Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsens Atommülllager Massiver Anstieg von Blutkrebs im Asse-Umfeld
Thema Specials Niedersachsens Atommülllager Massiver Anstieg von Blutkrebs im Asse-Umfeld
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:52 26.11.2010
Atomfass
Quelle: Nancy Heusel (Symbolbild)
Anzeige

Im Umfeld des maroden Atommülllagers Asse bei Wolfenbüttel ist die Zahl der Blutkrebs-Erkrankungen massiv angestiegen. Zwischen 2002 und 2009 wurden in der Samtgemeinde Asse im Landkreis Wolfenbüttel 18 Fälle - 12 Männer und 6 Frauen - von Leukämie festgestellt. Dies geht aus einem Vermerk des niedersächsischen Sozialministeriums hervor, der der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag vorlag. Derzeit würden die Fälle noch überprüft - bis Mitte Dezember soll ein Bericht vorliegen.

„Eine Ursache dafür kann bisher nicht festgestellt werden“, heißt es in dem Schreiben. Im Auswertungszeitraum würden die Neuerkrankungen konstant über dem Erwartungswert liegen. „Betrachtet man die Leukämie-Neuerkrankungen in der Samtgemeinde Asse, würde man einen Fall pro Jahr erwarten.“ Während bei Männern eine Verdoppelung der Leukämiefälle festgestellt wurde, zeigt sich bei den Frauen zudem eine Verdreifachung der Erkrankungsrate mit Schilddrüsenkrebs.

„Wir wissen aufgrund des vorhandenen und bislang ausschließlich anonymisierten Datenmaterials noch nicht, welchen Einfluss zum Beispiel Lebensalter und Berufstätigkeit auf Erkrankungen haben“, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums am Abend.

Das Ministerium setze darauf, dass der für die Gesundheitsvorsorge zuständige Landkreis Wolfenbüttel und das Bundesamt für Strahlenschutz die Menschen umfassend über die jüngsten Ergebnisse informieren. „Transparenz ist dabei oberstes Gebot.“ Die Landesregierung werde den Landkreis in allen Bemühungen um die zügige und ergebnisoffene Ursachenabklärung unterstützen.

Wegen der Fälle wurde im Landkreis Wolfenbüttel eine Ad-hoc-Arbeitsgruppe eingerichtet, der unter anderem Vertreter des Sozialministeriums, des Umweltministeriums, des Bundesamtes für Strahlenschutz, des niedersächsischen Landesgesundheitsamtes und des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen (EKN) angehören. Die Arbeitsgruppe will am nächsten Dienstag erstmals zusammenkommen.

Alle fünf Fraktionen im Landtag zeigten sich von den Ergebnissen betroffen. Sie seien ein Schock, sagte SPD-Fraktionschef Stefan Schostock. Die Diskussion um das marode Atommülllager habe damit eine neue Dimension erreicht. „Die Zahlen sind sehr besorgniserregend“, betonte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel. „Ich fordere eine umgehende und tabulose Aufklärung.“ Die Asse-Betreiber seien jetzt in der Pflicht nachzuweisen, dass die Krebsfälle nicht auf Wirkungen des Atommülls zurückzuführen sind, sagte Kurt Herzog (Linke).

dpa