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D-Linie: Hintergrund zum Stadtbahn-Streit „Die D-Linie droht den Stadtteil zu spalten“
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06:16 24.03.2012
Rainer-Jörg Grube (Grüne) ist seit 2011 Bürgermeister im Stadtbezirk Linden-Limmer. Der 56-Jährige ist Kaufmann für Wohnungswirtschaft. Quelle: Rüdiger Meise
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Linden

Herr Grube, die rot-grüne Mehrheit in der Regionsversammlung hat entschieden, dass alle Bürger der Region darüber abstimmen sollen, ob die D-Linie in Hochflur- oder Niederflurtechnik gebaut wird. Ist das im Interesse des Stadtbezirks?

Wenn man schon eine Bürgerbefragung macht, wäre es naheliegender gewesen, die Bürger der betroffenen Stadtteile entscheiden zu lassen. Ich habe große Zweifel, dass man sich in Uetze für den Nahverkehr in Limmer interessiert. Übrigens hat Rot-Grün in der Region eine Koalitionsvereinbarung abgeschlossen, die vorsieht, in dieser Angelegenheit Betroffene und Anlieger zu befragen. Wieso man nun eine Befragung in der ganzen Region organisiert, ist die Frage.

Und was ist die Antwort?

Tja. Man muss schauen, wer ein Interesse daran hat. Könnte sein, dass die SPD hofft, dass sich die Regionsbürger für die vordergründig vernünftigere - weil offenbar billigere - Hochflurvariante entscheiden. In den betroffenen Stadtteilen, wo das Thema heiß diskutiert wird, könnte man da zu ganz anderen Ergebnissen kommen. In Internet-Umfragen der Neuen Presse und der CDU Hannover hat sich bislang die Mehrheit für Niederflur ausgesprochen - aber da machen sicherlich Leute mit, die das Thema angeht.

Und die Grünen in der Regionsversammlung, die sich ja für Niederflurtechnik ausgesprochen haben, lassen das mit sich machen?

Vielleicht will man so kurz vor den Landtagswahlen keine Gräben aufreißen, die man später nicht mehr zuschütten kann.

Welche Technik wäre Ihrer Meinung nach die bessere für Ihren Stadtteil?

Ich habe den Eindruck, dass Niederflur den Interessen des Stadtteils eher gerecht wird. Damit könnte die D-Linie schnell behindertenfreundlich gestaltet werden, ohne dass Hochbahnsteige in die Straßenräume gebaut werden müssten. Ich denke auch, dass die politischen Mehrheitsverhältnisse im Bezirksrat Linden-Limmer die Stimmung im Stadtteil widerspiegeln - außer der SPD sind im Bezirksrat alle Fraktionen für Niederflurtechnik.

Und welche Technik wäre die bessere für Hannovers Nahverkehrsnetz?

Hannovers Nahverkehrsnetz sollte für die Bürger da sein und nicht für die Unternehmensinteressen der Üstra. Schon klar, dass die Üstra ihr Hochflur-System abschließen möchte. Wenn dann in Hannover alle Hochbahnsteige gebaut sein werden, hat das über die Jahrzehnte insgesamt eine halbe Milliarde Euro gekostet - eine unternehmerische Fehlentscheidung, die man erstmal über die Fahrpreise refinanzieren muss. Ein Niederflursystem hätte nur einen Bruchteil der Kosten verursacht.

Nun ist diese Entscheidung schon vor Jahrzehnten gefallen und steht nicht mehr zur Debatte. Hochflur-Fans argumentieren, dass Niederflur schon aus Gründen der Netzwerkflexibilität unsinnig wäre.

Ist Ihnen klar, dass die Üstra schon jetzt vier verschiedene Züge einsetzt, aber nur der TW 6000 überall fahren kann? Der Silberpfeil kann beispielsweise nicht in Linden/Limmer fahren. Das führt dazu, dass auf einer der wichtigsten Strecken nur das älteste Material eingesetzt werden kann. Jahrelang hat man sich um die Messe gekümmert, aber nicht um die westlichen Stadtteile, wo die Leute wohnen.

Das passiert ja immerhin jetzt...

Ja, aber auf welche Weise? Zu den Spielregeln der Üstra. Da organisiert die Region ein Bürgervotum, und zugleich spricht sich Regionspräsident Hauke Jagau öffentlich für Hochflur aus. Und der ist zugleich Aufsichtsratschef der Üstra. Wussten Sie, dass es in Deutschland fünf Varianten von Niederflursystemen gibt, und dass die Üstra für alle ihre Berechnungen die teuerste Variante heranzieht? Ich hab’ den Eindruck, die Üstra rechnet die Niederflurvariante kaputt. Neulich hab’ ich mir in Dortmund angeschaut, wie das dortige Nahverkehrsunternehmen Hoch- und Niederflurzüge parallel betreibt. Die sagten, dass sie die Probleme, die in Hannover befürchtet werden, gar nicht kennen. Als wir fragten, wie viel Mehrkosten der parallele Betrieb von Hoch- und Niederflur verursacht, schauten die uns nur verständnislos an.

Schon lange wurde im Stadtteil kein Thema mehr so emotional diskutiert.

Viel zu emotional! So sind die Lindener. Das Thema droht, den Stadtteil zu spalten, so wie vor 15 Jahren die Einrichtung der Fußgängerzone auf der Limmerstraße. Die Gegner von damals sitzen sich noch heute unversöhnlich gegenüber. Über große Themen, die weiter weg sind - beispielsweise über Atomkraft - kann man so diskutieren, aber in einem Stadtteil muss man hinterher wieder miteinander klarkommen. Dabei geht es ja gar nicht nur um Linden/Limmer. Die Veränderungen, die es in der City geben muss, sind teilweise viel gravierender.

Wagen Sie eine Prognose, wie die Bürgerbefragung ausgeht?

Nein. Aber ich hab’ kein gutes Gefühl dabei. Prinzipiell bin ich für Bürgerbefragungen, aber sie sollten die Politik ergänzen, nicht ersetzen. Die Leute in Burgdorf haben doch ihre Regionsabgeordneten nicht gewählt, damit die ihnen Entscheidungen aufbürden, mit denen sie gar nichts zu tun haben.

Interview: Rüdiger Meise

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