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Niedersachsens Atommülllager Atommüllendlager in Gorleben kann weiter erkundet werden
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23:04 09.11.2010
Von Karl Doeleke
Die Erkundung des Salzstocks in Niedersachsen soll weitergehen.
Die Erkundung des Salzstocks in Niedersachsen soll weitergehen. Quelle: dpa (Archiv)
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Kaum ist der zwölfte Castor-Transport im Zwischenlager in Gorleben angekommen, gibt es grünes Licht für die Weitererkundung des Salzstocks als atomares Endlager. Das zuständige Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie habe den sofortigen Vollzug der Genehmigung für die Erkundung angeordnet, teilte Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander am Dienstag mit. Damit sei sichergestellt, dass das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) die Erkundungsarbeiten im Bergwerk fortsetzen könne. Sander begründete den Sofortvollzug damit, dass in Gorleben „endlich Klarheit geschaffen werden“ müsse, „ob der Standort für ein Endlager geeignet ist oder nicht“. Aus seiner Sicht gebe es eine Reihe kritischer Fachfragen, denen „in aller Offenheit und Gründlichkeit nachgegangen werden muss“, sagte der FDP-Politiker. Seit dem von der rot-grünen Bundesregierung im Jahr 2000 angeordneten Moratorium hatte die Erkundung geruht.

Das BfS hatte im März im Auftrag des Bundesumweltministeriums die Wiederaufnahme der Erkundung beantragt, dabei aber nicht die sofortige Vollziehung der Genehmigung verlangt. Mehrere im Oktober eingereichte Klagen hatten daher aufschiebende Wirkung und bis gestern die tatsächliche Wiederaufnahme der Arbeiten im Salzstock verhindert. Unter anderem die Kirchengemeinde Gartow, der ein Grundstück neben dem Bergwerk gehört, und die Umweltschutzorganisation Greenpeace wehren sich vor dem Verwaltungsgericht in Lüneburg gegen die Erkundung. Greenpeace und die Kirchengemeinde kündigten gestern an, Widerspruch beim Verwaltungsgericht einzulegen.

SPD und Linke im Landtag reagierten empört. Es sei eine „Provokation“ Sanders, dass er nur wenige Stunden nach der größten Anti-Atom-Demonstration in der Geschichte des Wendlandes die Weitererkundung freigegeben habe, sagte Detlef Tanke (SPD). Der Linke Kurt Herzog bezeichnete den Zeitpunkt als „dreist“.

Nach der Ankunft des bislang langwierigsten Castor-Transports nach Gorleben zeigten sich Atomkraftgegner, aber auch die Sicherheitsbehörden zufrieden. Sprecher der Anti-Castor-Initiativen bezeichneten die Proteste gegen die am Ende knapp viertägige Fahrt der Atommüllbehälter als Erfolg. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) lobte die „insgesamt friedliche Stimmung“. Der Transport hatte wegen zahlreicher Stör- und Blockadeaktionen entlang der mehr als 1000 Kilometer langen Strecke durch Frankreich und Deutschland insgesamt rund 92 Stunden gedauert. Er war damit die längste Castor-Fahrt überhaupt.

Der Artikel wurde aktualisiert.

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