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Niedersachsens Atommülllager Auf der Suche nach Alternativen zu Gorleben
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12:24 13.11.2010
Quelle: dpa (Archiv)
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Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ist am Freitag oft gelobt worden – unter anderen von seinem Kollegen David McAllister (CDU)aus Hannover, von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und auch von Greenpeace. Der Grund: Bouffier hat als erster süddeutscher Regierungschef einen Kurswechsel vollzogen und sich offen gezeigt für die Suche nach einer Alternative zum Atommüllendlager Gorleben. Überall in Deutschland müsse nach einem geeigneten Deponiestandort gesucht werden, sollte sich der Salzstock Gorleben als ungeeignet erweisen, sagte Bouffier. Röttgen wertet diesen Vorstoß als „Zeichen der Solidarität“, Greenpeace sieht in der Union „endlich ein Stückchen Verantwortungsbewusstsein in der Atomdebatte“, und McAllister freut sich, „dass Bewegung in die Diskussion um Gorleben kommt“.

Doch so weit sich Bouffier auch vorgewagt hat – er muss sich nicht darauf einstellen, dass der hoch radioaktive deutsche Atommüll eines Tages bei ihm in Hessen endgelagert wird. In diesem Bundesland gibt es, wie die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) am Freitag bestätigte, weder einen geeigneten Salzstock noch nennenswerte Tonlagerstätten, in denen eine sichere Deponie eingerichtet werden könnte. Auch die Länder Bayern und Baden-Württemberg, die sich bisher vehement für den Endlagerbau in Gorleben stark machen und sich ebenso vehement gegen die Suche nach anderen Standorten stemmen, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit leer ausgehen, wenn eine Alternative zu Gorleben benannt werden muss. Es gibt in Süddeutschland zwar mächtige Tonsteinformationen, doch kommen die allermeisten nicht als Endlager infrage, weil sie in Regionen mit relativ hoher Erdbebenhäufigkeit liegen, wie der BGR-Experte Volkmar Bräuer erläuterte.

Und wo sind denkbare Endlagerstandorte am ehesten zu finden? Die BGR hat die Literatur, Archive und Erkundungsergebnisse bei der Öl- und Gassuche ausgewertet. Danach befinden sich die meisten und größten deutschen Tonlagerstätten in Niedersachsen auf einem breiten Band zwischen der holländischen Grenze und Braunschweig. Ob allerdings überhaupt eine Alternative zu Gorleben gefunden werden muss, ist unklar. Ab Montag setzen die Geologen in Gorleben die Erkundung fort – ergebnisoffen, wie es Röttgen und McAllister wünschen. Parallel dazu wird geprüft, wie McAllister am Freitag andeutete, „ob es Alternativen zu einer Zwischenlagerung des Atommülls in Gorleben geben kann“. Erwogen wird, den Abfall aus der Wiederaufarbeitung in Hallen neben süddeutschen Atommeilern zu parken.

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Die Erkundungsarbeiten für das mögliche Atommüllendlager in Gorleben können wieder aufgenommen werden. Nur Stunden nach dem jüngsten Castortransport nach Gorleben hat das Landesamt für Berbau, Energie und Geologie am Dienstag in Hannover den Sofortvollzug angeordnet.

Karl Doeleke 09.11.2010

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