quartett keinen Vorwurf machen – die klappten im Finale hervorragend, nachdem Martin Keller im Vorlauf einen Tick zu früh dran war, kurz ins Stocken geriet und sich nach Julian Reus umschaute. Der Wolfsburger Sven Knipphals hatte seine Nerven im Griff, nachdem er vor drei Wochen in London auf die Wechselmarke der Franzosen geguckt hatte, die Staffel zum Platzen brachte und abends einen ausgeben musste. O-Ton Ronald Stein: „In London ist das Bier teuer."

Am Sonntag spielte es auch eine Rolle, wie die Sprinter die ungewohnt kurze Pause zwischen Vorlauf und Finale verkraften. Von wegen nur zweimal 100 Meter! Auch hier hatten die Deutschen kein Glück. Denn sie waren im dritten Vorlauf an der Reihe und hatten dadurch 20 Minuten weniger Zeit – in Summe eineinhalb Stunden inklusive, davon fast die Hälfte im Call Room. Da bleibt kaum Gelegenheit, die Beine lockern zu lassen. Nicht von ungefähr rannte Sven Knipphals im Endlauf zwar fast um sein Leben, aber mit Krämpfen. „Ich ärgere mich total. Denn wir sind zwar eine gute Zeit gelaufen, aber keinen deutschen Rekord. Wir können einfach noch mehr." Vor allem war er sauer, dass sein Team die Kanadier im Vorfeld zweimal bezwungen hatte – nur halt im WM-Finale nicht.

Dramatisch ging es auch bei den DLV-Frauen zu. Sie waren im Vorlauf zunächst disqualifiziert worden, wussten auf dem Einlaufplatz lange nicht, ob sie noch einmal starten dürfen. Dann tauchten sie doch im Finale auf, aber auf der ungünstigen Bahn eins. „Wir haben alles gegeben und das Beste daraus gemacht", sagte die starke Verena Sailer, die das Team noch auf Platz fünf führte.

von Frank Schober

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