Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Die Hells Angels in Hannover Kehren die Hells Angels zurück?
Thema Specials Die Hells Angels in Hannover Kehren die Hells Angels zurück?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:31 05.06.2013
Von Heinrich Thies
Kommen sie wieder? Die Bremer Ortsgruppe „Westside" der Hells Angels meldete sich am Montag zumindest zurück. Quelle: dpa
Hannover

Doch der Eindruck war offenkundig falsch. Denn mittlerweile formieren sich die Hells Angels wieder neu. Erst vor wenigen Tagen meldete sich die Bremer Ortsgruppe „Westside“ zurück, die sich erst im Juni unter dem Druck der Polizeibehörden selbst aufgelöst hatte – wie in Hannover.
„Das Charter existiert wieder“, bestätigt Hells-Angels-Sprecher Rudolf Triller alias „Django“, der die Neugründung als „Beleg für Flexibilität“ wertet. „Django“ verrät, dass der künftige Schwerpunkt der Ortsgruppe „Westside“ nicht in Bremen, sondern im niedersächsischen Umland liegen werde – in „Bremen um zu“, wie es der deutsche Sprecher der weltweit organisierten Rockerorganisation ausdrückt.

Das Charter „Westside“ ist kein Einzelfall. Die Hells Angels melden sich auch in Niedersachsen zurück. In Wilhemshaven gründete sich erst vor wenigen Wochen eine Ortsgruppe namens „Jade Bay“. Weitere Charter entstanden in Wolfsburg und Göttingen, wie „Django“ bestätigt. Darüber hinaus habe auch in Magdeburg eine neue Gruppe der Höllenengel Stellung bezogen, die nach Niedersachsen ausstrahle, berichtet der Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) Niedersachsen, Frank Federau. „Rockergruppen machen nicht vor Ländergrenzen halt.“
Die Auflösung von Hells-Angels-Charters in Hannover und anderswo wird nach den Erkenntnissen des LKA ohnehin schon seit geraumer Zeit von einem gegenteiligen Trend überlagert. „Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass die Hells Angels expandieren“, sagt Federau. „Dabei geht es immer um Machtstreben.“ Nach wie vor sei die Rockerorganisation eng mit der organisierten Kriminalität verwoben.

Aus Sicht des LKA-Sprechers ist zu beobachten, dass die Hells Angels auch Verstärkung aus anderen Rockergruppierungen erhalten. Mitglieder der Red Devils, die als Hilfstruppe gelten, sollen zum Beispiel zu „Full-Members“ des gewaltbereiten Elitetrupps der Kuttenträger ernannt worden sein. Auch der Hells-Angels-Sprecher berichtet von vielen neuen Gesichtern in den Reihen seiner Kameraden. „Je stärker wir verfolgt werden, desto größer ist der Zulauf, den wir haben“, sagt Triller. „Im Moment müssen wir regelrecht die Tür zuhalten.“ Darüber hinaus seien „unzählige Streetgangs“ entstanden, „die uns kopieren“. Besorgniserregend dabei sei, dass solche Gangs auch vor Verbrechen nicht zurückschreckten. Die Hells Angels dagegen werden nach Darstellung Trillers von Polizei und Politikern zu Unrecht kriminalisiert. „Das sind alles unhaltbare Unterstellungen.

Diese Aussage darf bezweifelt werden, denn die Realität sieht anders aus. So standen zahlreiche Mitglieder der Hells Angels in den vergangenen Jahren wegen etlicher Tötungsdelikte, Körperverletzung, Drogenhandels, Schutzgelderpressung und Rotlichtkriminalität vor Gericht. In Pforzheim etwa begann gestern ein Prozess gegen zehn Mitglieder und Sympathisanten des inzwischen verbotenen Hells-Angels-Klubs „Borderland“. Die Anklage lautet auf gefährliche Körperverletzung, Landfriedensbruch und Bildung bewaffneter Gruppen.

Die innenpolitische Sprecherin der Landtagsgrünen, Meta Janssen-Kucz, spricht mit Blick auf die Neugründungen von einem „Warnsignal“. Jetzt sei Innenminister Uwe Schünemann (CDU) gefordert, konsequent gegen die kriminelle Rockerszene vorzugehen. Nicht nachvollziehbar sei die Äußerung des hannoverschen Polizeipräsidenten Axel Brockmann, dass die Neugründungen „kein Grund zur Beunruhigung“ seien.

Dass die Hells Angels nicht bereit sind, dem Druck der Justiz nachzugeben, demonstrierten sie erst am vergangenen Sonnabend bei der Beisetzung ihres Bielefelder Rockerpräsdidenten Jörg M., der Heiligabend im Alter von 44 Jahren an Krebs gestorben war. Rund 1000 Kuttenträger aus ganz Europa und den USA versammelten sich bei der Trauerfeier und geleiteten den Verstorbenen wie bei einem Staatsbegräbnis in einem Motorradkonvoi zum Friedhof. Den Sarg zierten die Buchstaben „AFFA“: „Angels Forever, Forever Angels“. Neben den Abgesandten der neuen Rockerklubs in Bremen oder Wilhelmshaven zeigte sich auch der hannoversche Ex-Präsident Frank Hanebuth.

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Demonstrative Rückendeckung für die Ermittler in Kiel. Innenminister Breitner lobte ausdrücklich die Arbeit der Soko „Rocker“, auch wenn die in einer Lagerhalle vermutete Leiche eines Türken trotz aufwändiger Suche nicht gefunden wurde. Zwei Hells Angels kamen frei.

12.07.2012

Herber Rückschlag im Kampf gegen die Rockerkriminalität: Die Suche nach einer einbetonierten Leiche in einer Lagerhalle der Hells Angels in Altenholz blieb erfolglos. Verhaftete Rocker kommen wieder frei. Die Staatsanwaltschaft gibt nicht auf.

10.07.2012

Der Klub der Hells Angels in Hannover hat sich aufgelöst. Polizei und Politik sehen in dieser Entwicklung einen Erfolg des harten Kurses gegen die Rockergruppe. Aber verschwindet damit auch eine der mächtigsten Rockergruppierungen im Land?

Tobias Morchner 29.06.2012