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US-Präsidentschaftswahl 2012 Paul Ryan hat im TV-Duell leicht die Nase vorn
Thema Specials US-Präsidentschaftswahl 2012 Paul Ryan hat im TV-Duell leicht die Nase vorn
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06:15 14.10.2012
Von Stefan Koch
Foto: Joe Biden (links) und Paul Ryan (rechts) lieferten mit ihrer TV-Debatte den bisherigen Höhepunkt des US-Präsidentschaftswahlkampfs.
Joe Biden (links) und Paul Ryan (rechts) lieferten mit ihrer TV-Debatte den bisherigen Höhepunkt des US-Präsidentschaftswahlkampfs. Quelle: dpa
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Washington

Anders als Barack Obama in der vergangenen Woche, geht sein Stellvertreter in der Nacht zum Freitag immer wieder in die Offensive. Biden nimmt sich genüsslich die umstrittenen Aussagen des Herausforderers Mitt Romney vor, der von 47 Prozent der Amerikaner gesprochen hatte, die sich als „Opfer“ fühlen und sich quasi als Sozialschmarotzer aufführen würden. „Diese Menschen“, sagt Biden, „sind meine Mutter, mein Vater, meine Nachbarn.“ Sie allesamt würden mehr Steuern zahlen als Gouverneur Romney. Die Republikaner wollten die Mittelschicht als „Geisel“ nehmen, um die Reichen des Landes zu entlasten.

Ryan hält dagegen und betont, dass Wohlstand und neue Jobs nur zu erreichen seien, wenn die Belastungen für die Mittelschicht und für kleinere Unternehmen reduziert werden. Keineswegs, so der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Repräsentantenhaus, wolle man die Abgaben für die Reichen senken. Durch das Stopfen der Steuerschlupflöcher würde sich für sie nichts Wesentliches ändern. 

Die beiden Kontrahenten könnten unterschiedlicher kaum sein: Der amtierende Vizepräsident ist 69 Jahre alt, steht seit vier Jahrzehnten in der Bundespolitik und sieht sich als Vertreter des kleinen Mannes. Der 42-jährige Angreifer gilt als finanzpolitischer Hardliner, der niedrige Steuern und ein knallhartes Sparprogramm – vor allem auch bei den Sozialleistungen – als Grundlage für einen erneuten Aufschwung sieht. Angesichts von gegenwärtig knapp acht Prozent Arbeitslosen und einem Heer von Hilfsbedürftigen, die auf Lebensmittelkarten angewiesen seien, könne von einer erfolgreichen Obama-Politik keine Rede sein.

Obwohl es für den Republikaner das erste TV-Duell ist, zeigt er sich ebenso professionell wie sein politischer Gegner. Vielleicht sogar noch etwas besser: Zu Beginn der Show gehen beide freundlich aufeinander zu, schütteln sich die Hände und tauschen ein paar Höflichkeiten aus. Während der Auseinandersetzungen fallen sie sich nur selten ins Wort. Doch Biden dürfte bei den Zuschauern leicht an Sympathien eingebüßt haben, da er Ryan etwas altväterlich „mein Freund“ nennt und die Ausführungen seines Gegners mit einem breiten Lächeln quittiert, das einige Beobachter später als herablassend kritisieren. In ersten landesweiten Umfragen sieht der US-Sender CNN den republikanischen Herausforderer als Gewinner der Debatte – wenn auch nur mit geringem Vorsprung.

Unerwartet stark hatte sich – der eigentlich außenpolitisch unerfahrene – Ryan gerade in internationalen Fragen gezeigt. Gegenüber dem Iran fordert der Kongressabgeordnete eine Politik der harten Hand. Und die Angriffe auf das amerikanische Konsulat im libyschen Bengasi, bei dem unter anderem Botschafter Christopher Stevens getötet wurde, seien ein deutliches Indiz, dass sich die „US-Außenpolitik unter Obama in Auflösung befinde“.

Biden hält dagegen und warnt davor, wegen des Irans einen neuen Krieg zu beginnen. Gerade in der Außenpolitik sei der Amtsinhaber erfolgreich gewesen, da er „mit kühlem Kopf und klaren Vorstellungen“ in seinen ersten vier Jahren das Land geführt habe.

Anders als beim ersten Aufeinandertreffen von Obama und Romney erlebten die Zuschauer einen ungemein scharfen Schlagabtausch, der über die gesamten 90 Minuten hinweg auf hohem Niveau anhält. Nach der mit Spannung erwarteten Wahlschlacht taten sich die amerikanischen Medien in der Nacht zunächst schwer, einen eindeutigen Sieger zu ermitteln. Ihre Botschaft lautet: Bis zum 6. November bleibt es höchst spannend.

Trotz des jüngsten Umfragehochs der Republikaner gilt Obama in Fachkreisen jedoch weiterhin als heimlicher Favorit. Ihm kommt das Wahlsystem zugute: Der US-Präsident wird nicht direkt gewählt, sondern von – zurzeit – 538 Wahlmännern. Dieses etwas altertümliche System führt unter anderem dazu, dass die Stimme eines einzelnen Wählers in einem bevölkerungsarmen Bundesstaat mehr zählt als in einem bevölkerungsreichen Bundesstaat. US-Medien gehen davon aus, dass 269 Wahlmänner fest zu den Demokraten zu rechnen seien. Um diese geballte Macht zu überstimmen, müsste Romney in sämtlichen sieben großen „Swing States“ gewinnen, die zurzeit besonders umkämpft sind.

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