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Sportbuzzer Wenn die Zuschauer wegbleiben
Sportbuzzer Wenn die Zuschauer wegbleiben
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12:47 29.11.2013
Nur wenn Derby-Zeit ist, kommen die Eishockeyfans in Scharen.
Nur wenn Derby-Zeit ist, kommen die Eishockeyfans in Scharen. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Hannover. Steckt der Profisport in Hannover in einer Krise? Stirbt er sogar aus? Diese provokanten Fragen haben Schüler der Europa Fachakademie Dr. Buhmann gestellt - und zwar Menschen, die es wissen müssen. Sie haben Verantwortliche von fünf wichtigen Vereinen der Stadt zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Martin Kind (Hannover 96), Eike Korsen (TSV Hannover-Burgdorf), Stefan Pralle (TSV Havelse), Marco Stichnoth (Hannover Scorpions) und Stefan Pereira-Kappe (UBC Hannover Tigers) sollten aus ihrer Sicht schildern, ob es in Hannover genügend sportbegeistertes Publikum für mehrere Sportarten und Vereine gibt.

Obwohl es sportlich zuletzt nicht optimal lief, ist Hannover 96 die unangefochtene Nummer 1 der Sportstadt Hannover. Das gilt vor allem für die Gunst der Zuschauer. In der abgelaufenen Saison strömten im Durchschnitt mehr als 44 000 Zuschauer pro Spiel in die HDI-Arena. Zudem hat der Klub 20 000 Mitglieder. Zahlen, von denen andere Klubs in der Stadt nur träumen können. Trotzdem hat Präsident Martin Kind noch einiges vor: „Ich bin erst zufrieden, wenn immer alle Plätze im Stadion ausverkauft sind.“ Eine Perspektive will der 96-Klubchef in Zukunft vor allem Athleten aus anderen Sportarten geben. „Wir wollen die Nummer 1 im Breitensport in Hannover werden“, sagte Kind.

Kleinere Ziele hat sich der TSV Havelse gesetzt. Die Fußballer aus Garbsen wollen sich in ihrem Sport als Nummer 2 in der Stadt etablieren. Das sei in den vergangenen Jahren gelungen, sagte Geschäftsführer Stefan Pralle. Trotz des mit Abstand kleinsten Etats aller Viertligisten spielen die Havelser in ihrer Liga eine gute Rolle und haben im Vorjahr mit dem 1. FC Nürnberg sogar einen Bundesligisten im DFB-Pokal besiegt. Das Problem: Viel mehr als 300 Zuschauer pro Spiel kommen trotz dieser Erfolge nicht ins Wilhelm-Langrehr-Stadion. Das ärgert Pralle, dennoch hat er seinen Humor nicht verloren: „So kann ich jeden Gast an der Kasse begrüßen und sitze trotzdem pünktlich auf meinem Platz.“

Mit der Gunst der Zuschauer haben auch die Eishockeyspieler von den Hannover Scorpions zu kämpfen. Ausgerechnet nach dem größten sportlichen Erfolg - der Meisterschaft 2010 - sei der Zuspruch zurückgegangen, sagte Geschäftsführer Marco Stichnoth. Die bittere Konsequenz: Seit dieser Saison spielt der Klub in der Oberliga und trägt seine Heimspiele in Langenhagen vor maximal 1400 Zuschauern aus. „Wir müssen den vorhandenen Fans, die viel mitgemacht haben, ein neues Zuhause bieten“, sagte Stichnoth. An eine Rückkehr in eine größere Halle in Hannover verschwende er deshalb - mit Ausnahme des Derbys am 15. Dezember - derzeit keinen Gedanken.

Einen ähnlichen Weg ist der UBC Hannover Tigers gegangen. Nach ihrem Aufstieg in die 2. Bundesliga vor vier Jahren wechselten die Basketballer von der Universitätssporthalle (1000 Plätze) in die deutlich größere AWD-Hall (4400 Plätze). Ein Schritt, der damals zu früh kam, wie Sprecher Stefan Pereira-Kappe rückblickend findet. Viele Plätze blieben leer. Mittlerweile werfen die Basketballer ihre Körbe wieder in der kleineren Halle - und in der 3. Liga. Das beste Rezept für mehr Zuschauerzuspruch kennt Pereira-Kappe: „Der sportliche Erfolg hat Einfluss darauf, wie die Menschen einen Verein sehen.“

Wenn derzeit bei einem Verein keine Rede von Krisenstimmung sein kann, dann bei den Handballern der TSV Hannover-Burgdorf. Deren Marketingchef Eike Korsen berichtete, dass etwa 3500 Besucher die Handballer pro Spiel in der Swiss-Life-Hall anfeuern. „Dass wir im Europapokal spielen, hilft uns, den Verein bekannter zu machen“, sagte Korsen. Der Erfolg habe „Sogwirkung“ auf sportinteressierte Menschen in der Region.

Die Erfolgsgeschichte der Handballer sei ein Beispiel dafür, dass in Hannover Platz für mehrere erfolgreiche Vereine ist, sagte 96-Klubchef Kind. Und dafür, dass der Profisport in Hannover nicht ausstirbt.

Von Gerko Naumann

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