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Niedersachsens Atommülllager Bundesumweltminister Röttgen reist nächste Woche nach Gorleben
Thema Specials Niedersachsens Atommülllager Bundesumweltminister Röttgen reist nächste Woche nach Gorleben
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13:28 25.11.2010
Bundesumweltminister Röttgen stellt sich einem Dialog in Gorleben.
Bundesumweltminister Röttgen stellt sich einem Dialog in Gorleben. Quelle: dpa
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Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) will sich in der nächsten Woche in Gorleben der Kritik gegen die Erkundung des möglichen Atommüll-Endlagers stellen. „Ich sehe mich in der Pflicht zum Dialog“, betonte Röttgen am Donnerstag bei der Aussprache über den Haushalt des Umweltministeriums im Bundestag. Zugleich betonte er, dass zunächst die Prüfung des Standorts im Wendland weitergeführt werden müsse. Der Besuch ist am kommenden Donnerstag (2. Dezember) vorgesehen.

Nach den heftigen Protesten gegen den Castor-Transport und wegen der Bedenken, ob der Salzstock im niedersächsischen Gorleben sicher genug für eine Lagerung von hoch radioaktivem Atommüll ist, hatten Bürgerinitiativen einen Dialog mit Röttgen vor Ort eingefordert. Mit jedem weiteren Castor-Behälter, der ins Zwischenlager nach Gorleben kommt, sehen die Wendländer ein weiteres Faktum dafür, dass der Atommüll am Ende auch in ihrer Erde vergraben wird. Der Salzstock liegt nur wenige Meter entfernt vom oberirdischen Zwischenlager.

Im Oktober war nach einer zehnjährigen Unterbrechung die Erkundung des Salzstocks neu gestartet worden - bis zu einer ersten Vorentscheidung über die Eignung dürfte es bis mindestens 2017 dauern. Umstritten ist, dass Röttgen zunächst auf eine Beteiligung der Bürger verzichten will. Zudem sollen als ultima ratio auch Enteignungen möglich sein, um alle Bereiche des Salzstocks, die unter den betreffenden Grundstücken liegen, erkunden zu können.

Kritiker sagen, dass das Deckgebirge über dem Salzstock möglicherweise nicht stabil genug ist. Die Atomindustrie hat bisher 1,5 Milliarden Euro investiert und hält ihn trotz vieler Bedenken für geeignet, die heiße, strahlende Fracht für Millionen Jahre sicher zu verschließen. Vergleiche mit dem maroden Atommülllager Asse werden mit der Begründung zurückgewiesen, dass es sich hier um ein zuvor stark beanspruchtes Bergwerk gehandelt habe - während der Salzstock in Gorleben noch „jungfräulich“ sei.

Die Opposition lehnt die weitere Erkundung Gorlebens ab und fordert stattdessen eine Suche nach neuen Standorten in ganz Deutschland. Union und FDP sagen hingegen, man könne das Verfahren in Gorleben nicht mittendrin abbrechen. Röttgen betont, die Suche sei ergebnisoffen. Sollte sich Gorleben als ungeeignet erweisen, werde woanders nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll gesucht.

Nach dem Streit um die längeren Atomlaufzeiten rief Röttgen die Opposition zu einer Versachlichung der Debatte um die Umwelt- und Energiepolitik der Zukunft auf. Besonders die Grünen hätten nichts zu bieten, sie würden immer die „gleiche alte Schallplatte“ auflegen, sagte Röttgen. Die Opposition sei geistig „noch in irgendwelchen Schützengräben“. Die Grünen-Politikerin Dorothea Steiner warf Röttgen vor, er behindere den Ausbau der erneuerbaren Energien. Mit Blick auf das Budget 2011 sagte sie: „Das ist ein Atomhaushalt“. Der SPD- Politiker Frank Schwabe nannte Röttgen einen „Minister des Rückschritts“.

dpa