Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Die Wulff-Affäre Das 598-Tage-Buch der Wulffs
Thema Specials Die Wulff-Affäre Das 598-Tage-Buch der Wulffs
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:15 04.04.2012
Von Hendrik Brandt
Schreiben, um zu bleiben?  Die Wulffs haben Buchpläne. Quelle: dpa
Hannover

Es gibt Vorbilder. „Erinnerungen und Einsichten“ heißt eines von ihnen, „Aufgabe und Verpflichtung“ ein anderes. Gewiss, es lassen sich spannendere Titel für Bücher denken als Walter Scheel und Heinrich Lübke gewählt haben. Wenn aber ein Bundespräsident zum gediegenen Füllfederhalter greift, um für die Nachwelt über sich und sein Amt nachzudenken, wird es eben etwas statuarischer. Warum auch nicht. Selbst wenn Richard von Weizsäckers Titel „Vier Zeiten“ schon reichlich dunkel war. Ein wenig Präsident bleiben die „a.D.s“ halt immer – auch wenn  sie Villa Hammerschmidt und Schloss Bellevue längst verlassen haben. Jedenfalls war das bisher so.

Nun jedoch schreibt Christian Wulff. Zumindest behauptet das die „Bild am Sonntag“ und macht sich damit erst einmal verdächtig. Herrscht nicht Mailbox-„Krieg“ zwischen den Wulffs und den Blättern aus dem Hause Axel  Springer? Und überhaupt – welches Datum trug die Zeitung doch gleich, als sie die Wulffschen Memoiren auf ihrer Titelseite ankündigte? Wer also glaubt an dieses Buch?

Der Vorgang ist so bizarr wie die ganze Affäre um Wulff: Der Boulevard spekuliert über die politische Bilanz des ehemaligen Staatsoberhaupts in Buchform – und nicht wenige halten das glatt für einen Aprilscherz.

Das hat einmal mehr mit der besonderen wulffschen Konstellation zu tun, die als „Präsidentenpaar“ ebenso schwach wie falsch beschrieben war. Präsident war nur einer – auch wenn die andere ihn oft und gern an- und manchmal eben auch überstrahlte. Daher geht es nun auch gar nicht um ein Buch. Sondern um zwei. Bettina Wulff schreibt auch.

Eine Art Innenblick auf die 598 Tage als Präsidentengattin soll ergänzend zum politischen Buch geplant sein. Das wiederum ist ebenso ohne Vorbild wie die Wulffs selbst. Sicher, Veronica Carstens hatte einst ihre naturmedizinischen Einsichten und Erkenntnisse veröffentlicht, Christiane Herzog lud sogar zur eigenen Fernsehsendung. Aber eine Art Tagebuch der strahlenden Begleiterin? Der wahre Seitenblick aufs Bundespräsidentenamt? Das wäre neu.

Aber bestimmt erfolgreich. Die Szenerie ist vorgezeichnet: Startauflage, Vorabdrucke und Talkshows können in den kommenden Tagen bestellt und gebucht werden. Bettina Wulff wird auch hier wieder eine glänzende Figur machen und gewiss nicht den Fehler begehen, den ernsthaften, analytische  Blick in das Innenleben dieser gescheiterten Präsidentschaft zuzulassen. „Schloss inside“  mag es geben – die wahre Wulff-Geschichte hingegen kaum. Am Ende wird es den Büchern so gehen, wie den öffentlichen Wulffs: Seines wird höflich beachtet werden, ihres hingegen hat das Zeug zum Bestseller. Sie bleiben sich treu, die Wulffs. Immerhin.

Kleine Genugtuung für Christian Wulff: Zunächst bis Ende des Jahres kann er ein Büro mit zwei Mitarbeitern in Berlin nutzen. Doch wie es danach mit seiner Vertretung in Berlin aussieht, ist offen.

30.03.2012

Feierliche Fußballtage hat Christian Wulff ja schon einige erlebt in der hannoverschen AWD-Arena, die magische Europapokalnacht gegen Standard Lüttich wollte sich aber auch das ehemalige Staatsoberhaupt nicht entgehen lassen.

16.03.2012

Mit einem Großen Zapfenstreich hat sich der bisherige Bundespräsident Christian Wulff endgültig in den Ruhestand verabschiedet. Drei Wochen nach dem Rücktritt äußerte der 52-Jährige am Donnerstagabend „Bedauern“ darüber, dass er seine Amtszeit nicht zu Ende bringen konnte.

Alexander Dahl 09.03.2012