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Fit & Gesund „Altersmedizin braucht das Wissen von vielen“
Thema F Fit & Gesund „Altersmedizin braucht das Wissen von vielen“
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15:02 23.03.2017
Von Susanna Bauch
Quelle: Tim Schaarschmidt
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Wohnortnahe Notfallmedizin in kleinen Krankenhäusern oder große Kompetenzzentren mit interdisziplinären Fachrichtungen? Demenzversorgung in der Klinik oder Nachsorge durch ambulante Pflegeeinrichtungen? Mehr Spezialisten oder Allgemeinmediziner mit Geriatrieausbildung? Die medizinische Versorgung in Kliniken angesichts einer immer älter werdenen Bevölkerung steht vor einer enormen Herausforderung.  Mit der Zunahme von betagten Patienten verändern sich die Strukturen des klassischen Krankenhauses genau wie Angebote beim „Gesundheitsservice“.  Über Fragen zu einer optimalen Gesundheitsversorgung im Alter, moderner Medizintechnik und Kosten für Pflege ging es beim HAZ-Forum zum Thema „Gesunde Demografie“, bei dem HAZ-Redakteur Heiko Randermann mit Sozialministerin Cornelia Rundt, dem KRH-Geschäftsführer Matthias Bracht sowie Jörg Isenberg, Unfallchirurg am Klinikum Nordstadt und Martin Stolz, Ärztlicher Direktor der KRH-Geriatrie, diskutierte.

Im HAZ-Forum diskutierten Heiko Randermann, Dr. Jörg Isenberg, Dr. Matthias Bracht, Dr. Martin Stolz, Ministerin Cornelia Rundt über die Zukunft der Krankenhäuser im demographischen Wandel.

Für die Sozialministerin steht fest, dass der technische Fortschritt in der Medizin eine neue Ausstattung der Krankenhäuser verlangt. „Die Nachfrage nach bestimmten Leistungen hat sich verändert. Bei der Geburtshilfe nehmen sie ab, in der Geriatrie zu.“ Dieser Entwicklung müssten die Häuser Rechnung tragen. Gerade ältere Patienten benötigen eine ganzheitliche und individuelle Behandlung, zudem solle die Selbstständigkeit gefördert werden.

Auf interdisziplinäre Medizin in der Geriatrie setzen auch die Mediziner Isenberg und Stolz. „Aus chirurgischer Sicht mag ein Sturz relativ schnell erledigt sein, einen alten und eventuell dementen Patienten können wir aber trotzdem nicht nach Hause schicken“, betont Isenberg. Da müsse dann ein Netzwerk greifen, damit diese Patienten ganzheitlich versorgt werden. Dafür indes fehlt es oft an Pflegepersonal.

„Altersmedizin braucht das Wissen von vielen“, betont Internist Stolz. Dazu gehörten nicht nur verschiedene Fachärzte, sondern genauso Ergo- oder Physiotherapeuten sowie Psychologen. Und die Klinikwelt müsse verändert werden, „auch Treppenhäuser sind therapeutische Räume.“ Eine reine Diagnoseorientierung sei bei Senioren oft unzureichend, Altersmediziner müssen einen funktionierenden Alltag des Patienten im Blick behalten.“ Sozialministerin Rundt möchte eine Nach-Betreuung mit geriatrischen Kompetenzzentren fördern, die auch Unterstützung bei der sogenannten Laienpflege anbieten. „Rund 70 Prozent der Pflege bei älteren Menschen erledigen Angehörige.“ 

Ein weiteres Problem für Patienten und Mediziner ist die Notfallversorgung. Die Sozialministerin fordert die Erreichbarkeit eines Krankenhauses innerhalb von 30 Minuten.  Was allerdings nicht bedeutet, dass dort dann auch der Facharzt für den speziellen Krankheitsfall bereit steht. „Die Medizin von heute bewegt sich noch in den Strukturen von gestern“, sagt KRH-Geschäftsführer Bracht. Es müsse  der medizinischen Spezialisierung in der Praxis Rechnung getragen werden. „Wir müssen zudem mit begrenzten Mitteln verantwortungsvoll umgehen.“ Die Konzentration auf einzelne, komplexere Standorte sei günstiger und effektiver. Und auch im Klinikalltag könne sich etwas verändern. „Muss immer der Arzt am Patientenbett stehen, oder nicht auch mal der Psychologe?“

Heiko Randermann 25.03.2017
22.03.2017
Saskia Döhner 21.03.2017