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Die Wulff-Affäre Wulff bedauert Schweigen über Privatkredit
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19:18 15.12.2011
Hannover/Berlin

Bundespräsident Christian Wulff hat sein bisheriges Schweigen zu einem Privatkredit von 500 000 Euro bedauert. "Ich erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte. Ich bedauere das", erklärte Wulff am Donnerstag. "Es wäre besser gewesen, wenn ich auf die Anfrage der niedersächsischen Abgeordneten im Landtag über die konkreten Fragen hinaus auch diesen privaten Vertrag mit Frau Geerkens erwähnt hätte, denn in der Sache hatte und habe ich nichts zu verbergen." Weiter erklärte Wulff in einer Mitteilung: "Ich verstehe das Interesse der Öffentlichkeit und der Medien. ... Auch im Interesse der Trennung von Amt und Person werde ich die Vertragsunterlagen und weitere Papiere bei einem Anwaltsbüro hinterlegen, damit interessierte Medien sie einsehen können."

Wulff war wegen eines Kredits der Unternehmergattin Edith Geerkens aus dem Jahr 2008 in die Kritik geraten. Damals war Wulff Ministerpräsident in Niedersachsen. Im Landtag war er nach etwaigen geschäftlichen Beziehungen zu dem Unternehmer selbst befragt worden und hatte deren Existenz bestritten, den Darlehensvertrag mit dessen Frau aber nicht erwähnt.

Am Donnerstag war die Kritik noch einmal lauter geworden. Die SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag will von der Landesregierung Auskunft über alle Urlaubsreisen, die Wulff in seiner Zeit als Ministerpräsident zwischen Anfang 2003 und Mitte 2010 unternommen hat. SPD-Fraktionschef Stefan Schostok begründete am Donnerstag die entsprechende Kleine Anfrage: "Wir wollen wissen, ob Wulff neben den bereits bekannten Urlaubsdomizilen 2009 und 2010 noch weitere Male private Unterkünfte von Unternehmern hat nutzen dürfen."

Weihnachten 2009 hatte die Familie Wulff in Florida das Ferienhaus des ehemaligen Osnabrücker Unternehmers Geerkens genutzt, im Sommer 2010 dann war die Familie zur Gast in der Villenanlage des Multimillionärs Carsten Maschmeyer. Wulff selbst hat Geerkens als väterlichen Freund bezeichnet. Mit dem früheren Finanzmanager Maschmeyer und dessen Lebensgefährtin Veronica Ferres ist das Ehepaar Wulff ebenfalls befreundet. Mit der Kleinen Anfrage will die SPD auch erfahren, ob sich das Land Niedersachsen am Umbau des von Wulff 2008 erworbenen Hauses in Burgwedel beteiligt hat.

Geerkens hat den Privatkredit seiner Frau an Wulff erneut gegen öffentliche Kritik verteidigt und den Bundespräsidenten in Schutz genommen. Er habe aus seiner Freundschaft zu Wulff nie einen Vorteil gezogen, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Auch habe er nie einen öffentlichen Auftrag oder eine staatliche Zuwendung erhalten. Er habe Wulff während dessen Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident als Mitglied von Wirtschaftsdelegationen auf Auslandsreisen nach China, Japan und in die USA begleitet. "Ich habe alle drei Reisen selbst bezahlt, die Flüge, die Hotels, sogar die Organisationsgebühr der IHK", sagte Geerkens.

"Zu dem Zeitpunkt, als Christian Wulff den Kredit meiner Frau erhielt, war ich gar kein Unternehmer mehr", so Geerkens weiter. Denn bereits ein Jahr zuvor habe er alle geschäftlichen Aktivitäten aufgrund einer schweren Krebserkrankung eingestellt. Die 500 000 Euro seien ein rein privates Darlehen seiner Frau Edith für einen Freund gewesen, sagte Geerkens. Er kenne den heutigen Bundespräsidenten "seit mindestens 34 Jahren" und sei bereits mit Wulffs früh verstorbenen Vater befreundet gewesen.

Geerkens nahm Wulff auch gegen den Vorwurf in Schutz, er habe den niedersächsischen Landtag nicht präzise informiert, in dem er den Kredit verschwiegen habe. "Christian Wulff hat damals völlig korrekt geantwortet", sagte der Ex-Unternehmer der "SZ".

dpa/frs

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