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Sportbuzzer Wo die Hundeseele Halt findet
Sportbuzzer Wo die Hundeseele Halt findet
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08:00 20.03.2010
Von Saskia Döhner
Durchgangsstation Tierheim
Durchgangsstation Tierheim: Viele Hunde haben Schlimmes erlebt und müssen erst einmal wieder Vertrauen zu den Menschen fassen. Quelle: Florian Wallenwein
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„Es gibt Tiere, die werden sofort weitervermittelt, bei anderen dauert es mitunter länger“, sagt Heiko Schwarzfeld, Geschäftsführer des Tierschutzvereins Hannover, der das Tierheim in Langenhagen-Krähenwinkel betreibt. „Wenn das Veterinäramt eine Pudelzucht auflöst, haben wir Anfragen aus ganz Deutschland, ein fünfjähriger Rottweiler hat es dagegen schwerer, ein neues Herrchen oder Frauchen zu finden.“

Knapp ein Drittel der gut 360 Tiere im Tierheim sind Hunde. Sie werden abgegeben, weil die Besitzer mit dem Tier plötzlich nicht mehr klarkommen, etwa wenn Kinder geboren werden, weil sie umziehen oder Familienmitglieder Allergien entwickeln. Immer häufiger ist auch Geldmangel der Grund. „Einen kranken Hund können sich viele nicht mehr leisten“, sagt Schwarzfeld. Denn eine Herzoperation koste eben schon mal 2400 Euro. Mit dem Alter steigt das Krankheitsrisiko – das gilt für Menschen wie für Hunde. Bestimmte Rassen wie Schäferhund oder Golden Retriever sind zudem anfällig für Gelenkprobleme.

„Von den 103 Hunden, die wir gerade hier haben, sind 63 abgegeben worden“, berichtet Schwarzfeld. Immer wieder werden auch ausgesetzte Hunde gefunden, von Spaziergängern oder von Polizisten. Manchmal überweisen auch Tierärzte verwahrloste oder gequälte Vierbeiner.

Einen Schäferhund-Mischling hatten Unbekannte vor ein paar Monaten einfach an einen Pfosten vor dem Tierheim gebunden. Pfleger Wolfgang Kriegler hat den ängstlichen Hund längst liebgewonnen und ihn Knut genannt. Kriegler kümmert sich um die sogenannte Quarantänestation, wo jeder Neuankömmling seine ersten 14 Tage verbringt, entwurmt, gewaschen und geimpft wird. Der Tierpfleger ist für diese Hunde die erste Bezugsperson. „Die Beziehung zum Vorbesitzer war ja oft gestört“, sagt der Pfleger und setzt die Ohrenschützer auf, um das Bellen ein wenig gedämpfter zu hören. Es sei nicht einfach, sich von den Tieren zu trennen, sagt Kriegler. Aber viel Zeit für Abschiedsschmerz bleibt ihm nicht, denn schon kommen neue Hunde, die seiner Fürsorge bedürfen.

Nach der Zeit in der Quarantänestation werden die Tiere auf die unterschiedlichen Hundehäuser verteilt. Im Haus 4, einem hellen, freundlichen Gebäude, kümmert sich Sandra Wasch um die komplizierten Fälle. Die 13 Jahre alte American-Staffordshire-Hündin Sheila gehört dazu. Auf andere Hunde ist sie nicht gut zu sprechen. Sheila hat in der Vergangenheit mehrmals Artgenossen angegriffen und muss sich jetzt einem Wesenstest beim Tierarzt unterziehen. Wasch bereitet die Hündin darauf vor. Das hat die Pflegerin schon öfters gemacht. Sie lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, und ihre Gelassenheit überträgt sich auf die Hunde.

Es sind nicht nur die Tierpfleger, die gepeinigten Hundeseelen Halt geben. Es sind auch die ehrenamtlichen Helfer, die Schwarzfeld lächelnd „Gassigeher“ nennt. Menschen wie Stephanie Andräs aus dem hannoverschen Stadtteil Südstadt, die regelmäßig an Wochenenden oder an Tagen, an denen sie frei hat wie an diesem Vormittag, die halbe Stunde Fahrtzeit bis ins Tierheim nach Langenhagen auf sich nimmt, um mit Oscar spazieren zu gehen. Der achtjährige schwarze Rüde schmiegt seinen Kopf an ihr Knie. „Ich hätte gern einen Hund“, sagt die junge Frau. „Aber erstens habe ich schon zwei Katzen, und zweitens arbeite ich zu viel, der Hund wäre zu lange allein zu Haus.“

Mehr als sechs Stunden täglich sollte ein Hund nicht alleine gelassen werden, sagt Schwarzfeld. Schließlich sei ein Hund ein Rudeltier, der soziale Kontakte brauche. Wer einen Hund aus dem Tierheim holen will, brauche vor allem Geduld. Durch wiederholte Besuche können Interessierte langsam eine Beziehung zu dem gewünschten Vierbeiner aufbauen. „Man muss sehen, ob beide Seiten zusammenpassen“, sagt Schwarzfeld. Die Mitarbeiter achten auch darauf, ob es den Hunden gut geht, wenn sie schon nicht mehr im Tierheim sind. Sie statten den neuen Besitzern Hausbesuche ab.

Zwar sind die Hunde im Tierheim in Käfigen untergebracht, aber hier lernen die meisten, das wiederzufinden, was ihnen verloren gegangen ist: das Vertrauen zu den Menschen.

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