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Die Wulff-Affäre Wulff geht auf Distanz zu Glaeseker
Thema Specials Die Wulff-Affäre Wulff geht auf Distanz zu Glaeseker
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06:15 15.08.2012
Von Reinhard Urschel
Wer wusste was über Sponsoring und Gratisurlaube? Glaeseker, Wulff. Quelle: dpa (Archiv)
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Hannover

Noch härter verläuft derzeit die Trennung der „Zwillinge“ Glaeseker und Wulff. Es könnte sein, dass sie einander bald vor Gericht Aug’ in Aug’ gegenübertreten müssen. Schließlich sind beide staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ausgesetzt. Und da verteidigt sich jeder wie er kann – auch schon mal auf Kosten des anderen. So soll inzwischen Wulff bei der Staatsanwaltschaft Hannover zu den legendären Nord-Süd-Dialog-Partys des Veranstalters Manfred Schmidt ausgesagt haben, er habe von Glaesekers umstrittener Sponsorensuche für diese Partys und von Glaesekers Gratisurlauben in Schmidts südfranzösischen Immobilien nichts gewusst. Drei Stunden lang stand Wulff laut „Focus“ den Ermittlern Rede und Antwort, angeblich schon am 29. Juni.

Glaeseker wehrte sich am Wochenende per Anwalt. Sein Rechtsbeistand Guido Frings veröffentlichte eine zwar umständliche, aber doch unmissverständliche Erklärung: „Die Verteidigung ist verwundert, in hohem Maße irritiert und findet diese vermeintlichen Aussagen befremdlich, da sie nicht mit dem Kenntnisstand der Verteidigung auch nur ansatzweise in Einklang zu bringen sind.“ Man hätte das auch kürzer sagen können: Glaeseker findet es abwegig, wenn Wulff jetzt behaupten wolle, er habe von nichts gewusst.

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Dafür, dass Glaeseker recht hat, sprechen Indizien. Bei einigen Touren mit und zu Schmidt war nicht allein das Ehepaar Glaeseker dabei, sondern auch Wulffs frisch geschiedene erste Ehefrau Christiane und beider Tochter Annalena. Wulff muss schon sehr in seiner neuen Gedankenwelt gelebt haben, wenn er nicht mitbekommen hat, mit wem seine Ex-Frau, sein „Zwilling“ und dessen Ehefrau verreist sind.

Die Bezeichnung „Zwilling“ für Glaeseker war von vornherein ein bisschen schräg. Eher ist es so, dass Glaeseker den erfolgreichen Politiker Wulff erfunden hat. Die Betonung liegt auf erfolgreich. Erst nachdem Glaeseker, der Journalist und frühere Bonner Hauptstadtkorrespondent, begonnen hatte, den bis dahin glücklosen Osnabrücker Politiker zu beraten, stieg Wulff auf: erst zum Ministerpräsidenten, schließlich zum Bundespräsidenten. Wulff ist seinerzeit nicht müde geworden, den Erfahrungsschatz Glaesekers über die Maßen zu loben, sogar als „alter ego“, also als zweites Ich. Inzwischen, so scheint es, findet jeder der beiden wieder zu sich.

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