Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Landtagswahl David McAllister ist vor der Wahl gelassen und konzentriert
Thema Specials Landtagswahl David McAllister ist vor der Wahl gelassen und konzentriert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:01 19.01.2013
Von Dirk Schmaler
„Sie erleben mich gelassen, aber hoch konzentriert“: David McAllister vor der Landtagswahl. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Was sollte er auch machen? Die Aussicht abzustürzen ist für einen Wahlkämpfer nun einmal nicht besonders verlockend. So sitzt David McAllister in dem Flugsimulator einer Firma in Neustadt am Rübenberge. Er hat den Airbus einigermaßen sicher auf die Startbahn manövriert und seinen Ko-­Piloten angewiesen, Schub zu geben. Als die Maschine Fahrt aufnimmt, geht er lieber auf Nummer sicher. „Übernehmen Sie mal kurz“, sagt er zu dem Betreiber des Gerätes. „Ich möchte jetzt nicht vier Tage vor der Wahl abstürzen.“

McAllister zieht die Augenbrauen hoch, er merkt, dass seine Worte mehr sagen, als er eigentlich wollte. Der Mann neben ihm greift zum Steuer. Kurz darauf fliegt der CDU-Ministerpräsident, beobachtet von einem Pulk von Kameras, vergnügt über dem virtuellen Norden Hannovers. Geschafft. Kein Absturz. Ein kurzes Gespräch mit der Belegschaft, ein paar lobende Worte für den Mittelstand, dann muss der Wahlkämpfer auch schon weiter.

Anzeige

McAllister ist im Fehlervermeidungsmodus. Zu knapp sind die Umfragen, die Rot-Grün und Schwarz-Gelb gleichauf sehen. Dabei ist es eigentlich ganz gut gelaufen für den 42-Jährigen. Vor gerade einmal zweieinhalb Jahren hat er das Amt von seinem politischen Ziehvater Christian Wulff übernommen, der heute in der Öffentlichkeit für vieles steht, was man an Politik nicht schätzt. McAllister aber ist inzwischen der beliebteste Politiker des Landes, seine Partei mit Abstand die stärkste Kraft, die Bilanzen sind ordentlich.

Und dennoch ist der Wahlsieg am Sonntag mindestens so nah wie der Absturz. Eine schwache FDP und starke Grüne machen es möglich.

McAllister hat sich vorgenommen, diese Gedanken nicht an sich heranzulassen. „Sie erleben mich gelassen, aber hoch konzentriert“, sagt er. In einem Sessel seines Büros in der hannoverschen Staatskanzlei sitzt er, hat die Beine lässig gekreuzt, die Stimme ist betont heiter. Man ahnt, wie anstrengend dieser paradoxe Zustand konzentrierter Gelassenheit zuweilen sein muss. Doch McAllister ist davon überzeugt, dass dies seine einzige Chance ist. Ans Verlieren denke er „nicht eine Millisekunde“, sagt er. „Sonst hast du schon verloren.“

Doch wie kämpft man für den Sieg in einem Rennen, in dem man persönlich klar in Führung liegt und dennoch nicht weiß, ob es reicht? McAllister sieht vor allem den Trend auf seiner Seite, er hat einen Rückstand aufgeholt. Einige strittige Themen wie die Gorleben-Frage hat er im Vorfeld weitgehend entschärft. Er spricht sich zumindest im Prinzip für alle Schulformen aus, er ist für Kita-Ausbau und Betreuungsgeld, lobt Arbeitgeber und Gewerkschaften gleichermaßen. „Vielfalt“ und „Wahlfreiheit“ sind die Kernbegriffe seiner Wahlkampfreden. Es ist eine Sowohl-als-auch-Politik. Das macht es der Konkurrenz schwer.

Der Blinker sei gesetzt, sagt er. „Jetzt überholen wir das rot-grüne Genossenmobil.“ An der Tür in seinem Büro hängt ein britisches Poster aus dem Zweiten Weltkrieg, es ist eine Variation seiner Selbstbeschreibung: „Keep calm and carry on“ – Ruhe bewahren und weitermachen.

