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Schreibwettbewerb Das steckt im Thema "fremd"
Thema S Schreibwettbewerb Das steckt im Thema "fremd"
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11:55 17.12.2015
Quelle: Jan Philipp Eberstein

Wer fremd ist, gehört nicht dazu. Das klingt ziemlich negativ – ist aber wahr. Denn wer neu in einer Schulklasse, einem Land oder einer Stadt ist, steht erst einmal alleine da. Doch fremde Menschen und Orte kennenzulernen, ist auch ganz schön aufregend.

Das Leben in der Großstadt ist ziemlich anonym. Man kann jahrelang in einer Mietwohnung leben, ohne vom Nachbarn mehr zu wissen, als dass er gern laut Heavy Metal hört. Wer auf der Straße einen Fremden grüßt, bekommt meist einen irritierten Blick zurück. Das wurde unseren Autorinnen Sina Sommerfeld und Laura Pape besonders bewusst, als sie zum Weltkuscheltag, behängt mit „Free Hugs“-Schildern, Passanten am Kröpcke eine Umarmung schenken wollten.

Momentan blickt man in der Stadt aber in noch mehr unbekannte Gesichter als sonst. Hunderttausende Menschen sind nach Deutschland geflohen. Denn in ihren Heimatländern herrschen Terror und Krieg. „Flüchtlinge“ ist sogar zum Wort des Jahres 2015 gewählt worden. Damit sie einen „Freund in der Fremde“ finden, braucht es so engagierte Menschen, wie die ZiSH-Autoren sie in der gleichnamigen Geschichte porträtiert hat. Doch auch die Geflüchteten haben eine Menge  zu erzählen. Ob ihre Flucht, der Alltag oder das Lieblingsessen: Ihr Leben ist uns fremd. Und das ist eine gute Grundlage, um ein spannendes Interview zu führen oder eine Reportage zu schreiben.

Denn als Journalist versorgt man die Menschen nicht nur mit Nachrichten, sondern auch mit Geschichten. Held in solchen Texten kann jeder sein, der etwas Neues und Eigenes zu erzählen hat: Die weltreisende Abiturientin genauso wie jemand mit einer psychischen Krankheit, die von seiner Umwelt nicht verstanden wird.

Auch die Anonymität selbst kann zum Thema werden. Denn im Internet verbirgt man seine Identität oft hinter erfundenen Spitznamen. In der App Jodel kann man anonym Nachrichten versenden, die jeder in einem Umkreis von zehn Kilometern sieht. Wie unsere Autorin Sarah Franke in der Geschichte „Der Campus lernt Jodeln“ herausfand, stehen auch hannoversche Studenten darauf, sich mit vollkommen Fremden auszutauschen. Denn wenn man die anderen nicht kennt, kann man sein, wie man ist – oder sich selbst neu erfinden.

So wie der transsexuelle Yascha es im richtigen Leben getan hat. Wenn man sich an einem Ort oder bei einem Menschen unwohl fühlt, kann man einfach weiterziehen. Das geht nicht, wenn man den eigenen Körper als fremd empfindet. ZiSH hat in der Geschichte „Junge oder Mädchen?“ erzählt, was es bedeutet, im falschen Körper geboren zu sein. Doch sein Beispiel zeigt auch, dass alles gut werden kann.Denn das Fremde taugt, um neu zu beginnen.