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Schulpolitik in Niedersachsen Viel Lob für Oberschule - Linke und Grüne zeigen sich enttäuscht
Thema Specials Schulpolitik in Niedersachsen Viel Lob für Oberschule - Linke und Grüne zeigen sich enttäuscht
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11:42 27.10.2010
Kultusminister Bernd Althusmann erhält viel Zustimmung für sein neues Schulmodell.
Kultusminister Bernd Althusmann erhält viel Zustimmung für sein neues Schulmodell. Quelle: dpa
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Der „Bildungsgipfel“ ist noch nicht ganz vorbei, da kommt schon eine sichtlich enttäuschte Grünen-Politikerin Ina Korter aus dem Leibniz-Saal im Landtag. „Auf dieser Basis“, sagt sie, „ist ein Schulfrieden nicht möglich“. Kultusminister Bernd Althusmann habe in der großen Runde von Verbänden und Fraktionen nur das Regierungsmodell vorgestellt und kaum Raum für Diskussion gelassen. „Dabei hätten wir auf Augenhöhe miteinander reden müssen“, schimpft die aufgebrachte Korter.

Ist Althusmann also gescheitert, der Versuch eines Konsenses in der ewig umstrittenen Frage der Schulstruktur fehlgeschlagen? Einige Minuten später sieht das Bild ganz anders aus. Die Kommunalverbände, Vertreter der Bürgermeister, Landräte und Ratsmitglieder, kommen aus dem Saal und zeigen sich dem neuen Modell der „Oberschule“ überraschend aufgeschlossen gegenüber. Zwar gebe es neben dem Licht auch Schatten, erklärt Bernhard Reuter (SPD), Osteroder Landrat und Präsident des Landkreistages. Aber die Regierung habe einen „deutlichen Schritt getan“. Viele Kommunen könnten jetzt Haupt- und Realschulen zusammenfügen, sie könnten dort auch noch Gymnasialzweige angliedern. Dies sei ein guter Schritt, auch bei zurückgehenden Schülerzahlen die Schulen nah am Wohnort zu halten – zumal sogar in den Klassen fünf bis acht alle Kinder in allen Fächern gemeinsam unterrichtet werden dürften. „Es fehlt nicht mehr viel am großen Konsens“, sagt Reuter. Auch Frank Klingebiel (CDU), Oberbürgermeister von Salzgitter und Städtetagspräsident, lobt den „tragfähigen Kompromiss“ und meint: „Wir sind ganz nah am Schulfrieden“. Selbst die SPD-Kultusexpertin Frauke Heiligenstadt nennt Althusmanns Konzept „interessant“ und verspricht eine „sorgfältige Prüfung“. Das passt so gar nicht zur tiefen Enttäuschung, mit der Grüne und Linkspartei auftreten.

Was war geschehen? Althusmann hatte sich in Detailfragen überraschend aufgeschlossen gezeigt. Erstens: Wenn die Kommunen die Oberschule einrichten wollen, sollen sie viele Freiheiten haben – auch jene, bis Klasse acht alle Kinder eines Jahrgangs gemeinsam zu unterrichten. Sie müssen dann lediglich im Zeugnis in Mathe, Deutsch und Fremdsprache eine Leistungseinteilung vornehmen. Ab Klasse neun jedoch herrscht die Aufteilung in Lerngruppen, auch über die Kernfächer hinaus. Diese Variante ist gut für jene Orte, in denen es zu wenig Kinder für Haupt-, Real- und Gymnasialzweige gibt. Sie kommt auch pädagogisch den Anhängern der Integrierten Gesamtschule (IGS) entgegen – die wollen nämlich, dass leistungsstarke Schüler in einer gemeinsamen Klasse die leistungsschwachen mitziehen und motivieren. Insofern kann die Oberschule, wenn die Schulträger es wollen, genauso arbeiten wie eine IGS. Sie darf nur nicht diesen Namen tragen.

Zweitens: Zwar bemängeln die Gesamtschulfreunde, dass die hohen Hürden für neue IGS bleiben sollen – mindestens fünf Züge und das auf 14 Jahre. Doch Althusmann zeigt sich auch hier noch gesprächsbereit: Bevor der neue Gesetzentwurf im Dezember in den Landtag kommt, soll es noch einen Bildungsgipfel geben – und über die Bedingungen einer Absenkung auf vier Züge müsse man dann „noch einmal reden“.

Tatsächlich hatten die GEW, der Landeselternrat und auch die Kommunalverbände diese Hürden für die IGS als den letzten Stolperstein auf dem Weg zu einer großen Einigkeit über die Schulstruktur bezeichnet. Althusmann weckt die Hoffnung, dass dieser Stein noch aus dem Weg geräumt werden kann.

Klaus Wallbaum
 und Saskia Döhner

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