Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
US-Präsidentschaftswahl 2012 Barack Obama nutzt seine zweite Chance
Thema Specials US-Präsidentschaftswahl 2012 Barack Obama nutzt seine zweite Chance
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:39 17.10.2012
Von Stefan Koch
Foto: Im zweiten TV-Duell war Barack Obama etwas überzeugender als sein Kontrahent Mitt Romney.
Im zweiten TV-Duell war Barack Obama (vorne) etwas überzeugender als sein Kontrahent Mitt Romney (hinten). Quelle: dpa
Anzeige
Washington

Drei Wochen vor den US-Präsidentschaftswahlen liefern sich Barack Obama und Mitt Romney in der Nacht zum Mittwoch einen beeindruckenden Schlagabtausch. Beim zweiten TV-Duell erleben die mehr als 50 Millionen Zuschauer eine spannende Auseinandersetzung, bei der sich beide Kandidaten in Topform präsentieren. Doch vielen Beobachtern fällt es rückblickend schwer, die entscheidende Frage zu beantworten: Wer ist der Sieger des Abends?
Der Amtsinhaber zeigt sich im Vergleich zu seinem ersten - verpatzten - Auftritt wie ausgewechselt: Obama greift den Herausforderer mehrfach an und wirft ihm vor, die Unwahrheit zu sagen. Geschickt spielt er auf all die Fehltritte an, die sich der Republikaner in den vergangenen Wochen leistete: "Gouverneur Romney bezeichnet 47 Prozent der Amerikaner als Opfer, weil sie keine Einkommenssteuer zahlen - also unsere Soldaten, die Studenten und all die Berufstätigen, die für ihre Sozialversicherungsbeiträge selbst aufkommen, aber eben unterhalb der Einkommenssteuergrenze liegen. Sind das Opfer?" Außerdem hält er dem 65-jährigen Multimillionär vor, letztlich die Besserverdienenden zu bevorzugen anstatt für mehr Fairness zu sorgen.

Romney wiederum keilt zurück und lenkt die Debatte auf die lahmende Wirtschaft. Als langjähriger Geschäftsmann empfiehlt er sich als der Kandidat, der den Arbeitsmarkt am schnellsten wieder in Schwung bringt: "Mein halbes Leben habe ich in der Privatindustrie verbracht und weiß, wie man Jobs schafft." Obama kontert: "Sie sind ein Meister im Verlagern von Jobs in Richtung China." 

An diesem Abend kommt alles auf den Tisch: Die schwierige Wirtschaftslage, die Umbrüche in Nordafrika, die anhaltende Benachteiligung von Frauen im Berufsleben und vor allem das Lieblingsthema vieler Amerikaner, die Energiepolitik.

Zunächst sitzen die Kontrahenten auf schlichten Hochstühlen. Doch bei jeder Antwort stehen sie auf, gehen zügig auf das Publikum zu und  kreisen bei ihren Statements kreuz und quer über die Bühne. Das zunächst starre Frage-Antwort-Spiel geht mehrfach in direkte Streitgespräche über, die den Abend schnell vorantreiben.  Totenstill ist es im Publikum, wenn sie sich frontal gegenüberstehen. Dann liegt Spannung in der Luft. Es scheint mitunter, als würden sie sich im nächsten Moment körperlich angehen. Doch Obama und Romney sind Profis, ganz besonders in der Selbstdarstellung. Sie fallen sich gegenseitig ins Wort, wissen aber genau, wo die Grenzen liegen.

Die Debatte verläuft nach strengen Regeln, ohne dass sie das  Tempo drosseln. In dem kleinen Städtchen Hempstead im Bundesstaat New York haben zunächst einmal die Bürger das Wort. Wie bei einer Stadtversammlung - einem "Townhall-Meeting" - stellen sie den Kandidaten Fragen, die zuvor ausdrücklich nicht abgesprochen wurden. Ganz Amerika kann sich an diesem Abend davon überzeugen, dass beide Spitzenkandidaten mit dieser Unberechenbarkeit bestens umgehen können. Wer aus dieser Debatte als Sieger hervorgeht, lässt sich schwer sagen.

Fest steht nur, dass Moderatorin Candy Crowley die eigentliche Gewinnerin des Abends im Campus der Hofstra Universität ist. Die 63-jährige CNN-Starjournalistin  greift beherzt ein und schreckt auch nicht zurück, beide Kandidaten - jeweils ein Mal - eines Fehlers zu bezichtigen.

