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Foodtrends Helfen Hausmittel tatsächlich?
Thema F Foodtrends Helfen Hausmittel tatsächlich?
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17:55 10.02.2017
Schön anzusehen: Die Ilustration zum Rezept für „Knoblauchbrot mit Thymian und Honig“. Quelle: Eden Books

Den Gang zum Arzt erspart das Buch „Zwiebelwickel, Essigsocken & Co.“ über alte Hausmittel nicht, aber vielleicht den Weg zur Apotheke. Immerhin. Eine Lästigkeit weniger. Daran lassen die beiden gebürtigen Österreicherinnen Karin Berndl und Nici Hofer keinen Zweifel. Im Vorwort erklären die Autorinnen, dass keines ihrer Rezepte klinisch getestet wurde und der Band keine ärztliche Diagnose oder Behandlung ersetzt. Rechtlich sicherlich ein wichtiger Punkt, der aber natürlichden Kern der Sache widerspiegelt: Es sind Hausmittel.

Zwiebelmilch mit Honig

Und die haben sich über Jahrhunderte- oder Jahrtausende entwickelt, wurden entdeckt, weitergegeben und wiederentdeckt – aber wissenschaftlich belegt? Eher nicht. Vielleicht mit Erfahrung untermauert. Mama rannte früher bei kratzigem Hals ihres Kindes eben nicht gleich in die Apotheke, sondern malträtierte den Spross vielleicht zunächst mit einer „Zwiebelmilch mit Honig“, weil sie selbst als Kind damit gurgeln musste. Zugegeben, klingt furchtbar. Wobei: Ein Spitzenkoch steigt mit solchen Kombinationen ja gerne in die Riege der Avantgarde auf. Fehlt nur das Gänseleber-Eis.

Ausgefallen geht es in dem Buch auch weiter: „Knoblauch-Cayennepfeffer-Petersilien-Schnittlauch-Tee“ soll eine Wunderwaffe bei akuten Erschöpfungszuständen sein. Ein „Essigpfeffertuch“ hilft bei Schnupfen und beim „Winterrettich-Hustensaft“ wird die Küche zur Schnitzwerkstatt. Den Winterrettich zu einem Drittel aushöhlen, ein Loch in die Unterseite treiben, mit Kandiszucker füllen, über Nacht auf ein Glas setzen und siehe da: Am nächsten Morgen ist das Glas mit heilsamer Tinktur gefüllt.

Das Buch

Hannes Finkbeiner rezensiert das Buch „Zwiebelwickel, Essigsocken & Co. – Traditionelle Hausmittel neu entdeckt, Karin Berndl, Nici Hofer, Eden Books, 112 Seiten, 14,95 Euro.

Gut 40 Hausmittel versammelt der Band, allesamt sehr ästhetisch illustriert. Obwohl Rezepte wie Holunderblüten-, Salbei- oder Fencheltee mehr der Vollständigkeit dienen oder die Rettichsuppe gegen Fieber ausschließlich der Wirkung und nicht dem Genuss verpflichtet scheint (ein bisschen Salz und Pfeffer hätte der Gesundheitsförderung nun wirklich nicht geschadet), so überkommt einen bei Rezepten wie Wadenwickel, Kamilleninhalation oder Zwiebelmütze doch auch immer wieder die eine oder andere heitere Kindheitserinnerung.

Knoblauchbrot mit Thymian und Honig

Heiter? Ja, unbedingt! Vielleicht weil das Buch daran erinnert, dass da früher jemand war, der einem nicht nur mit der Pillenpackung, sondern mit liebevoller Folter zu Leibe rückte – mit literweise Hühnerbrühe, dicken Käsebroten undzermatschten Bananen. Zuwendung lindert bekanntlich die schlimmsten Erkältungsbeschwerden auch am Tag und tröstet am Ende tausendmal über Hausmittel wie „Knoblauchbrot mit Thymian und Honig“ hinweg. Oder besser gesagt: „Brot mit viel rohem Knoblauch, Thymian und Honig.“

Ein wenig Tiefe bietet die Lektüre übrigens bei jedem Hausmittel, auch wenn sich die Infos wegen dem Einsatz derselben Zutaten oftmals wiederholen. So auch bei der erwähnten Knofi-Stulle: Da erfährt der Leser nicht nur, dass die Speise bei Erkältungskrankheiten hilft, sondern dass Knoblauch eine antivirale Wirkung hat, ein natürliches Antibiotikum ist und das Immunsystem stärkt. Ebenso wie der Honig, der zudem Antioxidantien enthält, fiebersenkend wirkt und das Bakterienwachstum verhindert. Thymian ist antibakteriell und antiviral, stärkt das Verdauungssystem und kurbelt den Blutkreislauf an.

Und so funktioniert’s: Ein wenig Butter auf eine Scheibe Brot streichen, die Knoblauchscheiben gepresst oder geschnitten darauf verteilen, mit etwas Honig beträufeln und mit Thymianblättern bestreuen. Zutaten: Butter, 1-2 Scheiben Brot, 2-3 Knoblauchzehen, geschält und in dünne Scheiben geschnitten, Honig, Thymianblättchen.

Von Hannes Finkbeiner

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