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Die Wulff-Affäre Wulff soll auch „Welt am Sonntag“ gedroht haben
Thema Specials Die Wulff-Affäre Wulff soll auch „Welt am Sonntag“ gedroht haben
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13:20 03.01.2012
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Berlin/Hannover

Bundespräsident Christian Wulff soll schon im Sommer des vergangenen Jahres in einem anderen Fall versucht haben, per Telefonanruf einen ihm unliebsamen Artikel zu verhindern. Die "Welt am Sonntag" plante damals angeblich einen Bericht über Wulffs Familiengeschichte. Der Bundespräsident habe telefonisch auch bei der Verlagsführung interveniert, einer der Autoren sei zum Gespräch ins Schloss Bellevue gebeten worden, berichtete "Welt Online" am Dienstag. Der Bundespräsident persönlich habe mit „unangenehmen und öffentlichkeitswirksamen Konsequenzen im Fall einer Veröffentlichung“ gedroht, schreibt die Zeitung.

Dennoch sei der Bericht erschienen. Um welche Berichterstattung es damals genau ging, schreibt "Welt Online" nicht. Oliver Michalsky, stellvertretender Chefredakteur der "Welt"-Gruppe, erklärte jedoch am Dienstag in seinem persönlichen Facebook-Account, dass es sich um einen Artikel über Wulffs Halbschwester gehandelt habe, der Ende Juni in der "Welt am Sonntag" erschienen sei.

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Wulff steht seit Mitte Dezember wegen seiner Kredite für den Kauf eines Eigenheimes in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident in der Kritik. Eine neue Dimension erhielt der Fall, nachdem bekannt wurde, dass der Bundespräsident persönlich durch einen Anruf bei „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann versucht hat, die erste Veröffentlichung der Zeitung zu den Krediten am 13. Dezember zu verhindern. Bei Springer-Chef Mathias Döpfner intervenierte er nach Angaben des Verlages ebenfalls erfolglos. Auch an die Springer-Mehrheitsaktionärin Friede Springer soll sich Wulff gewandt haben, wie die Online-Ausgabe des Magazins „Cicero“ schrieb.

Gegen Wulff liegen in der Kreditaffäre nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hannover 20 Strafanzeigen vor. Es gebe aber weiterhin keine Ermittlungen. Strafanzeigen sind jederzeit möglich, jeder Bürger kann sie stellen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jedoch immer erst dann konkret, wenn es Anzeichen für eine Straftat gibt. Ein Fall für die Justiz könnten einem Zeitungsbericht zufolge möglicherweise die angeblichen Gratisurlaube des früheren Wulff-Sprechers Olaf Glaeseker werden. Demnach prüft die Staatsanwaltschaft Hannover, ob gegen ihn ein Anfangsverdacht wegen Vorteilsnahme vorliegt. Das sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde. Wulff hatte seinen langjährigen Sprecher kurz vor Weihnachten ohne Angabe von Gründen entlassen.

frs/dpa

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