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Die Wulff-Affäre Glaeseker war kein Einzeltäter
Thema Specials Die Wulff-Affäre Glaeseker war kein Einzeltäter
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20:35 24.08.2012
Von Klaus Wallbaum
Olaf Glaeseker (Archivfoto) Quelle: dpa
Hannover

Vor einem halben Jahr, als die Wulff-Affäre richtig losging, wurde in der Landesregierung die Theorie vom „bösen Olaf“ geboren. Der damalige Regierungssprecher Olaf Glaeseker, engster Mitarbeiter des Ministerpräsidenten Christian Wulff, sei Hauptakteur gewesen. Wenn es um fehlende Distanz zwischen Wirtschaft und Politik gehe, hänge dies mit Eigenmächtigkeiten Glaesekers zusammen. Andere seien schuldlos.

Nun wird diese Theorie immer fragwürdiger, und die Landesregierung vertritt sie auch nicht mehr offensiv. Es geht etwa um die Frage, ob die Regierung aktiv um Sponsoren für die Promi-Treffen „Nord-Süd-Dialog“ in den Jahren 2007, 2008 und 2009 geworben hat. Der Gewinn der Veranstaltung kam dem Eventmanager Manfred Schmidt zugute, und weil jener Glaeseker wiederholt zu Urlauben einlud, besteht gegen Wulffs früheren Sprecher Korruptionsverdacht. Erhärtet wird dies durch die angebliche Aussage Wulffs als Zeuge vor der Staatsanwaltschaft. Darin bestritt der frühere Ministerpräsident, sich selbst an der Sponsorensuche beteiligt zu haben.

Eine fragwürdige Darstellung. Laut „Bild“ hat Wulffs Staatskanzleichef Lothar Hagebölling vor dem „Nord-Süd-Dialog“ 2007 bei der Nord/LB 20000 Euro und ein kostenloses Catering für die Veranstaltung eingeworben. Vor der Promi-Party 2009 führte Hagebölling gemeinsam mit Glaeseker ein Vermittlungsgespräch beim Flughafen Hannover-Langenhagen - weil die Absage des Treffens drohte, denn der Flughafen bestand zunächst auf Vorkasse vom Veranstalter Schmidt. Außerdem soll Hagebölling angeblich auch die Salzgitter AG als Sponsoren angesprochen haben.

Auch Wulff selbst hat sich anscheinend an der Sponsorensuche beteiligt. Ein Talanx-Sprecher bestätigte gestern, dass der damalige Ministerpräsident den Talanx-Vorstand Herbert Haas 2009 auf die Veranstaltung hinwies. Haas bat um Informationen, die Glaeseker übermittelte - und in der Folge steuerte Talanx 10000 Euro zum Event bei. Bei einem Essen für mögliche Sponsoren im Oktober 2009 hielt Wulff eine Rede, und es gibt auch Hinweise, dass der Regierungschef in weiteren Fällen Unternehmen auf eine finanzielle Unterstützung des „Nord-Süd-Dialogs“ aufmerksam machte. Dabei mag er formal das Sponsoring nicht erwähnt haben - aber in der Folge ging es dann stets genau darum.

Immer deutlicher wird, dass sich damals nicht nur Glaeseker, sondern die Spitze der Regierung um Geldgeber für die „Nord-Süd-Dialoge“ bemühte. Alle wollten einen Erfolg dieses Treffens, mit dem Hannover in Glanz erscheinen sollte. Heute tut man in der Regierung so, als müsse man sich für diese Veranstaltung schämen. Ob Wulff mit den neuen Hinweisen auf seine Beteiligung an der Sponsorensuche belastet wird? Was Talanx angeht, steht er sowieso im Verdacht, die nötige Distanz nicht gewahrt zu haben. Die Staatsanwaltschaft betont aber, die Ermittlungsverfahren gegen Glaeseker (wegen „Nord-Süd-Dialog“) und Wulff (bisher wegen Beziehungen zum Filmunternehmer Groenewold) seien getrennt. „Sie betreffen aber Sachverhalte, bei denen es in der abschließenden Bewertung zu Überschneidungen kommen kann“, sagt der Sprecher.

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