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Niedersachsens Atommülllager Zu wenig Mädchen bei Atommülllager Asse geboren
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16:15 08.12.2010
Quelle: Nancy Heusel (Archiv)
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Nach der erhöhten Krebsrate rund um das marode Atommülllager Asse sorgen Berichte über Auffälligkeiten bei den Geburten für neue Unruhe. In der Asse-Gemeinde Remlingen seien von 1971 bis 1979 deutlich zu wenig Mädchen zur Welt gekommen. Das geht aus einer aktuellen statistischen Auswertung von Wissenschaftlern hervor. Der Wolfenbütteler Landrat Jörg Röhmann (SPD) will den Daten nachgehen, um mögliche Zusammenhänge mit radioaktiver Strahlung zu klären.

Vor kurzem war bekanntgeworden, dass in der Umgebung des Endlagers doppelt so viele Leukämie- und dreimal so viele Schilddrüsenkrebsfälle wie im statistischen Durchschnitt aufgetreten waren. Eine Arbeitsgruppe um Landrat Röhmann versucht, der erhöhten Krebsrate auf den Grund zu gehen. Am 16. Dezember solle es einen ersten Zwischenstand geben, sagte Röhmann am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Zudem will er mit den Wissenschaftlern über die geringen Mädchen-Geburten sprechen.

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Aus der Erhebung für den kleinen Ort Remlingen geht hervor, dass sich während der Betriebsphase der Asse - zwischen 1971 und 1979 - das statistisch zu erwartende Geschlechter-Verhältnis verschoben hat. An der Auswertung war der Mathematiker Hagen Scherb vom Helmholtz Zentrum München und andere Wissenschaftler beteiligt. 121 Jungen und 85 Mädchen kamen in diesem Zeitraum in Remlingen zur Welt. Laut Scherb hätten es 30 Mädchen mehr sein müssen. Statistisch ausgedrückt beträgt die Geschlechter-Verteilung 105 Jungen zu 100 Mädchen.

Linke und SPD im Landtag forderten, möglichen Zusammenhängen mit radioaktiver Strahlenbelastung müsse nachgegangen werden. Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW teilte mit, „offenbar sind weibliche Keimanlagen strahlenempfindlicher als männliche“.

Außerdem steht die Überprüfung des Gesundheitszustandes aller Beschäftigten des maroden Atommülllagers Asse vor dem Abschluss. Der Bericht zum Gesundheitsmonitoring werde erarbeitet, sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz. Der Asse-Betreiber will herausfinden, ob Krebserkrankungen von ehemaligen Mitarbeitern des Atommülllagers bei Wolfenbüttel mit der beruflichen Strahlenbelastung zusammenhängen.

dpa

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