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Die Gewinner 2017: Klassen 7 und 8 Platz 2: "Interview mit einem Blinden"
Thema S Schreibwettbewerb Die Gewinner 2017: Klassen 7 und 8 Platz 2: "Interview mit einem Blinden"
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20:38 24.04.2017
Quelle: Kathrin Kutter
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Ich heiße Hannah, bin 12 Jahre alt und gehe in die 7. Klasse. Ich bin morgens mit meiner Tante zur Bahn gegangen als ich ihr von dem Schreibwettbewerb erzählte. Als wir uns ein Thema überlegten, haben wir ihren blinden Bekannten getroffen. So ist das Thema zum Neuanfang entstanden.

Wie hat sich Ihr Leben verändert seitdem sie blind sind?
Meine Selbstständigkeit ist weniger geworden, im Alltag bin ich mehr auf Hilfe angewiesen. Ich werde in diesem Sommer meine sehbeeinträchtigte Freundin heiraten.

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Wie wirkt sich die Blindheit auf Ihr Leben aus?
Also ich bin auf jeden Fall selbstbewusster geworden und habe meinen Traumberuf gefunden. Das Hören ist viel intensiver geworden, ich kann Vibrationen von den Wänden in 10 cm Abstand zur Wand fühlen und wahrnehmen.

Was ist denn Ihr Traumberuf?
Mein Traumberuf ist Physiotherapeut.

Wo kann man dies als Blinder erlernen?
In Mainz gibt es eine Schule, auf der Beeinträchtigte mit Nichtbeeinträchtigten insbesondere Blinde, Sehbehinderte und auch Hörgeschädigte auf das alltägliche Berufsleben vorbereitet werden. Dort habe ich meine Ausbildung als Physiotherapeut absolviert.

Haben Sie sich mittlerweile daran gewöhnt blind zu sein?
Absolut. Sagen wir zu 99%.

Seit wann sind Sie blind?
Seit 20 Jahren ist das rechte Auge betroffen, und seit 6 Jahren bin ich beidseitig beeinträchtigt.

Mussten Sie in Ihrem Leben viel verändern?
Nicht so viel, im Alltag bin ich zwar auf mehr Hilfe angewiesen, finde mich aber gut zurecht. Meine Familie unterstützt mich sehr. Mein Telefon oder mein Laptop sind so programmiert, dass sie mit mir sprechen, wenn ich etwas eingebe.

Wie fühlt es sich an blind zu sein?
Es fühlt sich normal an, fast so, als könnte ich sehen. Wenn mir jemand sagt "Da ist eine blaue Blume", dann kann ich es mir bildlich sehr gut vorstellen.

Wie war der Moment, als Ihnen gesagt wurde, dass Sie bald blind sein werden?
Die Diagnose war schlimm, es war als würde die Welt untergehen. Es hat sich doof angefühlt.

Wie gehen Freunde und Familienmitglieder mit Ihrer Beeinträchtigung um?
Manche behandeln mich normal, einige denken nur weil ich blind bin sei ich auch doof.

Was können sie über den Neustart bei Blinden sagen?
Wenn man die Unterstützung durch Freunde und Familie hat, ist auch diese schwierige Lebenslage zu bewältigen. Manchmal ist es Fluch und Segen zugleich.