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Die Hells Angels in Hannover Inkasso nach Art der Hells Angels
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00:17 02.11.2013
Von Tobias Morchner
Rockerchef Frank Hanebuth nach seiner Festnahme im Juli auf der Ferieninsel Mallorca. Quelle: dpa
Hannover

Die spanischen Ermittler der Polizei und der Staatsanwaltschaft werden wohl einige Geduld aufbringen müssen, um den Fall Frank Hanebuth und den angeblich von ihm beauftragten Bombenanschlag zu klären. Denn die Anschuldigungen gegen den nach wie vor einflussreichen Hells Angel stützen sich offenbar hauptsächlich auf die seitenlangen Protokolle aus der Überwachung der Telefongespräche zwischen dem Rocker und seinem langjährigen Weggefährten Paul E., genannt „Thrombose-Paul“, einer ehemaligen Frankfurter Rotlichtgröße. Die spanischen Behörden sind davon überzeugt, dass die beiden gemeinsam mit weiteren Komplizen einen windigen Anlagebetrüger und dessen Familie unter Druck gesetzt haben, um diesen zur Rückzahlung der ergaunerten Gewinne zu bewegen - und um für ihre Dienste eine hohe Provision einzukassieren.

In Handschellen auf Mallorca: Der Ex-Chef der hannoverschen Hells Angels, Frank Hanebuth, ist dem Haftrichter auf der Urlaubsinsel vorgeführt worden.

Doch ob sich aus den aufgezeichneten Telefonaten, die am Dienstag von „Spiegel online“ und dem NDR veröffentlicht worden waren, tatsächlich belastbares Beweismaterial gegen ein Inkassounternehmen nach Art der Hells Angels und gegen Hanebuth und die übrigen Verdächtigen heraushören lässt, darf bezweifelt werden. Denn der Inhalt der mitgeschnittenen Gespräche ist oft unverständlich.

In den Ermittlungsakten ist unter anderem ein angeblicher Anruf Frank Hanebuths bei „Thrombose-Paul“ festgehalten. „Langer, was ist los?“, meldet sich der Angerufene. „Paule, am Samstag komme ich angedüst, am Samstag“, soll der Rockerchef geantwortet haben. „Das habe ich gestern schon gehört, aber nur kommen und gleich wieder losfahren?“, fragt Paul E. daraufhin.Hanebuths Antwort: „Mann, Pauli, ich komme nur deswegen.“

Auch weitere Gesprächsprotokolle, die in den Akten zu finden und inzwischen öffentlich gemacht worden sind, geben zumindest auf den ersten Blick keinen weiteren Aufschluss über die geplanten Aktivitäten der Gruppe. So meldete sich Hanebuth eines Tages erneut bei Paul E. und erklärte, er wolle die Fotos von den Hunden angucken, um zusehen, ob die etwas geworden seien. E. entgegnet: „Ich kann dir sogar sagen, wie sie genau heißen, aber ich habe es im Kofferraum, ich habe es gut verwahrt, verstehst du?“ Antwort Hanebuth: „Schick es mir per Email, wie sie heißen, die Titel.“ Die Ermittler vermuten, dass die Gesprächspartner bei ihren telefonischen Kontakten Codewörter benutzt haben, um ihre wahren Pläne besser verschleiern zu können.

Die Einschüchterungsversuche der Hells Angels gegen den mutmaßlichen Betrüger, der mehr als 10.000 Kunden um insgesamt mehr als 130 Millionen Euro geprellt haben soll, haben im Sommer 2012 mit einer Messerattacke auf einen Komplizen den Betrügers begonnen. Davon sind die spanischen Ermittler überzeugt. In den folgenden Monaten wurden Häuser und Wohnungstüren von Familienmitgliedern des dubiosen Anlageberaters mit Blut- und Tierkadavern beschmiert. Verwandte des Betrügers erhielten Briefbombenattrappen, und im März dieses Jahres wurde ein Sprengsatz unter dem Wagen einer Nichte des mutmaßlichen Abzockers deponiert. Das Fahrzeug brannte aus. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Nach Ansicht der Behörden in Madrid hat Frank Hanebuth in Absprache mit Paul E. die gezielten Einschüchterungsversuche nicht nur abgesegnet, sondern sie explizit in Auftrag gegeben. Zudem soll er den aus Wolfenbüttel stammenden Karsten W. und den Hessen Jochen H. - beide sind Mitglieder der Hells Angels - angeheuert haben. Diese waren für die niederen Dienste in dem Fall zuständig, sollen den Messerangriff verübt und den Bombenanschlag in Breitbrunn am Ammersee in Bayern ausgeführt haben.

Den mächtigen Rockerchef und die Frankfurter Rotlichtgröße verbindet neben einer langjährige Freundschaft auch ein ungewöhnlicher Schicksalsschlag. Im Jahr 2010 - damals hatte Hanebuth am Steintor noch das Sagen - erschoss Paul E.s Stiefsohn, Holger B., in der „Columbus-Bar“ in der Münzstraße zwei Italiener. Einer der Toten war Pizzabäcker im Steintor-Restaurant „Little Italy“. Der Schütze flüchtete anschließend nach Mallorca - in das Haus seines Stiefvaters. Paul E. überredete damals den inzwischen verurteilten Doppelmörder, sich den Behörden zu stellen und besorgte ihm einen Anwalt.

Rocker auch in Celle aktiv

Nach der Auflösung des hannoverschen Ortsvereins der Hells Angels im Sommer 2012 haben die ehemaligen Mitglieder der rund 40-köpfigen Gruppe in anderen Klubs Unterschlupf gefunden. So gründeten sie einen Ableger in der Südheide und in der Region Hannover. Jetzt sind die Höllenengel auch in Celle aktiv. Über einen Mittelsmann sollen die Rocker einem Zeitungsbericht zufolge eine ehemalige Gaststätte in der Nähe des Einkaufszentrums Neues Land/Dasselsbrucher Straße erworben haben, um dort einen weiteren Klub ins Leben zu rufen. Die Ex-Kneipe liegt verkehrsgünstig nahe der B 3 Richtung Hannover.

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