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Die Wulff-Affäre Wulff leistet öffentlich Abbitte
Thema Specials Die Wulff-Affäre Wulff leistet öffentlich Abbitte
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20:59 04.01.2012
„Neue Maßstäbe für Transparenz“: Bundespräsident Christian Wulff im TV-Studio in Berlin.
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Berlin/Hannover

In einem am Mittwochabend ausgestrahlten TV-Interview von ARD und ZDF bedauerte Wulff seinen Anruf bei „Bild“-Chefredakteur, mit dem er eine kritische Berichterstattung über seinen Hauskredit hinauszögern wollte. Er fügte hinzu, er wolle nach fünf Jahren eine Bilanz vorlegen können, „dass ich ein guter, erfolgreicher Präsident war“.

„Der Anruf bei der Chefredaktion der ,Bild’-Zeitung war ein schwerer Fehler, der mir leid tut und für den ich mich entschuldige“, erklärte Wulff. Es sei ihm um eine Verschiebung der Berichterstattung um einen Tag gegangen. Offenbar habe er sich in diese Lage „eher als Opfer gesehen, als derjenige, der die Bringschuld hat, in der Öffentlichkeit Transparenz herzustellen“, bedauerte Wulff.

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Seine Anwälte würden am Donnerstag alle Unterlagen in dieser Sache ins Internet stellen, kündigte Wulff an. Das werde „neue Maßstäbe“ für Transparenz setzen. Er bekräftigte seine Auffassung: „Ich weiß, dass ich nichts Unrechtes getan habe, auch wenn nicht alles richtig war.“ Den umstrittenen Kredit bei der BW-Bank in Stuttgart habe er zu „ganz normalen, üblichen Konditionen“ erhalten.

Das Echo auf die Äußerungen der Präsidenten fiel unterschiedlich aus. SPD, Linke und Grüne sehen weiter Aufklärungsbedarf. Der Vizechef der SPD-Bundestagsfraktion Hubertus Heil nannte die Erklärung „überfällig, aber nicht ausreichend“. Zu klären bleibe die Frage, ob Wulff gegen das niedersächsische Ministergesetz verstoßen hat. „Wenn sich Wulff mit ganzer Kraft seinen Aufgaben als Bundespräsident widmet, wird das Vertrauen in ihn wieder wachsen“, sagte die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Gerda Hasselfeldt, gegenüber dieser Zeitung. Der Sprecher Merkels betonte, die Kanzlerin schätze Wulffs Arbeit als Präsident.

Der niedersächsische DGB-Landesvorsitzende Hartmut Tölle warb nach dem Interview am Abend für Verständnis für den Bundespräsidenten und sprach sich gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung für einen Verbleib im Amt aus.  „Jeder macht Fehler, auch Politiker. Unser System beruht aber darauf, dass wir bereit sein müssen, bei ehrlicher Reue auch eine Bitte um Verzeihung zu akzeptieren.“ Deshalb sei er „gegen einen Rücktritt von Wulff“, sagte Tölle.

Die Bürger sind gespalten, wenn es um die Frage geht, ob Bundespräsident Wulff nach den Drohanrufen bei der Presse zurücktreten soll. 46 Prozent der Deutschen meinen, er sollte sein Amt zur Verfügung stellen, ebenso viele meinen aber, er solle bleiben. Das ergab eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung unter 1005 Befragten. Käme es zu einer Neuwahl, hätte Wulffs Kontrahent der letzten Wahl, Joachim Gauck, den meisten Rückhalt.

Michael M. Grüter 
und Klaus Wallbaum

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Bundespräsident Christian Wulff will ungeachtet des anhaltenden Drucks in der Kredit- und Medienaffäre nicht zurücktreten. „Ich nehme meine Verantwortung gerne wahr“, sagte er in einem Interview bei ARD und ZDF. Er übe sein Amt mit Freude aus und wisse, dass er nichts Unrechtes getan habe. Er räumte jedoch einen „schweren Fehler“ ein.

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