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Die Wulff-Affäre Glaeseker weist Vorwurf der Bestechlichkeit zurück
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15:12 11.08.2013
Ex-Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker hat den Vorwurf der Bestechlichkeit zurückgewiesen. Quelle: dpa
Hannover

Der ehemalige Sprecher von Ex-Bundespräsident Christian Wulff, Olaf Glaeseker, hat den Vorwurf der Bestechlichkeit zurückgewiesen. In einem 69-seitigen Schreiben seiner Anwälte an das Landgericht Hannover widerspricht Glaeseker nach dpa-Informationen auch Darstellungen seines früheren Chefs Wulff. Ob und wann es zu einer öffentlichen Hauptverhandlung gegen Glaeseker kommt, ist noch offen. Darüber muss nun das Gericht entscheiden, genauso wie über den Fortgang des Verfahrens gegen Wulff.

Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte Glaeseker im März zusammen mit Partymanager Manfred Schmidt angeklagt. Sie hält es für erwiesen, dass Glaeseker dem Manager bei der Suche nach Sponsoren für die Promi-Party Nord-Süd-Dialog half, mit der Schmidt rund eine Million Euro Gewinn gemacht haben soll. Im Gegenzug soll der Manager ihn zu Urlauben in seine Häuser nach Frankreich und Spanien eingeladen haben.

Glaesekers Anwälte betonten, Wulff habe von den Reisen seines Sprechers zu Schmidt gewusst, auch wenn der Ex-Präsident dies bei der Staatsanwaltschaft anders dargestellt haben sollte. Wulffs Tochter und seine Exfrau seien teilweise parallel dort zu Gast gewesen.

Die Anwälte erklärten auch, die Sponsorensuche sei nicht als „Diensthandlung“ zu bewerten, sondern Glaeseker habe sie rein privat für einen langjährigen Freund gemacht. Außerdem seien die Ersparnisse durch die vom Partymanager bezahlten Flüge nicht so hoch wie von der Staatsanwaltschaft berechnet, berichtete der „Spiegel“. Glaesekers Anwälte kommen zu dem Schluss, eine Verurteilung ihres Mandanten wegen Bestechlichkeit sei unwahrscheinlich.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Sprecher vorgehalten, Schmidt habe ihm neun Urlaube in Frankreich und Spanien sowie 19 Freiflüge im Gesamtwert von etwa 12.000 Euro spendiert. Glaeseker betonte dagegen, er habe seinen Freund nur in seinem Privathaus besucht.

Von der Inanspruchnahme eines günstigen Privatkredits über kostenlose Urlaube bei Unternehmern bis zur staatlichen Mitfinanzierung einer umstrittenen Lobby-Veranstaltung: Bundespräsident Christian Wulff wurde vielen Vorwürfen ausgesetzt. Geblieben ist wenig.

Mit den Promi-Treffs Nord-Süd-Dialog in Hannover und Stuttgart soll Schmidt nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft 2007, 2008 und 2009 einen Gewinn von mehr als einer Million Euro gemacht haben. Glaeseker soll 650.000 Euro Sponsorengelder für die Feten eingeworben haben. Die Partys waren angekündigt als Netzwerkveranstaltungen der Länder Niedersachsen und Baden-Württemberg, Schirmherr war auch Wulff.

Der ehemalige Präsident ist seit April wegen Bestechlichkeit angeklagt, allerdings nicht wegen des Promi-Treffs Nord-Süd-Dialog, sondern wegen seiner Verbindung zum Filmproduzenten David Groenewold. Dieser hatte teilweise die Kosten für einen Oktoberfestbesuch der Wulffs in München übernommen, später warb der damalige Regierungschef bei Siemens für ein Filmprojekt Groenewolds um Geld.

dpa

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