Umfrage sieht Obama als Sieger

Die ersten Umfragen unmittelbar nach Sendeschluss sehen Obama mit einem dünnen Vorsprung vorn. Laut CNN halten 46 Prozent der Zuschauer dem Amtsinhaber für den Gewinner, 39 Prozent tippen auf den Republikaner. Der US-Sender räumt aber ein, dass diese Differenz durchaus im Fehlerbereich liege und daher wenig aussagekräftig sei.

Einige Kommentatoren gehen davon aus, dass die Führung vor allem dem Umstand geschuldet sei, dass sich der Präsident im Vergleich zu der ersten Debatte am 3. Oktober so viel besser und angriffslustiger präsentierte. Ob er allerdings wesentlich überzeugender wirkte als Romney bleibt unter vielen Beobachtern strittig. Immer wieder muss er sich vorwerfen lassen, nicht genug getan zu haben, um neue Jobs für das Millionenheer von Arbeitslosen zu schaffen und den Menschen, die auf Lebensmittelkarten angewiesen sind, neue Perspektiven zu geben. Eine zweite Amtszeit dieses Präsidenten würde "direkt auf die Straße nach Griechenland führen", zischt Romney in Anspielung auf die Euro-Krise.

Dagegen punktet Obama in der Außenpolitik. Der "Commander in Chief" verfällt in eine andere, ernstere Tonlage, wenn es um die jüngsten Krisen geht. Seine Gesichtszüge verändern sich, wenn er plötzlich in knappen, eindringlichen Sätzen spricht, die an eine Befehlsausgabe erinnern - und viele Zuschauer dürften in diesem Moment spüren, dass ihr Präsident tatsächlich ein ernstzunehmender Militärführer ist.

Romneys Versuch, Obama nach dem blutigen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi Führungsversagen vorzuwerfen, geht nach hinten los: Sein Vorwurf, der Präsident habe zu spät erkannt, dass es sich um eine Terrorattacke handelte, ist schlicht falsch. Schon 24 Stunden nach dem Unglück hatte der Chef des Weißen Hauses von einem "Terrorakt" gesprochen - auch wenn sich einige Berater zunächst anders äußerten. Obamas trockene Antwort auf Romney lautet denn auch: "Schauen Sie in den Protokollen nach." Es ist wohl der Moment in der 90-minütigen Debatte, in dem der Amtsinhaber am meisten überzeugt.

Schwer zu beurteilen sind dagegen die Momente, in denen sich das Streitgespräch um die Energiepolitik dreht. Aus europäischer Sicht mag man Obama selbstverständlich beipflichten, wenn er die Bedeutung der erneuerbaren Energien hervorhebt und Deutschlands und Chinas Innovationsstärke in der Wind- und Sonnenenergie hervorhebt. Beide Länder würden sich Zukunftschancen sichern, und Amerika müsse sich beeilen, den Anschluss an diese Technologien nicht zu verpassen.

Auch Romney bestreitet nicht die wachsende Rolle der umweltgerechten Energieträger. Aber er hämmert seinen Anhängern regelrecht ein, dass die Energieunabhängigkeit Amerikas nur mit eigener massiver Öl-, Gas- und Kohleproduktion zu erreichen sei. Thesen, die - noch immer - viele Amerikaner teilen.

Es bleibt aber die Frage, ob diese Streitigkeiten den Ausschlag geben. Angesichts des dahindümpelnden Wirtschaftswachstums verliert so mancher Wähler die Geduld. Die Arbeitslosenquote von knapp acht Prozent, hohe Benzinpreise und 16 Billionen Dollar Staatsschulden lasten schwer auf dem Amtsinhaber. Es ist offensichtlich: Das Kopf-an-Kopf-Rennen setzt sich in den nächsten drei Wochen bis zu den Präsidentschaftswahlen fort.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Mehr zum Thema

Spannender kann es kaum werden: Bei der zweiten TV-Debatte mit Romney könnte es für Obama um Alles oder Nichts gehen. Einen weiteren mauen Auftritt darf er sich nicht leisten.

16.10.2012

Diese Nacht ist der Höhepunkt der bisherigen US-Wahlkampagne 2012: Joe Biden und Paul Ryan, die beiden Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten, liefern sich in Kentucky ein landesweit übertragenes Streitgespräch, das mehr als 40 Millionen Menschen vor den Fernsehern fesselt. Eine feurige Debatte, bei der sich beide Seiten nichts schenken.

Stefan Koch 14.10.2012

Die beliebte US-Kinderserie Sesamstraße will nicht zum Nebenschauplatz des Präsidentschafts-Wahlkampfes werden. Die Macher der Sendung forderten US-Präsident Barack Obama auf, einen neuen TV-Werbespot mit Sesamstraßen-Vogel Bibo (Big Bird, dt: großer Vogel) abzusetzen.

10.10.2012