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Schulpolitik in Niedersachsen Niedersachsens Landtag stimmt für Oberschule
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18:14 15.03.2011
Kultusminister Bernd Althusmann (CDU Quelle: dpa

Kurz schien es Aussicht auf einen Friedensschluss in der ideologisch hoch umkämpften Schulpolitik in Niedersachsen zu geben, am Ende blieb nur Streit: Gegen erbitterten Widerstand der Opposition und eines Teils der Verbände hat die schwarz-gelbe Landtagsmehrheit am Dienstag in Hannover die Einführung einer Oberschule beschlossen. Die neue Schulform soll vor allem das Unterrichtsangebot von Haupt- und Realschulen bündeln - entgegen der ursprünglichen Planung wird es aber nicht möglich sein, dort das Abitur zu machen. Die Opposition wirft der Regierung vor, mit der Oberschule die Gesamtschulen ausbremsen zu wollen und Neugründungen von Oberschulen deshalb zu begünstigen.

In aufgeheizter Debatte sprachen beide Lager sich die Kompetenz ab, in der Schulpolitik die Weichen richtig stellen zu können - und gerieten sich schon wegen formeller Dinge in die Haare, ehe der erste Redner das Pult überhaupt erreicht hatte. „Die Oberschule ist die richtige Antwort zu richtigen Zeit“, sagte Kultusminister Bernd Althusmann (CDU). Die Schulform schaffe bessere Chancen für Schüler, die nicht auf dem Gymnasium starteten. Eltern wollten kleinere Klassen, dem trage die Oberschule Rechnung. Die neue Schulform sei einerseits berufsorientiert, ermögliche Schülern aber zugleich einen späteren Wechsel auf ein Gymnasium oder Berufsgymnasium.

„Bitte hören sie auf, den Eltern einzureden, dass der Weg der Glückseligkeit einzig und allein in der Gesamtschule liegt“, sagte der Minister an die Adresse der Opposition. Beim Vergleichstest Pisa habe das Bremer Schulsystem mit Gesamtschulen und Gymnasien mit einem Abitur nach 13 Jahren schlecht abgeschnitten. „Wo liegt denn Bremen, an letzter Stelle, dass kann doch nicht das Schulmodell für Niedersachsen sein.“ Dementgegen gäbe es bei den Pisa-Gewinnern Sachsen und Bayern keinerlei Gesamtschulen. „Gesamtschulen verbessern die Chancengleichheit nicht, das ist ein Totschlagsargument.“ Genüsslich zitierte Althusmann SPD-Regionalpolitiker, die sich entgegen der Landeslinie für eine Oberschule ausgesprochen hatten.

„Man kann keinen Schulkonsens machen, wenn man Schulformen gegeneinander ausspielt“, argumentierte die SPD-Abgeordnete Frauke Heiligenstadt. Kernpunkt der Kritik dabei: Während neue Gesamtschulen nur fünfzügig gegründet werden dürfen, reichen bei einer Oberschule zwei Klassen aus. „Die Oberschule ist in 80 Prozent der Fälle nichts anderes als eine zusammengefasste Haupt- und Realschule, die gibt es eigentlich schon.“ Von einem „Etikettenschwindel Oberschule“ sprach auch die Grünen-Bildungsexpertin Ina Korter.

Nach knapp einem Jahr im Ministeramt setzt Althusmann mit der Oberschule sein erstes eignes Bildungsprojekt durch. Die Chancen zu einem lagerübergreifenden Schulfrieden hätten dabei gleich zu Beginn bildungspolitische Hardliner aus der CDU und vor allem der FDP beschnitten, sagte die Linken-Abgeordnete Christa Reichwaldt. Althusmann, der zunächst offen gewesen sei, was eine Senkung der hohen Hürden für Gesamtschulen angeht, habe sich einfach nicht durchsetzen können. Die Oberschule sei schlichtweg überflüssig und ihre Einführung „eine klare Kampfansage an erfolgreiche Gesamtschulen“.

dpa

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