Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Landtagswahl Grüne werben mit Abschaffung der Studiengebühren
Thema Specials Landtagswahl Grüne werben mit Abschaffung der Studiengebühren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:38 07.01.2013
Von Juliane Kaune
Grünen-Bundestagsspitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt (Mitte) und Landtagsspitzenkandidat Stefan Wenzel (3. v. r.) vor der Universität. Quelle: Alexander Körner
Anzeige
Hannover

Noch zahlen Carsten Eilers, Thomas Strozek und Jan Moritz Müller dafür, dass sie an der Leibniz-Uni studieren. 500 Euro pro Semester muss jeder von ihnen aufbringen. „Das ist viel Geld“, sagt Strozek, der ebenso wie seine Kommilitonen seit diesem Wintersemester in Wirtschaftsingenieurwesen eingeschrieben ist. „Ich habe vorher eine Ausbildung gemacht und extra gespart, damit ich die Gebühren bezahlen kann.“ Bis zum vierten Semester reichen die finanziellen Reserven, hat der 21-Jährige überschlagen. Möglicherweise muss er die Campus-Maut fürs fünfte Semester gar nicht mehr überweisen.

Sollten nach der Landtagswahl am 20.Januar statt der Christdemokraten die Sozialdemokraten politisch den Ton angeben, würden die Gebühren landesweit zum Wintersemester 2014/2015 abgeschafft – so hat es SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil angekündigt. Auch die Grünen im Landtag wollen die Gebühren, die nur noch in Niedersachsen und Bayern erhoben werden, bis zu diesem Stichtag los sein. Um dies potenziellen Wählern unter den angehenden Akademikern noch einmal deutlich zu machen, erschienen Vertreter der Grünen am Montag in prominenter Besetzung vor dem Conti-Campus. Die niedersächsischen Spitzenkandidaten Stefan Wenzel und Anja Piel hatten die Bundestagsabgeordnete Katrin Göring-Eckardt, ihrerseits Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl im September, um Unterstützung gebeten.

Etwas Mühe kostete es die Politiker, zur Mittagszeit um die Aufmerksamkeit der Studenten zu buhlen. Viele hasteten zur nächsten Lehrveranstaltung – oder in die Mensa. „Warum studierst Du hier, wo Du Gebühren zahlen musst?“, wollte Göring-Eckardt von Thomas Strozek wissen. Der Emsländer, der diverse Zusagen von Unis in gebührenfreien Studienorten hatte, machte den Eindruck, als müsse er sich rechtfertigen: „Ich wollte nicht so weit von zu Hause weg, Hannover ist eine schöne Stadt, und die Uni hat in den technischen Fächern einen guten Ruf.“ Kommilitone Carsten Eilers, Ostfriese, entschied sich wegen der Aussicht auf ein Großstadtleben für ein Studium in Hannover, statt in Magdeburg 1000 Euro im Jahr zu sparen. „Ich bekomme Bafög, aber das Geld ist ganz schön knapp“, laute seine bisherige Finanzbilanz. Jobben sei bei dem dicht getakteten Studienplan nicht drin. Dennoch sieht der 21-Jährige das Thema differenziert. „Dozenten sagen, dass die Gebühren die Studienbedingungen verbessert haben - ich glaube, das stimmt auch“, meint Erstsemester Eilers, der keine eigenen Erfahrungen aus der sechs Jahre zurückliegenden gebührenfreien Zeit hat. In jedem Fall ist er ein Beispiel dafür, dass auch junge Leute aus nichtakademischen Familien trotz Campus-Maut studieren. Sein Vater ist Frührentner, seine Mutter Reinigungsfachfrau.

Unterm Strich aber sind er und seine Kommilitonen für die Abschaffung der Gebühren – auch ohne den Auftritt der Grünen. „Das ist schon ein Batzen Geld“, sagt Eilers. „Und mein Freund an der Hamburger Uni muss das nicht bezahlen.“