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Niedersachsens Atommülllager Castor-Transport kostet Niedersachsen 25 Millionen Euro
Thema Specials Niedersachsens Atommülllager Castor-Transport kostet Niedersachsen 25 Millionen Euro
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16:40 09.11.2010
Am Freitag soll der Zug den Verladebahnhof in Valognes Richtung Gorleben verlassen.
Am Freitag soll der Zug den Verladebahnhof in Valognes Richtung Gorleben verlassen. Quelle: ap
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Wegen der Kosten des Polizeieinsatzes zum Castor-Transport hat sich Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) am Donnerstag verärgert über die Bundesregierung gezeigt. „Es ist überhaupt nicht einzusehen“, sagte Schünemann dieser Zeitung, „warum Niedersachsen auf den Kosten sitzen bleibt.“ Der letzte Atommülltransport 2008 hat das Land nach Angaben des Ministers 21,8 Millionen Euro für Unterbringung und Überstunden der 16 500 Beamten gekostet. In diesem Jahr rechnet Schünemann offenbar mit 22 bis 25 Millionen Euro, die auf Niedersachsen zukommen. Der Bund sei gefordert, für einen Ausgleich zu sorgen, argumentiert Schünemann: „Der Castor-Transport ist eine gesamtdeutsche Verpflichtung, und damit stellt die Sicherung auch eine gesamtdeutsche Aufgabe dar.“ Der 2500 Tonnen schwere Sonderzug mit elf Castor-Behältern an Bord wird voraussichtlich heute in Nordfrankreich starten. Seine Ankunft im Wendland wird für Sonntag erwartet.

Mit finanzieller Unterstützung des Bundes oder gar anderer Länder kann Schünemann indes nicht rechnen. Aus dem Innenministerium in Baden-Württemberg hieß es gestern auf Anfrage lediglich: „Das ist schon x-mal diskutiert worden.“ Eine Sprecherin von Innenminister Heribert Rech (CDU) sagte: „Wahrscheinlich will Schünemann, dass das Thema erneut auf der Innenministerkonferenz behandelt wird.“ Bisher sei bei solchen Vorstößen aber noch nie etwas herausgekommen. Bereits Schünemanns Vorgänger Gerhard Glogowski und Heiner Bartling (beide SPD) waren mit ähnlichen Forderungen am großen Schweigen der Kollegen aus den Ländern gescheitert.

Unbeeindruckt vom politischen Streit bereitet man sich im Wendland derweil auf die Ankunft des Atommülls vor. Die Protest-Initiativen rechnen für den Sonnabend mit der größten Anti-Atom-Demonstration, die es in der 30-jährigen Protestgeschichte gegen das Endlager gegeben hat. Mehr als 30 000 Atomkraftgegner werden zur Hauptkundgebung im Wendland erwartet. Die Proteste sollen den Erwartungen zufolge im Wesentlichen friedlich bleiben. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) zeigt Verständnis für diesen Teil der Demonstrationen: „Er wolle die Gegner des Atommülltransports keinesfalls kritisieren, sagte er dem Bremer „Weser-Kurier“. Allerdings dürften wieder mehr militante Demonstranten ins Wendland kommen als in den vergangenen Jahren. „Der autonome Linksextremismus ist in der letzten Zeit gewalttätiger geworden“, sagte Schünemann am Donnerstag.

Karl Doeleke und Margit Kautenburger