Er macht weiter. Etwa im Gasthof Parrmann in Eystrup bei Nienburg. Dunkles Holz, Gardinen, vertäfelte Decken, Teekuchen. Die Jägerschaft ist gekommen, der Superintendent des Kirchenkreises, eine Schützendelegation, der Wasserverbandsvorsteher ist auch da. McAllister, einst Bürgermeister und Schützenkönig von Bad Bederkesa, mag solche Veranstaltungen. Von der Steifheit, die ihn gelegentlich ergreift, wenn er in eine Fernsehkamera spricht, ist dort nichts zu spüren. Er sei tief beeindruckt, wer alles gekommen ist, ruft er geradezu beschwingt in den Saal: „Alles, was Rang und Namen hat.“

Statt lange über die Wirtschaftsdaten und Energiepolitik zu reden, spricht er in Eystrup lieber über den neuen Radweg um die Ecke, den Ausbau der B 6 und die Bürgerbefragung in dem Örtchen Hilgermissen über die Einführung von Straßennamen, die parallel zur Landtagswahl am Sonntag stattfindet. „Karsten, schick mir mal eine SMS, wie das ausgegangen ist“, ruft er dem örtlichen Kandidaten zu. Als der dem Publikum ankündigt, dass der Fernsehsender RTL den Auftritt McAllisters filmt und senden wird, greift sich der Ministerpräsident das Mikrofon. „Das Wichtigste ist doch nicht McAllister, das Wichtigste ist: Eystrup kommt ins Fernsehen.“

McAllister, der Landesvater. Er klopft Schultern, scherzt, duzt. Die Partei liebt so etwas. Die CDU-Veranstaltungen sind einige Male überbucht gewesen, auch an diesem Abend in Osnabrück. „Im Saal nebenan haben wir noch eine große Leinwand aufgestellt“, sagt ein junger CDU-Mann den Nachzüglern am Eingang der Stadthalle. 2000 Menschen sind gekommen, Angela Merkel ist auch da. Wie so oft in diesen Tagen. Die beiden mögen sich. Er empfinde es als großes Kompliment, wenn er in den Medien als „Merkels Mäc“ bezeichnet werde, ruft McAllister in den Saal. Der „liebe David“ sei ein echter Landesvater, erwidert die Kanzlerin. Er fahre zwar mittlerweile auch ganz gern zu Sitzungen nach Berlin, sagt sie, „aber noch lieber fährt er wieder zurück“.

Am Sonntag könnte es auch darum gehen, ob das in Zukunft so bleibt. So oder so.

Letzte Fragen an David McAllister vor der Landtagswahl

Was war der beste Rat im Wahlkampf?

Bleib du selbst, und lass dich nicht verbiegen.

Was schätzen Sie an Ihrem Konkurrenten Weil?

Wir haben unterschiedliche politische Auffassungen, aber den gleichen Fußballverein – 96. 

Welche Musik hören Sie zwischen Wahlkampfterminen?

Gerade bleibt leider wenig Zeit für Musik. Im Auto lese ich Zeitung, SMS und E-Mails, telefoniere, lese Akten und bereite Reden vor. Ansonsten bin ich ein Fan von Ska-Musik.

Mehr zum Thema
Landtagswahl Rot-Grün, Schwarz-Gelb oder doch Große Koalition? - Mögliche Konstellationen im Landtag nach der Wahl

Rot-Grün, Schwarz-Gelb oder doch Große Koalition? HAZ-Redakteur Klaus Wallbaum gibt einen Überblick über die möglichen Konstellationen nach der Wahl.

Klaus Wallbaum 20.01.2013

Es wird spannend: Am heutigen Sonntag wird in Niedersachsen ein neuer Landtag gewählt. Die HAZ beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Wahl.

Mathias Klein 20.01.2013

Mit Aygül Özkan zieht erstmals eine türkischstämmige Ministerin in den Wahlkampf. Sie plädiert für mehr Chancengerechtigkeit bei der Bildung und auf dem Arbeitsmarkt.

Marina Kormbaki 20.01.2013
Thorsten Fuchs 19.01.2013
Landtagswahl Rot-Grün, Schwarz-Gelb oder doch Große Koalition? - Mögliche Konstellationen im Landtag nach der Wahl
Klaus Wallbaum 20.01.2013
Mathias Klein 20.01.2013