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Hannover Heiße Diskussionen zur Familienpolitik in Hannover
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15:16 24.08.2011
Brennpunkt Kinderbetreuung: Beim HAZ-Leserforum diskutierten am Montagabend Politiker aller Ratsfraktionen im Pressehaus. Moderiert wurde die Diskussion von HAZ-Redakteuer Andreas Schinkel (dritter v. links). Das Bild unten zeigt die AWO-Kita in der Bonhoefferstraße.
Brennpunkt Kinderbetreuung: Beim HAZ-Leserforum diskutierten am Montagabend Politiker aller Ratsfraktionen im Pressehaus. Moderiert wurde die Diskussion von HAZ-Redakteuer Andreas Schinkel (dritter v. links). Quelle: Steiner
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Hannover

Die Erfahrungsberichte von Müttern über die nervenaufreibende Suche nach Kita-Plätzen haben Christine Kastning offenbar überrascht. „Das sind für mich wichtige Hinweise für die Diskussion in meiner Fraktion“, sagte die SPD-Fraktionsvorsitzende im Rat der Landeshauptstadt in der lebhaften HAZ-Podiumsdiskussion zur Familienpolitik am Montagabend im Pressehaus. Zuvor hatte unter anderem Leserin Sigrid Dorndorf von ihrer schwierigen Suche nach einem Platz berichtet: „Es war ein unendlicher Kampf, einen Kita-Platz zu finden“. Sie sei mit dem Kinderwagen durch Eis und Schnee von Kindertagesstätte zu Kindertagesstätte gelaufen, erzählte sie. Das Familienbüro der Landeshauptstadt habe dann auf eine Tagespflegeeinrichtung verwiesen. „Das ist aber Betreuung zweiter Klasse, die will ich nicht“, sagte die Mutter.

Zu Beginn der Diskussion unter Leitung von HAZ-Redakteur Andreas Schinkel hatte der Sprecher des Kita-Stadtelternrats, Georg Weil, vor allem auf die Probleme beim Ausbau der Krippenplätze hingewiesen. „Was nützt es mir, wenn ich ab dem Jahr 2013 einen solchen Platz einklagen kann, er mir in Hannover aber nicht zur Verfügung steht“, sagte Weil. Kastning verwies auf die Versäumnisse des Bundes beim Ausbau. „Die Bundesregierung hat hier vieles verschlafen“, sagte sie. Wenn es vom Jahr 2013 an zu Klagen komme, sei das ein dringendes Zeichen, dass mehr Plätze zur Verfügung stehen müssten, meinte die Fraktionsvorsitzende der SPD. Auch Maaret Westphely, Fraktionsmitglied der Grünen, wies mit dem Finger nach Berlin. „Eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund und Ländern wird nötig sein“, sagte sie. In Hannover werde es eine Betreuungsquote von rund 60 Prozent geben. „Das ist gut im Bundesvergleich, aber nicht ausreichend“

Oliver Kiamann ging nicht auf die Krippenplätze ein. Stattdessen schlug der CDU-Ratsherr vor, Braunschweig und Salzgitter zum Vorbild zu nehmen. „Die beiden Städte mit CDU-Mehrheiten haben in der Familienpolitik klare Prioritäten gesetzt. Jetzt sind dort auch das erste und das zweite Kindergartenjahr kostenlos.“

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Jens Meyburg warb für Kindertagesstätten in Betrieben. „Das ist ein Bereich, wo man schnell Plätze schaffen kann“, sagte er. In Hannover gebe es viele große Unternehmen, auf sie müsse die Stadt stärker zugehen und sie an ihre „gesellschaftliche Verpflichtung“ erinnern. Ein Problem bei der Kita-Gründung seien oft fehlende Räume. In den Unternehmen sei aber ausreichend Platz vorhanden. Christine Kastning rechnet damit, dass Unternehmen in Zukunft häufiger über Betriebskitas nachdenken, weil der Kampf um qualifizierte Mitarbeiter beginne, und die müsse man mit einem Betreuungsangebot locken. Dagegen sieht André Zingler von den Linken die Betriebs-Kitas skeptisch. Es müsse darauf geachtet werden, dass dort nicht unter Tarif gezahlt werde, meinte er.

Auch die Zuhörer stiegen in die Debatte um Betriebskitas ein. HAZ-Leser Eberhard Lemke bezeichnete sie als „ideale Form, die Kinder unterzubringen“. Außerdem ergebe sich daraus eine gute Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft. Dagegen meinte Katrin Göllinger, sie wolle ihren Kindern keine langen Fahrwege zumuten. „Kitas gehören ins Wohngebiet“.

Engagiert wurde auch die nachmittägliche Betreuung von Schulkindern diskutiert. Georg Weil vom Kita-Stadtelternrat ärgerte sich gewaltig über den Ausbaustopp für Hortplätze in der Landeshauptstadt. Stattdessen hätten SPD und Grüne in Hannover ein „Billigmodell“ in den Ganztagsschulen geschaffen, bei denen die Kinder unter anderem von Ehrenamtlichen aus Vereinen betreut werden. Kastning und Westphely wiesen das zurück. „Das ist auch positiv“, sagte Westphely. „Die Schule wirkt in den Stadtteil, und der Stadtteil kommt in die Schule.“ Oliver Kiamann von der CDU dagegen machte hier die Unterschiede zwischen Rot-Grün und seiner Fraktion deutlich: Die Horte seien eine sehr vernünftige Lösung, meinte er. Denn dort gebe es auch eine Betreuung in den Ferien und von montags bis freitags verlässlichen Zeiten.

Mathias Klein