Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Schulpolitik in Niedersachsen Althusmann verteidigt Abitur nach 12 Jahren
Thema Specials Schulpolitik in Niedersachsen Althusmann verteidigt Abitur nach 12 Jahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:09 21.01.2011
Trotz eines Schülerrückgangs im ersten Abiturjahrgang nach 12 Jahren hat Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) vor einem Schlechtreden der Schulzeitverkürzung gewarnt. Quelle: dpa

In Niedersachsen machen im Frühjahr die ersten Schüler das Abitur nach 12 statt wie bisher nach 13 Jahren. Einmalig verlassen damit zwei Jahrgänge gleichzeitig die Schulen. Auf diesen doppelten Abiturjahrgang sehe sich die Landesregierung gut vorbereitet, sagte Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) am Freitag im Landtag.

Berichte darüber, dass Schüler der ersten Abgangsklasse 12 wegen schlechter Noten absichtlich ein Jahr wiederholten, wies Althusmann als Panikmache zurück. Die Schülerzahlen seien tatsächlich gesunken, räumte er ein, wollte den Auslöser aber nicht bei der verkürzten Schulzeit sehen. Diese hätte die Noten der Schüler im Allgemeinen auch nicht verschlechtert. Die Grünen-Abgeordnete Ina Korter hatte in einer Anfrage Aufschluss darüber verlangt, warum die Schülerzahlen und anscheinend auch die Leistungen der Schüler eingebrochen sind.

Althusmann nannte als mögliche Ursachen für den Schülerschwund Auslandsaufenthalte der Schüler, den Wechsel auf ein Fachgymnasium oder den Beginn einer Ausbildung. Trotz mehrmaliger Nachfrage der Oppositionsfraktionen im Landtag konnte der Kultusminister keine konkreten Zahlen zu den freiwillig wiederholenden Schülern nennen - und den vielfach skizzierten Trend zur „Flucht aus dem doppelten Abiturjahrgang“ somit weder bestätigen noch widerlegen.

Probleme räumte der Kultusminister bei der Unterbringung des Lernstoffes in der um ein Jahr verkürzten Unterrichtszeit ein. Neue Lehrpläne habe es teils erst gegeben, als die Turbo-Klassen bereits angelaufen waren. Schüler hätten teilweise mit veralteten Lehrbüchern arbeiten müssen. Fachliche Bedenken der Grünen-Fraktion, was den Stoff in Mathematik angeht, wies Althusmann hingegen zurück: Die Mathe-Noten seien stichprobenartig überprüft worden und es habe keine deutliche Verschlechterung gegeben.

Althusmann warnte vor einem Schlechtreden der Schulzeitverkürzung. Die ständigen Diskussionen in der Öffentlichkeit führten bei den Schülern erst zu dem Gedanken „ich schaffe das nicht“, erklärte der Minister. Die Schüler hätten die Schulzeitfrage schlichtweg satt.

In den vergangenen Tagen hatte es Berichte über eine Flucht der Schüler aus dem doppelten Abiturjahrgang gegeben. Insbesondere in der Region Hannover war ein deutlicher Rückgang der Schülerzahlen in der Klasse 12 zu verzeichnen. Der Landkreis und die Stadt Lüneburg hingegen konnten den Trend nicht bestätigen.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Mehr zum Thema

Die Stadt Hannover hat Anfang September nur noch 994 Zwölftklässler an ihren Gymnasien gezählt: Schüler sind aus dem doppeltem Abiturjahrgang geflüchtet und haben andere Wege gewählt - wie die Wiederholung der Klasse oder einen Schulwechsel. Die Absolventenzahl wird 2011 also keineswegs doppelt so hoch ausfallen wie in anderen Jahren.

Bärbel Hilbig 05.01.2011

Im Gegensatz zu anderen Schulen in der Region Hannover hat das anstehende Doppelabitur an der KGS Hemmingen keine Auswirkung auf die Zahlen.

06.01.2011

Weil sie Probleme mit dem Doppelabitur befürchten, wiederholen viele Schüler an Hannovers Gymnasien aus eigenem Antrieb die 11. Klasse, um mehr Zeit zum Lernen zu gewinnen. Eltern und auch Lehrer haben Verständnis – und die Schülerzahlen im vermeintlich übervollen Jahrgang sinken spürbar.

Bärbel Hilbig 05.01.2011

Die Sorge vor einem schlechten Abiturzeugnis und geringeren Aussichten auf dem Arbeitsmarkt hat in ganz Niedersachsen vor allem Zwölftklässler dazu bewogen, aus dem doppelten Abiturjahrgang auszusteigen. Den 12. Jahrgang besuchen aktuell nur noch 23.000 Schüler, die im Frühjahr gemeinsam mit rund 27.000 Gymnasiasten im 13. Jahrgang in die Prüfung gehen.

05.01.2011

Zahlreiche Gemeinden in Niedersachsen haben die Absicht geäußert, zum 1. August 2011 die neue Schulform einführen zu wollen. „Mir liegen rund 40 Interessensbekundungen von Schulträgern vor“, sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU im Landtag, Karl-Heinz Klare.

Marina Kormbaki 22.12.2010

Die Landtagsfraktionen von CDU und FDP haben am Donnerstag das Gesetz zur Einführung der neuen Oberschule in den Landtag eingebracht. In einer Sondersitzung des Kultusausschusses appellierte Bildungsminister Bernd Althusmann (CDU) an die Vertreter von SPD, Grünen und Linken, gemeinsam um die richtigen Lösungen für die schulpolitischen Probleme zu ringen.

17.12.2010