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Landtagswahl Stephan Weil vervollständigt sein Schattenkabinett
Thema Specials Landtagswahl Stephan Weil vervollständigt sein Schattenkabinett
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21:39 30.10.2012
Von Michael B. Berger
Cornelia Rundt (59) soll im Team von Stephan Weil das Sozialministerium übernehmen. Quelle: dpa
Hannover

Hannover. Eigentlich wollte Cornelia Rundt, die langjährige Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ende kommenden Jahres die schönen Seiten des Lebens genießen - in Vorruhestand gehen und reisen. „Ich war auf einem ganz anderen Trip“, sagt sie selbst. Doch dann sei die für sie überraschende Anfrage Stephan Weils gekommen, ob sie nicht Sozialministerin in Niedersachsen werden wolle. Die Fachfrau für Sozialpolitik, die im kommenden Jahr 60 Jahre alt wird, willigte ein. Politik selbst mitzugestalten - diesem Angebot habe sie nicht widerstehen können, sagt Rundt, die den Gedanken an den Vorruhestand komplett gestrichen hat.

Am Dienstag stellte Stephan Weil die 59-Jährige als neuntes und letztes Mitglied seines Teams vor. Rundt, eine gelernte Diplom-Kauffrau, soll Aygül Özkan Konkurrenz machen, die einst Christian Wulff in sein Kabinett geholt hatte. Über Özkan sagt sie: „Sie ist Seiteneinsteigerin, hat sich ungeheuer eingefuchst, ist aber nicht ganz so tief drin in der Sozialpolitik.“ Weil urteilt über die christdemokratische Amtsinhaberin wesentlich uncharmanter. Er bezeichnete die erste Muslima in einem Landeskabinett als „Strohfeuer“.

Cornelia Rundt hingegen habe über Jahre vielfältige Erfahrungen in der Sozialpolitik gesammelt, sei eine „Persönlichkeit, die in der niedersächsischen Fachwelt jeder kennt“. Seit 1997 gehört die Sozialdemokratin zum Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, dessen Mitglieder vorwiegend in der Alten- und Behindertenhilfe tätig sind. Schon in ihrer jetzigen Funktion sieht sie die Defizite in der Sozialpolitik, vor allem im ländlichen Raum. „Ein Konzept wie ‚Essen auf Rädern‘ funktioniert gut in der Stadt, nicht jedoch auf dem Land, wenn die Strecken zu lang werden.“ Der Umschwung der Sozialpolitik auf rein marktwirtschaftliche Modelle funktioniere nicht mehr in Zeiten des demografischen Wandels, wo Senioren wie Familien mit vielen Kindern zu Verlierern werden würden. Sie setzt auf eine bessere Förderung und Koordinierung ambulanter Pflegemodelle „vor Ort“.

Für absolut zynisch hält sie es, wenn CDU-Politiker schon daran dächten, Alte in Pflegeeinrichtungen im Osten zu schicken - aus Kostengründen. Sie fordert eine Anhebung der Pflegesätze in Niedersachsen, hält klare Förderprogramme des Landes für die Niederlassung von Medizinern im ländlichen Raum für notwendig und will ein „Programm für ein inklusives Niedersachsen“ auflegen, das Behinderte in die Mitte der Gesellschaft nimmt. Überhaupt müsse die Sozialpolitik wieder einen höheren Stellenwert bekommen, sagt Rundt. Ganz persönliche Expertisen bekommt sie mitunter von ihren drei erwachsenen Kindern, einem Arzt, einem IT-Spezialisten und der aus Indien adoptierten Tochter, einer Hotelfachfrau.

„Mein Team ist nun komplett“, meinte SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil, der Ministerpräsident David McAllister am 20. Januar ablösen will: „Fünf Frauen, vier Männer.“ Sich selbst hatte er dabei allerdings außen vor gelassen. Neben Rundt treten im SPD-Team noch die Männer Olaf Lies (Wirtschaft), Detlef Tanke (Umwelt), Peter-Jürgen Schneider (Finanzen), Boris Pistorius (Innenministerium) an sowie die Frauen Anke Pörksen (Justiz), Birgit Honé (Europa, Landwirtschaft), Frauke Heiligenstadt (Kultus) und Gabriele Andretta (Wissenschaft) an. Weil versprach, dass eine SPD-geführte Regierung auch bei den Staatssekretären auf eine möglichst unter den Geschlechtern paritätisch ausgerichtete Verteilung achten werde. „Die Frauen werden mindestens die Hälfte stellen.“

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